03.05.2018

Deutschland: Schweigemarsch von Muslimen beschimpft

Geislingen: Evangelische Allianz setzte Zeichen gegen Antisemitismus

Auf Initiative der örtlichen Evangelischen Allianz demonstrierten rund 350 Personen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Foto: Evangelische Allianz

Geislingen (idea) – Im württembergischen Geislingen an der Steige haben auf Initiative der örtlichen Evangelischen Allianz rund 350 Personen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Sie zogen am 29. April bei einem Schweigemarsch durch die Stadt. Dabei kam es zu Beleidigungen. Offenbar als Reaktion auf ein Banner mit dem israelischen Davidstern, das die Marschierer mit sich führten, schrien zwei Kopftuch tragende Frauen und ein Kind immer wieder „Scheiß Juden“, sagte der Hauptorganisator des Marsches, der Baptistenpastor Matthias Lotz, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Auch als die Demonstranten an einer Moschee vorbeikamen, seien sie beschimpft worden. Aufgrund einer Strafanzeige habe die Kriminalpolizei Ermittlungen aufgenommen.

Zwei Stelen erinnern an das ehemalige KZ

Der Anlass für den Schweigemarsch war die Einweihung einer Gedenkstätte auf dem ehemaligen Außengelände eines Konzentrationslagers in Geislingen. Dort waren 1944 und 1945 rund 800 jüdische Zwangsarbeiterinnen untergebracht, die in der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in der Stadt eingesetzt wurden. Heute befindet sich auf dem Gelände ein Unternehmen. Das Mahnmal besteht aus einem Stück nachgebauten Zaun mit Stacheldraht, zwei Stelen mit Inschriften über das KZ sowie einer Nachbildung der Holzschuhe – allerdings aus Metall –, die die damaligen KZ-Insassen trugen. Der Schweigemarsch führte vom WMF-Gelände zur Erinnerungsstätte. Er wurde von den Parteien CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Freie Wähler sowie der Gewerkschaft IG Metall unterstützt.