03.01.2017

Deutschland: Satanisten und heidnische Symbole

Lippe: Unbekannte installieren heidnisches Symbol auf Externsteinen

Staatsschutz ermittelt wegen eines möglichen rechtsradikalen Hintergrunds

Horn-Bad Meinberg (idea) – Unbekannte haben in der Neujahrsnacht auf den Externsteinen (bei Horn-Bad Meinberg/Teutoburger Wald) eine Holzsäule in Form des heidnischen Irminsul-Symbols installiert. Der rund drei Meter hohe Pfosten sei in den Farben schwarz, weiß und rot angemalt gewesen, erklärte der Sprecher der Polizei Bielefeld, Achim Ridder, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Da diese Farbkombination als Symbol des Deutschen Reiches gilt, sei ein rechtsradikaler Hintergrund nicht ausgeschlossen. Der Staatsschutz ermittle, ob die Aufstellung eine Straftat darstellt. Die Feuerwehr habe das hölzerne Objekt am 1. Januar wieder entfernt. Die Irminsul war ein frühmittelalterliches Heiligtum der Sachsen, das von Karl dem Großen (768–814) zerstört wurde. Sie sei unter anderem von den Nationalsozialisten als Gegensymbol zum christlichen Kreuz missbraucht worden, erklärte die Denkmalstiftung des Landesverbandes Lippe auf ihrer Internetseite. Von Anhängern neuheidnischer Kulte werde immer wieder behauptet, dass sich auf den Externsteinen ein germanisches Heiligtum befunden habe. Dafür gebe es aber keine wissenschaftlichen Belege. Der Landesverband prüfe, wegen der Aufstellung des Holzobjekts Strafanzeige zu erstatten.

Satanismus heute: Jeder ist sein eigener Gott

„Ich lebe so, wie alle anderen Religionen es verbieten“

Offenbach/Berlin (idea) – Moderne Satanisten haben mit verwüsteten Gräber, schwarzen Messen und blutigen Tieropfern nichts zu tun. Dieser Ansicht ist das Nachrichtenportal Rhein-Main Extra-Tipp (Offenbach). Satanismus sei vielmehr eine Lebensauffassung, „in der man sich selbst das Wichtigste ist und über allem anderen steht: Man ist quasi sein eigener Gott“, zitiert das Magazin einen Frankfurter Satanisten, der sich „Udo“ nennt, Bundeswehrsoldat ist und anonym bleiben will. Er und seine Bekannte „Daniela“ gehören dem deutschlandweiten Satanistenzirkel „Bruderschaft des Samael“ an. Der Satanismus, wie sie ihn praktizierten, sei Genuss ohne Einschränkungen. An die Existenz eines Teufels oder auch an Gott glaubten sie nicht. Udo: „Ich fröne dem Laster. Ich esse die köstlichsten Lebensmittel, trinke edle Spirituosen und gehe mindestens einmal pro Woche ins Bordell. Kurz: Ich lebe so, wie alle anderen Religionen es einem verbieten.“ Gefühle wie Mitleid oder Nächstenliebe lasse er nur zu, wenn sie ihm nutzten. „Ich setze meinen Mitmenschen gegenüber gnadenlos meine Linie durch, auch wenn die dadurch zu kurz kommen.“ Allerdings räumen beide ein, durchaus auch Rituale zu praktizieren. Beide tragen in ihrer Freizeit nur schwarze Kleidung und haben in ihrer Wohnung einen Teufelsaltar aufgebaut. Wie das Nachrichtenportal weiter erläutert, sei für Satanisten der Mensch lediglich ein Tier unter anderen Tieren.

EZW-Fachmann: Der Egoismus macht Menschen tief unglücklich und einsam

Der Satanismus-Fachmann in der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Kai Funkschmidt (Berlin), hält die Schilderungen der beiden Satanisten für glaubwürdig. Satanismus sei im Wesentlichen eine schaurige Selbstbezeichnung, die sich jeder zulegen könne, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage. Funkschmidt: „Für manche Menschen ist das eine leichte Möglichkeit Aufmerksamkeit zu erregen – ohne das Label ‚Satanismus’ hätten die beiden Interviewten vermutlich kaum jemals einen Auftritt in der Zeitung gehabt.“ Letztlich handele es sich oft um „eine pseudophilosophische Rechtfertigung für exzessiven Hedonismus, Egoismus und Rücksichtslosigkeit“. Aus christlicher Sicht ist Funkschmidt davon überzeugt, „dass diese glorifizierte Ich-Fixierung die betroffenen Menschen letztlich selbst tief unglücklich und einsam macht“.