11.10.2017

Deutschland: Rat an Flüchtlinge: Das Glaubenszeugnis aufschreiben

Konsultationstag „Deutsch-persische Gemeindeentwicklung“ in Mainz

Mainz (idea) – Flüchtlinge aus muslimischen Ländern, die in Deutschland Christen geworden sind, sollten ihr Glaubenszeugnis ausführlich aufschreiben. Diesen Rat gab der Frankfurter Rechtsanwalt Andreas Hantschel den Teilnehmern eines Konsultationstages „Deutsch-persische Gemeindeentwicklung“ des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) am 7. Oktober in Mainz. Weil Mitarbeiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) häufig die Auffassung verträten, eine Bekehrung oder Taufe sei nur vorgeschoben, um Asyl in Deutschland zu erhalten, sei es wichtig, den geistlichen Prozess und die persönlichen Gotteserfahrungen zu benennen. Gemeinden sollten die Asylbewerber dabei unterstützten, so Hantschel. Er hat sich auf die juristische Begleitung von Flüchtlingen spezialisiert.

Wie Integration gelingen kann

An dem Treffen beteiligten sich 50 Personen aus zwölf Gemeinden. Ein Drittel der Teilnehmer kam aus dem Iran und Afghanistan. Wie der Referent für Integration und Migration der Freikirche, Pastor Thomas Klammt (Wustermark bei Berlin), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, gibt es Iraner nicht erst seit der großen Flüchtlingsbewegung 2015/2016 in den Gemeinden. Seit vielen Jahren seien bis zu 5.000 Iraner jährlich nach Deutschland gekommen. Einige hielten sich zu christlichen Gemeinden. Sie könnten nun bei der Integration der aktuellen Flüchtlinge helfen. So engagiere sich der aus dem Iran stammende Christ Bahram Estedabady, der bereits 1986 in Deutschland das unter seinen Landsleuten aktive Missionswerk „Licht und Hoffnung“ gegründet habe, heute in der Baptistengemeinde Mainz. Unter deren 240 Mitgliedern sind 60 Farsisprachige.

100 Baptistengemeinden haben iranische Mitglieder

Klammt zufolge haben sich seit zwei Jahren Iraner im großen Stil den Baptistengemeinden angeschlossen. In rund 100 der 800 Gemeinden der Freikirche gebe es inzwischen persischsprachige Mitglieder. Bis 2016 seien über 1.000 von ihnen getauft worden. Klammt schätzt, dass in diesem Jahr noch einmal so viele hinzukommen werden: „Dass so viele Menschen aus dem Iran in unsere Gemeinden kommen, ist nicht das Ergebnis eines erfolgreichen Missionsprogramms.“ Man erlebe vielmehr etwas von dem Wunder, „dass die Christenheit in diesem Land derzeit weltweit am stärksten wächst.“ Bis heute staune man in vielen Gemeinden darüber, Teil dieser Erweckung zu sein. Für einen Segen hält es Klammt, dass die Iraner meist keine eigenen Gemeinden bilden wollten, sondern sich fast an allen Orten bestehenden Gemeinden verschiedener Konfessionen anschlössen.