29.08.2017

Deutschland: Kauder: Volkskirchen dürfen Missionsauftrag nicht vernachlässigen

In vielen Gottesdiensten sitzen kaum noch Gläubige

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder bei der 122. Allianzkonferenz Foto: DEA

Wetzlar (idea) – Die beiden Volkskirchen dürfen den Missionsauftrag nicht vernachlässigen. Sie müssen mehr für ihre Botschaft in der Öffentlichkeit werben. Diese Ansicht vertrat der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Nach seinen Worten sitzen in vielen Kirchen kaum noch Gläubige, um Gottesdienst zu feiern. Dies sei bei Gemeinden, die der Evangelischen Allianz nahestehen, und in Freikirchen anders. Zwar habe er nichts dagegen, dass die Kirchen sich auch zu politischen Fragen äußerten. Aber ihre Stimme sei dann nicht bedeutender als andere. Kauder: „Die erste Aufgabe der Kirche bleibt die Verkündung der frohen Botschaft.“

Kirchen sind sich bei politischen Stellungnahmen nicht einig

Er kritisierte, dass die Kirchen bei politischen Stellungnahmen völlig unterschiedliche Haltungen einnähmen. So habe die evangelische Kirche die „Ehe für alle“ befürwortet, während die römisch-katholische Kirche und die Deutsche Evangelische Allianz sie ablehnten. Kauder: „Wenn sich schon die Kirchen nicht einig sind, kann man von der Unionsfraktion nicht erwarten, dass sie einstimmig auftritt.“ Bei der Abstimmung hatten 75 der 309 Unionsabgeordneten für die „Ehe für alle“ votiert. Er selbst habe dagegen gestimmt, weil die Ehe die Verbindung von Mann und Frau sei, so Kauder. Er halte das Vorhaben einer „Ehe für alle“ für problematisch und hoffe, dass sie nicht auf Geschwister oder Dreierbeziehungen ausgeweitet werde.

Nur ein Teil der Flüchtlinge wird dauerhaft bleiben können

Kauder äußerte sich auch zur Integration von Flüchtlingen. Ein großer Teil der Zuwanderer weise nicht den Bildungsgrad auf, der in Deutschland für qualifizierte Arbeit gefragt sei. Unter ihnen sei aber eine beachtliche Zahl junger Menschen, die die Voraussetzungen für einen Handwerksberuf mitbrächten. Er glaube, dass die Integration gelingen könne. Wesentlich sei dafür das Erlernen der deutschen Sprache. Allerdings werde nur ein Teil der Flüchtlinge dauerhaft bleiben können. Bürgerkriegsflüchtlinge hätten einen befristeten Aufenthaltsstatus und müssten in ihr Heimatland zurückkehren, wenn sich die Situation dort verbessert habe. Kauder: „Wir werden sehen, dass sehr viele, die gekommen sind, Deutschland wieder verlassen.“ Zur Frage, warum derzeit weniger als fünf Prozent der ausreisepflichtigen Ausländer in ihre Heimat zurückkehren, erklärte Kauder, Abschiebungen seien nicht einfach. Bisher verhindere eine rot-grüne Mehrheit im Bundesrat, dass Tunesien, Algerien und Marokko zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden. Geschehe dies, würde das Asylverfahren beschleunigen.

Kauder: Ich würde derzeit keinen Urlaub in der Türkei machen

Zum deutsch-türkischen Verhältnis sagte Kauder, er würde derzeit nicht in der Türkei Urlaub machen. Unter Präsident Recep Tayyip Erdogan komme es zu „willkürlichen Verhaftungen“. Kauder: „Ich wäre als Deutscher, der nicht nur Jubelsätze über Erdogan sagt, dort nicht mehr sicher.“ Wenn die Türkei der Europäischen Union beitreten wolle, müsse sie Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Religionsfreiheit gewährleisten. Wenn sie dies nicht akzeptiere, schließe sie sich selbst aus Europa aus.

Wie die CDU AfD-Wähler zurückgewinnen will

Zur Frage, wie die CDU Christen zurückgewinnen wolle, die mit der AfD liebäugeln, sagte Kauder, er setze auf die Klugheit der Menschen. Die AfD grenze Menschen aus und dulde rechtsradikales Gedankengut. Als Christ habe man jedoch nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern für die Welt. So sei das geeinte Europa eine große Leistung. Kauder: „Wer dieses Europa attackiert, versündigt sich an dieser großen politischen Idee.“