22.11.2017

Deutschland: Evangelisation in Sachsen

Parzany: Viele Christen sind zu harmoniebedürftig - Rund 800 Teilnehmer beim Freundestag der Evangelisation in Sachsen

Evangelist Ulrich Parzany, Foto: Flyer 6. FREUNDESTAG EVANGELISATION

Limbach-Oberfrohna (idea) – Viele Christen sind zu harmoniebedürftig, wenn es um zentrale christliche Inhalte geht. Diesen Eindruck hat der Evangelist Ulrich Parzany (Kassel). Anstatt für biblische Wahrheiten einzustehen, handelten sie nach dem Motto „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, sagte er am Buß- und Bettag (22. November) beim Freundestag Evangelisation des Evangelisationsteams Sachsen in Limbach-Oberfrohna. Er habe es mehr als einmal erlebt, dass Pfarrer sich bei ihm gemeldet hätten, um ihre Zustimmung zu seinem Buch „Was nun, Kirche?“ zu signalisieren, so Parzany vor den rund 800 Gästen. „Dann höre ich: Eigentlich sehe ich es genauso wie Sie. Aber meine Frau sagt, ich solle an die Zukunft unserer Kinder denken, und meine Beamtenpension nicht aufs Spiel setzen.“ In dem Buch beschäftigt sich Parzany kritisch mit der Situation der deutschen Landeskirchen. Es landete binnen weniger Wochen nach Erscheinen auf der Spiegel-Bestsellerliste in der Rubrik Religion. Der Evangelist ermutigte die Teilnehmer dazu, sich auch gegen Widerstand zu zentralen Glaubensinhalten zu bekennen: „Wenn wir nicht stärker zusammenrücken, den Mund aufmachen und einen aufrechten Gang lernen, werden wir heftige Probleme bekommen.“

Den Juden das Evangelium nicht vorenthalten

Kritik übte der Evangelist am Kurs der EKD beim Thema Judenmission. Zu Recht sei dabei Feingefühl gefragt, nachdem die Kirche den Juden jahrhundertelang Unrecht getan habe. Auch sei verständlich, dass Christen in Deutschland nach den Erfahrungen des Holocaust bei diesem Thema sensibel seien. Aber deswegen den Juden das Evangelium vorzuenthalten, sei verkehrt. Parzany: „Die Kirchen haben alle beschlossen: Juden brauchen das Evangelium nicht, sie haben einen eigenen Weg.“ Im vergangenen Jahr hatte die EKD-Synode in einer einstimmig verabschiedeten „Kundgebung“ eine christliche Mission unter Juden abgelehnt. Darin heißt es, Christen seien ungeachtet ihrer Sendung in die Welt nicht berufen, Israel davon zu überzeigen, dass der Weg zu Gottes Heil nur über den Juden Jesus Christus führe: „Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels“, so die EKD.

Nie zuvor sind so viele Muslime Christen geworden

Wie Parzany weiter ausführte, sind nie zuvor seit der Entstehung des Islams im 7. Jahrhundert so viele Muslime Christen geworden wie in den vergangenen Jahren. Nicht nur im Iran, sondern auch in Nordafrika entstünden christliche Gemeinden: „Da bekehren sich Tausende.“ In aller Welt wüchsen die Kirchen – nur nicht in Westeuropa, „wo es die reichsten und schönsten Kirchen gibt“. Parzany ermutigte dazu, den Missionsbefehl Jesu ernstzunehmen und allen Völkern den christlichen Glauben zu bezeugen. „Eine Ausrede gilt in Deutschland nicht mehr, nämlich die, man wüsste nicht, wo alle Völker seien“, sagte Parzany mit Blick auf die starke Zuwanderung aus vor allem islamischen Ländern seit 2015. Das Evangelisationsteam veranstaltet den Freundestag jedes Jahr. Mit seinen neun Mitarbeitern arbeitet es als Verein auf der Glaubensgrundlage der Deutschen Evangelischen Allianz. Es finanziert sich ausschließlich über Spenden.