19.03.2018

Deutschland: Debatte um den Islam

Gehört „evangelikaler Fundamentalismus“ nicht zu Deutschland? SPD-Abgeordneter reagierte auf die Debatte um den Islam

Foto: pixabay

Berlin (idea) – Der Parlamentarische Staatssekretär für Europa im Auswärtigen Amt, der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth, hat sich auf Twitter kritisch über „evangelikalen Fundamentalismus“ geäußert. Der Publizist Hugo Müller-Vogg (Berlin) hatte dort geschrieben: „,Der Islam gehört zu Deutschland’. Kann mir jemand erklären, welcher Islam damit gemeint ist? Schließt ,der’ Islam auch die Hassprediger in Moscheen ein?“ Darauf antwortete Roth: „Der gehört genauso wenig zu Deutschland wie der evangelikale Fundamentalismus.“ Der Beitrag stieß bei Twitter-Nutzern teilweise auf Kritik. Der Gründer und Leiter des charismatisch geprägten Gebetshauses Augsburg, der katholische Theologe Johannes Hartl, schrieb, dass dann auch der Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) nicht zu Deutschland gehöre: „Und wer an die Historizität der Auferstehung glaubt, gleicht den Trägern von Sprengstoffgürteln und den Enthauptern von ISIS.“ Roth hatte ferner auf Nachfrage eines Nutzers, wie er „evangelikalen Fundamentalismus“ definiere, einen Beitrag auf der Internetseite der „Bundeszentrale für politische Bildung“ verlinkt, in dem ein Vortrag des Leiters der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Reinhard Hempelmann (Berlin), zusammengefasst wird. Darin heißt es, dass ein zentrales Merkmal für fundamentalistische Bewegungen ein „wörtliches Bibelverständnis“ sei. Das kommentiert auf Twitter Pastor Wolfgang Häde wie folgt: „Wer also z. B. Feindesliebe ganz wörtlich nimmt, ist ein Fundamentalist?“

Allianz-Generalsekretär: Dieser Vergleich ist zu bedauern

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), sagte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, man könne nur bedauern, dass Roth diesen Vergleich ziehe. Es sei möglicherweise damit zu entschuldigen, dass er nicht gut informiert sei: „Man müsste die Gegenfrage stellen, was er denn damit meint? Denn die evangelikale Bewegung in Deutschland steht in der großen Tradition der Reformation und des Pietismus. Schade, dass dies offenbar im Reformationsjubiläumsjahr noch nicht alle erreicht hat.“ Eine idea-Anfrage bei Roth blieb „aus Zeitgründen“ bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.