16.03.2016

Deutschland: Christliche Flüchtlinge fühlen sich nicht geschützt

Hilfswerke: Verfolgung von christlichen Flüchtlingen melden

„Aktion für Verfolgte und Notleidende” will Berichte sammeln

Nidda/Kelkheim (idea) - Christliche Flüchtlinge fühlen sich in Deutschland nicht geschützt. Davon ist die „Aktion für Verfolgte und Notleidende“ (AVC) überzeugt. Das Hilfs- und Missionswerk mit Sitz in Nidda (Mittelhessen) hat deswegen eine Umfrage gestartet. Es bittet darum, Angriffe auf christliche Flüchtlinge zu melden. So wolle man dokumentieren, wie verbreitet Anfeindungen und Misshandlungen sind. „Wir bekommen Fälle aus ganz Deutschland gemeldet“, sagte AVC-Vertreterin Erika Gitt der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Die Vorwürfe reichten von Schikane in den Unterkünften bis hin zu Verprügelungen. Doch die meisten Angriffe werden nach Einschätzung von Gitt bislang nicht bekannt. Die Dunkelziffer sei extrem hoch: „Die Flüchtlinge vertrauen der Polizei nicht. Sie haben Angst, dass die Situation für sie anschließend noch schlimmer wird.“ Häufig seien es Pastoren oder andere Gemeindemitglieder, die die Übergriffe meldeten. Denn sie seien meist die einzigen, mit denen die Flüchtlinge offen redeten. Die AVC wurde 1972 gegründet, um verfolgten Christen im Machtbereich der Sowjetunion beizustehen. Heute engagiert sich das Werk mit lokalen Partnern auf vier Kontinenten.

Open Doors: Wir recherchieren so gründlich wie möglich

Neben AVC ruft auch das christliche Hilfswerk Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) auf, religiös motivierte Verfolgung zu schildern. Ziel ist nach eigenen Angaben, die „häufig vertuschten oder verharmlosten Vorfälle“ an die Öffentlichkeit zu bringen und Politiker zu bewegen, einen wirksamen Schutz für Christen zu gewährleisten. Konkretes könne man derzeit noch nicht sagen, wie Pressesprecher Ado Greve idea mitteilte: „Wir wollen so gründlich wie möglich recherchieren, damit wir belastbares Material bekommen – und zwar deutschlandweit.“ Er mache aber ebenfalls die Erfahrung, dass christliche Flüchtlinge sich nicht trauten, über die Angriffe zu sprechen. Manchmal würden diese auch vom Wachdienst vertuscht. Er wisse von Flüchtlingen, die etwas melden wollten. Dann hätten sich aber muslimische Sicherheitsdienstmitarbeiter eingeschaltet und es verhindert. Greve: „Es gibt mehr Vorfälle, als tatsächlich bekannt werden. Genau deshalb ist eine gründliche Recherche wichtig.“

Katholischer Seelsorger: Kirche hat zu lange geschwiegen

Währenddessen hat der Flüchtlingsseelsorger des oberbayerischen Bistums Eichstätt, Andreas Thiermeyer, die katholische Kirche für ihr langes Schweigen kritisiert. Mittlerweile habe sich durch die Silvesternacht in Köln einiges geändert. Damals hatten zumeist Nordafrikaner Frauen sexuell belästigt. Thiermeyer sagte gegenüber „katholisch.de“: „Nach Köln trauen sich nun die Bischöfe, das Thema anzusprechen. Aber bis dahin wollte man eigentlich nichts hören. Es ist schon verrückt: Es werden Schutzräume eingerichtet für homosexuelle Flüchtlinge, aber für Christen getraut man sich das nicht.“ Mittlerweile hätten aber die Erzbischöfe Heiner Koch (Berlin) und Ludwig Schick (Bamberg) Stellung bezogen.

95 bis 98 Prozent der Bewohner in Flüchtlingsheimen sind Muslime

In den Gemeinschaftsunterkünften seien 95 bis 98 Prozent der Bewohner Muslime: „Und wer die Mehrheit hat, gibt den Ton an. Manche Christen trauen sich nicht einmal, sich zu ihrer Religion zu bekennen, weil sie Angst haben, gemobbt zu werden.“ Er habe auch schon gehört, dass Frauen nachts nicht zur Gemeinschaftstoilette gingen, weil sie Angst vor anderen Flüchtlingen hätten: „Sie haben irgendwo ein Töpfchen oder eine Dose und verrichten da ihre Notdurft.“ Zu den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht sagte er: „Wenn man keine Hemmungen hatte, in einer solchen Umgebung selbst deutsche Frauen anzugrabschen, dann dürfen Sie nicht glauben, dass in den Einrichtungen christliche Flüchtlinge verschont würden.“

Flüchtlinge getrennt nach Religionen unterbringen

Thiermeyer plädiert für eine getrennte Unterbringung der Flüchtlinge nach Ethnien und Religionen. Er ist der Meinung, dass manche Flüchtlinge nicht integrierbar seien: „Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Prägung und ihrer Religion einfach nicht fähig für die Demokratie sind. Ihnen jetzt die erste Hilfe in der Not zu leisten, ist selbstverständlich, aber dauerhaft kann ihr Weg nicht nach Europa führen.“ So tue sich ein „strenger Muslime“ oft schwer mit der Demokratie, der Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie der Religions- und Gewissensfreiheit. Die Diözese Eichstätt hat als eines der ersten Bistümer in Deutschland im Februar 2015 mit Thiermeyer einen Priester zum Flüchtlingsseelsorger ernannt. Er organisiert das religiöse Angebot für christliche Flüchtlinge und unterstützt die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit.