01.02.2016

Deutschland: Christliche Flüchtlinge brauchen eine Lobby

Über die Situation in deutschen Flüchtlingsheimen Bericht von Gottfried Martens (Berlin)

„Die haben ja auch eine starke Lobby und Sie nicht“, so antwortete mir ein Mitarbeiter des Berliner Senats, als ich ihn neulich fragte, warum es denn möglich sei, in Berlin ein besonderes Heim für homosexuelle Flüchtlinge zu eröffnen, nicht aber ein Heim für Christen, die von muslimischen Mitbewohnern schikaniert werden.

Wenn Christen als Tiere bezeichnet werden

Dabei erleben konvertierte Christen in den Heimen ähnlich wie homosexuelle Flüchtlinge oftmals Furchtbares: Sie sind eine kleine Minderheit in weitgehend geschlossenen muslimischen Gemeinschaften, in denen sie immer wieder als „Ungläubige“ oder als „Tiere“ bezeichnet werden. Sie müssen ihren Glauben verheimlichen, weil sie sonst bedroht, tätlich angegriffen und bestohlen werden. Wenn ihre Bibeln entdeckt werden, werden sie zerrissen. Küchen dürfen sie als „Unreine“ nicht benutzen.

Die Wachleute halten zu den Muslimen

Wenn sie sich an den Wachschutz wenden, stellen sie vielfach fest, dass der hauptsächlich aus arabischsprachigen Mitarbeitern besteht, die sich bei Konflikten regelmäßig auf die Seite der Glaubensbrüder stellen. Mitunter werden die Wachschützer auch selber übergriffig – nicht nur in den Heimen. Vor wenigen Tagen wurde ein Christ aus unserer Gemeinde von arabischen Wachschützern vor dem berüchtigten Berliner „LaGeSo“ (Landesamt für Gesundheit und Soziales), wo auch unsere Gemeindeglieder oft wochen- und monatelang draußen in der Kälte auf die Auszahlung von Geld zum Essen oder einen Krankenschein warten müssen, verprügelt. Die Wachschützer hatten ihm sein Handy abgenommen und darauf christliche Bilder entdeckt. Daraufhin löschten sie die Bilder und schlugen auf den Mann ein.

Die Kirchen schweigen meist

Konvertierte Christen haben keine Lobby – nicht in den Kirchen, die die Übergriffe in den Heimen, wenn überhaupt, mit ganz leiser Stimme kommentieren, und erst recht nicht in der Politik. Gerade ist man dabei, Christen, die aus dem Iran fliehen müssen, noch die letzte Fluchtmöglichkeit in ein nichtmuslimisches Land zu verbauen und sie in der Türkei festzuhalten. Christliche Flüchtlinge bleiben die Kollateralschäden der europäischen Asylpolitik. Sie haben keine Lobby – auch und gerade bei denen nicht, die lautstark die Schließung aller Grenzen fordern und damit de facto auch die Zurückweisung oder gar Erschießung verfolgter Christen.

Wir treten für unsere verfolgten Geschwister ein

Wir versuchen, in unserer Gemeinde in Berlin-Steglitz Lobby für christliche Flüchtlinge zu sein. Wir treten dafür ein,

– dass das Problem der religiösen Verfolgung in den Heimen endlich ernst genommen wird

– dass christliche Flüchtlinge in separaten Heimen untergebracht werden

– dass christliche Flüchtlinge nicht pauschal diffamiert und durch die Schließung von Grenzen am Ende wieder in muslimische Länder zurückgedrängt werden.

Unsere verfolgten Geschwister brauchen auch Sie als Lobby!

(Der Autor, Gottfried Martens, ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin-Steglitz. Seine Gemeinde, die zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gehört, ist Anlaufstelle für mehr als 1.000 christliche Flüchtlinge, zumeist Ex-Muslime aus dem Iran und Afghanistan.)