08.01.2018

„Demo für alle“ gegen „Ehe für alle“

Symposium in Frankfurt soll gesellschaftliche Folgen aufzeigen

Die Sprecherin des Aktionsbündnisses „Demo für alle“, Hedwig von Beverfoerde. Foto: idea „Demo für alle“

Frankfurt am Main (idea) – Mit mindestens 400 Teilnehmern rechnet das Aktionsbündnis für Ehe und Familie „Demo für alle“ bei einer Tagung gegen die vom Bundestag beschlossene „Ehe für alle“. Wie die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Hedwig von Beverfoerde (Magdeburg), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, ist die Öffnung der traditionellen Ehe aus Mann und Frau verfassungsrechtlich äußerst umstritten. Wie sich das auf Kinder, Frauen und Gesellschaft auswirke, wolle man bei einem Symposium unter dem Motto „Öffnung der Ehe – Folgen für alle“ am 20. Januar in Frankfurt am Main herausarbeiten. Ziel sei eine Normenkontrollklage gegen die „Ehe für alle“ vor dem Bundesverfassungsgericht. Weil es bei den vergangenen Veranstaltungen des Aktionsbündnisses immer wieder zu Gegendemonstrationen und Störungen gekommen sei, werde man den Tagungsort frühestens vier Tage vor der Veranstaltung bekanntgeben und auch nur angemeldete Teilnehmer darüber informieren. Die Tagung wird gemeinsam mit der internationalen Petitionsplattform CitizenGO durchgeführt. Dort haben fast 200.000 Bürger einen Aufruf gegen die „Ehe für alle“ unterzeichnet.

Gegner werfen der „Demo für alle“ homophobe Einstellung vor

Das „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt“ ruft im Internet bereits zu einer Gegendemonstration ab 11 Uhr in der Innenstadt der Mainmetropole auf. Die „Demo für alle“ sei für „rechts-konservative, homophobe, transphobe, interphobe und sexistische“ Haltungen bekannt, heißt es dort. Sie wolle die real existierende Vielfalt der menschlichen Existenz nicht in der Öffentlichkeit sehen. Einer solchen „menschenfeindlichen Einstellung muss die Stirn geboten werden“. Ein Gegner der „Demo für alle“ zeigte sich im Kurznachrichtendienst Twitter zuversichtlich, dass die Tagung für die Anhänger der „Demo für alle“ zu einem „zweiten Stalingrad“ werde. Bei der Schlacht von Stalingrad 1943 wurde die deutsche 6. Armee vernichtet. Von Beverfoerde nannte diese Äußerung „unglaublich“. Sie zeige, wie notwendig letztlich seriöse Informationen über die Folgen der „Ehe für alle“ seien.

Rückendeckung für das Anliegen durch Gebetsinitiativen

Der Gebetsleiter der Frankfurter Evangelischen Allianz und Leiter des Runden Tisches Gebet der Koalition für Evangelisation in den evangelischen Kirchen, der Theologe Bernd Oettinghaus (Frankfurt am Main), stellte sich hinter das Anliegen des Symposiums: „Wir beten für eine Klarheit in der Orientierung an Gottes Schöpfungsordnung.“ Kein Gesetz könne die gute Ordnung Gottes außer Kraft setzen, nach der ein Mann seine Familie verlasse und seiner Frau anhänge, sagte er idea.

Rechtswissenschaftler: „Ehe für alle – ein Verfassungsbruch?“

Auf der Tagung wird unter anderen der Rechtswissenschaftler Prof. Jörg Benedict von der Universität Rostock zum Thema „Ehe für alle – stiller Verfassungswandel oder offener Verfassungsbruch?“ sprechen. Der Philosoph Robert Spaemann (Stuttgart) geht in einem Interview der Frage nach, ob Kinder Vater und Mutter brauchen. Außerdem wird die Publizistin Birgit Kelle eine Parallele zwischen Leihmutterschaft und Menschenhandel ziehen. Mit zwei Demonstrationen und einem Symposium hatte die „Demo für alle“ bisher gegen den umstrittenen Lehrplan zur Sexualerziehung in Hessen protestiert. Er war von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) durch Ministerentscheid im Sommer 2016 in Kraft gesetzt worden, obwohl sich der Landeselternbeirat und die katholischen Bischöfe dagegen geäußert hatten.