07.03.2018

DEA kritisiert rheinisches Islam-Papier

Prof. Schirrmacher: Mission und Dialog gehören zusammen

Prof.Dr.Dr. Thomas Schirrmacher, Foto privat

Bonn (idea) – Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Bischof Thomas Schirrmacher (Bonn), hat den Islam-Beschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland kritisiert. Deren Synode hat am 12. Januar in Bad Neuenahr eine „Theologische Positionsbestimmung für die Begegnung mit Muslimen“ verabschiedet. Sie enthält unter anderem die Aussage, die rheinische Kirche verfolge im Dialog nicht das Ziel, Muslime zur Konversion (Religionswechsel) zu bewegen. Mit diesem Beschluss weiche die Synode „ohne nähere Begründung vom globalen ökumenischen Konsens“ ab, dass Mission und Dialog einander nicht ausschlössen, schreibt Schirrmacher in einem Thesenpapier. Respekt und Freundlichkeit gegenüber allen Menschen und ein freundliches Werben für Jesus Christus gehörten für Christen zusammen. Vorbild sei Jesus selbst, „der allen Menschen ohne Vorbehalte begegnete“, dabei aber „immer die Absicht hatte, Menschen zu überzeugen und zur Umkehr zu seinem Vater zu bewegen“.

Vorwurf: Die rheinische Kirche ist inkonsequent

Die rheinische Kirche verhalte sich inkonsequent, wenn sie einerseits Ex-Muslime taufe, die durch missionarische Aktivitäten zum christlichen Glauben bekehrt worden seien, andererseits aber den Wunsch nach Konversion im Gespräch mit Muslimen für falsch halte. Außerdem fordere die Landeskirche „etwas psychologisch recht Unrealistisches“, wenn sie evangelischen Christen empfehle, den eigenen Glauben „freimütig“ zu bezeugen, ohne eine Absicht zur Bekehrung zu haben. Die Synode scheine „weit entfernt von der Praxis vieler Kirchengemeinden zu sein, denn im ganzen Rheinland finden kirchliche Alphakurse und ähnliche Glaubensgrundkurse und Veranstaltungen statt“. Daran nähmen viele Muslime – vor allem aus dem Iran und Afghanistan – teil. Schirrmacher kritisiert außerdem, dass das Islam-Papier keine Aussage zum Schicksal von ehemals muslimischen Flüchtlingen enthalte, die nach der Taufe wieder in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollten. Dort drohe ihnen Gefahr für Leib und Leben. Deshalb „hätte man sich gewünscht, dass auch die Landessynode der Rheinischen Kirche klare Worte findet, wenn sie sich zu dem Thema Konversion vom Islam zum Christentum äußert“. Die Deutsche Evangelische Allianz hat die Stellungnahme von Schirrmacher begrüßt. Ihr Vorsitzender, Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), sagte, dass die Kirche dem Auftrag Christi gegenüber ungehorsam sei, wenn sie ihren Auftrag zur Mission gegenüber allen Menschen aufgebe: „Ihn abzulehnen ist grotesk und für uns nicht akzeptabel.“