05.02.2012

Christus-Bewegung: Pietisten planen großes Protestantentreffen

Vor dem Kirchentag 2015 in Stuttgart gibt es dort 2014 einen Christustag

Foto: Dekan Ralf Albrecht © idea/Grasse

Korntal (idea) – Die pietistisch-evangelikale Christus-Bewegung Lebendige Gemeinde in Württemberg plant ein bundesweites Protestantentreffen in Stuttgart im Jahr 2014. Das kündigte ihr Vorsitzender, Dekan Ralf Albrecht (Nagold/Nordschwarzwald), bei der Jahrestagung am 4. Februar in Korntal bei Stuttgart an. Ein Jahr später, 2015, ist die württembergische Landeskirche Gastgeberin des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Laut Albrecht soll am Fronleichnamstag 2014 ein großer Christustag stattfinden, „der die Größe Jesu Christi in die Mitte stellen wird“. Als Veranstaltungsort sei die Mercedes-Benz-Arena vorgesehen, die 35.000 Plätze biete. Mit der Deutschen Evangelischen Allianz und dem Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften) würden Gespräche über eine Beteiligung geführt. Albrecht hofft, dass eine hohe Besucherzahl in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erzielen werde. Die letzten evangelischen Großereignisse in Stuttgart waren 2001 der Kirchentag mit rund 100.000 Besuchern und 2002 ein Christustag mit 15.000 Teilnehmern.

„Konversionsfreundliche Kirche“

Als weitere Herausforderung für die Lebendige Gemeinde nannte Albrecht die Evangelisation ProChrist 2013, die von Stuttgart aus in zahlreiche europäische Länder übertragen wird. Dazu würden Mitarbeiter und Spenden benötigt. Ziel sei, dass sich Menschen zu Jesus Christus bekehren. Für Albrecht ist ProChrist Ausdruck einer „konversionsfreundlichen Kirche“ (Konversion: Umkehr), die auch mit Glaubenskursen, Gottesdiensten für Zielgruppen und vielfältigen Musikangeboten Interesse am christlichen Glauben wecken will. Es entspreche der pietistischen Tradition, mit modernen Methoden das Evangelium zu den Menschen zu bringen.

Statt Visionen Fusionen

Der Sprecher der Synodalgruppe Lebendige Gemeinde und Vorsitzende des pietistischen Gemeinschaftsverbandes „Die Apis“, Pfarrer Steffen Kern (Walddorfhäslach bei Reutlingen), forderte die rund 400 Besucher der Jahrestagung auf, nicht nur über die Kirche zu klagen, sondern auch erfreuliche Entwicklungen zu sehen. So habe die württembergische Kirche das Jahr 2012 zum „Jahr des Gottesdienstes“ erklärt, um Gemeinden zur Steigerung des Gottesdienstbesuchs zu ermutigen. Daneben gebe es mehrere Anlässe zum Leiden an der Kirche. Hinter der Diskussion um gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Pfarrhaus verberge sich eine weitgehende Bibelvergessenheit. Viele Gremien befassten sich hauptsächlich mit Strukturfragen: „Statt Visionen für die Gemeindearbeit zu entwickeln, wird über Fusionen nachgedacht“, sagte Kern.

Früher Ludwig-Hofacker-Vereinigung

Die Christus-Bewegung Lebendige Gemeinde hieß bis September Ludwig-Hofacker-Vereinigung. Der Wechsel sei erfolgt, da viele Kirchenmitglieder den Namensgeber, den Pfarrer und Erweckungsprediger Ludwig Hofacker (1798-1828), nicht kennen und damit keine Verbindung zu dessen Anliegen sehen, „Jesus groß zu machen“, berichtete Geschäftsführer  Rainer Holweger. Die theologisch konservative Vereinigung gibt die Quartalszeitschrift „Lebendige Gemeinde“ mit einer Auflage von 22.000 Exemplaren heraus, unterstützt Vortrags- und Bibelabende in Kirchengemeinden und veranstaltet zusammen mit dem Werk „Hilfe für Brüder“ und weiteren Missionswerken aus Süddeutschland seit 1986 die Jugendkonferenz für Weltmission mit meist über 5.000 Teilnehmern. Neu sind Israel-Reisen, um die Verbundenheit von Christen mit dem jüdischen Volk zu festigen.