25.04.2008

Christival: Jeder zweite Teilnehmer ist Landeskirchler

Vorsitzender: Kritik im Vorfeld wird die meisten Bremer unbeeindruckt lassen

B r e m e n (idea) – Die Mehrheit der 15.150 Dauerteilnehmer des Jugendkongresses Christival vom 30. April bis 4. Mai in Bremen gehört Landeskirchen an (54,8 Prozent). Das teilten die Veranstalter am 24. April vor der Presse mit. 43 Prozent der Teilnehmer sind Mitglieder von Freikirchen, und 2,2  Prozent kommen aus der katholischen Kirche. Die größte Altersgruppe unter den Besuchern stellen die 18- bis 25-Jährigen (43,3 Prozent). Ein Drittel ist zwischen 14 und 17 Jahre und 14 Prozent über 30 Jahre alt. Jeder zehnte Teilnehmer ist im Alter zwischen 26 und 30. Die Organisatoren des Christivals unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gehen davon aus, dass die im Vorfeld geübte Kritik an dem Treffen die meisten Bremer unbeeindruckt lassen wird. „Ich glaube, die Bremer werden erstaunt sein, welche netten Zeitgenossen das sind, die zum Christival kommen“, sagte der Vorsitzende des Kongresses, Roland Werner (Marburg), am 24. April in Bremen vor Journalisten. Seit Beginn des Jahres hatten linksorientierte Kreise scharfe Kritik an dem Treffen geübt. Auslöser war der Protest des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck an einem Seminar zur Homosexualität, das daraufhin abgesagt wurde. Es sollte Betroffenen, die den Wunsch nach Veränderung haben, Hilfe anbieten. Beck, der in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebt, hält solche Angebote für „gefährliche Scharlatanerie“. Ein Bündnis „No Christival“ hat zur Eröffnung und zum Abschluss des Christival am 30. April bzw. 3. Mai zu Gegenkundgebungen aufgerufen. Mit der Absetzung des Seminars wollten die Veranstalter vermeiden, dass das Hauptanliegen des Christivals – junge Christen in ihrem Glauben zu stärken – durch eine öffentliche Diskussion über das Thema Homosexualität in den Hintergrund tritt.

 

Gefragtes Seminar: Wie erkenne ich Gottes Willen?

Christival-Pressesprecher Steve Volke (Marburg) sagte, es sei eine Fehleinschätzung gewesen zu meinen, dass mit der Absetzung des Seminars das Thema erledigt sei. Für die Teilnehmer stünden aber ganz andere Fragen im Vordergrund. Am meisten gefragt seien Seminare zu Themen wie „Gaben entdecken, entwickeln  und einsetzen“ und „Wie erkenne ich Gottes Willen für mein Leben?“ sowie evangelistische Einsätze. Zu diesen Angeboten hätten sich jeweils zwischen 765 und über 860 Teilnehmer angemeldet. An einem umstrittenen Seminar zum Thema Abtreibung, dass von der Bremer Landesfrauenbeauftragten Ulrike Hauffe und der Beratungsorganisation Pro Familia kritisiert wird, nähmen dagegen nur 81 Teilnehmer teil.

Organisatorische Hürden

Zu schaffen macht den Veranstaltern weniger die Kritik als organisatorische Hürden: So wurden in einer leer stehenden Schule, in der für eine Nacht 600 Mitarbeiter untergebracht werden sollten, Mitte April die Elektronikeinrichtung und Wasserinstallationen von Schrottdieben entwendet. Nun finden die Mitarbeiter für die Nacht vor dem Christival Unterschlupf in zwei christlichen Schulen in Bremen. Am 23. April brannte zudem die Druckerei ab, in der die Christival-Zeitung gedruckt werden sollte. Laut Christival-Geschäftsführer Heiko Linke hat man aber inzwischen eine Ausweichmöglichkeit gefunden, so dass die Produktion nicht gefährdet sei.