Christen gegen den Planet der Hungernden
Über soziale Gerechtigkeit, die Notwendigkeit von Bildung und christlich motivierte Nachhaltigkeit in der Entwicklungshilfe, sprach Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender des Christlichen Hilfswerks „World Vision Deutschland“, auf dem SPRING GemeindeFerienFestival, das vom 13. b is 18. April 2009 im bayerischen Ruhpolding stattfindet. Der ehemalige CDU Bürgermeister von Waldbröl forderte die Christenheit auf, sich für die Belange der Benachteiligten stark zu machen.
„Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland gibt monatlich 1600 Euro für Wohnen, Freizeit, Lebensmittel und Mobilität aus. Demgegenüber stehen 650 Millionen Menschen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen. Das ist die Einwohnerzahl der USA, Deutschland, Russland und Japan zusammen“. Zusätzlich seien mehr als 50 Prozent der HIV-Infizierten zwischen 15 und 25 Jahren, das entspräche 20 Millionen Menschen weltweit, so viel wie die Städte Paris, London und Berlin zusammen, so Waffenschmidt weiter.
Im Zuge dieser dramatischen Entwicklungen sei entschiedenes Eingreifen der Christenheit nötig. Waffenschmidt betonte, dass das Thema der sozialen Gerechtigkeit einen immer höheren Stellenwert in christlichen Gemeinden bekomme, die Auswirken der Globalisierung aber zu wenig präsent wären. „In einer globalen Welt, dem ‚global village‘, wird jeder zu unserem Nächsten. Ganz gleich ob er in Birma, Äthiopien oder der Dominikanischen Republik lebt. Was wir brauchen sind Erlebnisse, die uns wachrütteln“. Weiterhin forderte der 39jährige Familienvater, der schon als junger Mann in der Entwicklungsarbeit auf dem Balkan aktiv war, mehr christliches Engagement der Christen. Sie hätten eine Verantwortung in dieser Welt, die sie ernst nehmen sollten. Konkret könne man dies mit eigenem humanitärem Einsatz wahrnehmen. Auch Kinderpatenschaften, so wie sie World Vision anbietet, könnten eine aktive Mitarbeit darstellen. Das Geld, das monatlich gespendet wird, investieren Hilfsorganisationen dann in Entwicklungsprojekte - Hilfe zur Selbsthilfe laute die Devise für Nachhaltigkeit. Dafür seien drei Grundlagen nötig: Bildung, Bildung und Bildung.
Waffenschmidt forderte die Besucher des Seminars auch dazu auf, Politiker in Fragen der Entwicklungshilfe und Zusammenarbeit wachzurütteln: „Besonders im Wahljahr 2009 sind wir Christen gefordert, jenseits der politischen Themen im Wahlkampf von Kandidaten auch Antworten zur globalen sozialen Gerechtigkeit zu bekommen.“
Was Macht mit uns macht?
„Macht ausüben ist dem Menschen wesentlich“, so lautet die Beobachtung des italienischen Philosophen Romano Guardini. Dass der Mensch über die Macht von Gottes Gnaden verfüge zeige die Bibel. Diese Meinung vertrat der Theologe und Öffentlichkeitsreferent der Liebenzeller Mission, Armin Jans beim GemeindeFerienFestival SPRING. Dabei gehe es nicht um das Erzwingen von Macht, sondern um die notwendige Fürsorge.
„Was Macht mit uns macht?“ Dieser Frage sind zahlreiche Führungskräfte auf dem GemeindeFerienFestival SPRING in Ruhpolding nachgegangen. Zunächst verdeutlichte Jans anhand praktischer Beispiele, wie viele unbewusste Machtmechanismen und Situationen der Machtausübung uns beherrschen: „Es ist wahrscheinlicher, dass Macht missbraucht wird, als das sie nicht missbraucht wird.“ In solchen Situationen gelte es das notwendige Maß und Gerechtigkeitsempfinden zu (be-)halten. Auch der schwierige Spagat zwischen Machtausübung und Machtmissbrauch müsse beherrscht werden.
Vom biblischen Standpunkt her erklärte der Referent, dass Gott den Menschen den Auftrag gegeben habe, sich die Erde untertan zu machen: „Die Macht ist damit eine von Gott gegebene Befugnis und Beauftragung und zunächst einmal nichts Negatives. Die Menschen sollen trotz dieser Beauftragung auch fähig sein Macht loszulassen.“
In der heutigen Gesellschaft spüre man oft nur noch die ausgeübte Macht und keine Demut mehr: Demut werde unter dem Deckmantel der Macht missbraucht, dabei sei sie eine Tugend und keine Schwäche. Im Umgang mit anderen Menschen warb Jans dafür sich die eigene „Erdhaftigkeit“ und das Wissen der Existenz Gottes bewusst zu machen: „Die Tatsache, dass die Ehrfurcht der Kern der Liebe ist, muss ein wichtiger Leitfaden für das eigene Verhalten sein.“
Jans regte an aufgebaute Machtstrukturen dezidiert zu hinterfragen: Die Befreiung und Freiheit, die Jesus den Menschen durch seinen Tod gegeben habe, sei der Maßstab für jeden unserer Dienste: „Es muss unser Anliegen sein, Menschen in diese Freiheit zu führen.
„Wir wollen gehörlose Lehrer haben.“
Eine Gebärdensprach-Dolmetscherin setzt sich für Gehörlose ein „In Deutschland werden Gehörlose leider immer noch diskriminiert“. Das sagte die selbstständige Gebärdensprach-Dolmetscherin Andrea Michelmann (Genthin) in einem Seminar des GemeindeFerienFestivals SPRING in Ruhpolding. Michelmann machte sich vor 24 jugendlichen Teilnehmern für Gehörlose stark. „Die Aufklärung, wie man mit Gehörlosen umgeht, findet hier in Deutschland sehr einseitig statt“, so die Dolmetscherin. Hinzu komme, dass Lehrer an deutschen Schulen größtenteils nicht die Gebärdensprache beherrschten. Ihr Wunsch: „Wir wollen gehörlose Lehrer haben.“
In Deutschland gebe es etwa 80.000 Gehörlose, was 0,01 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. In Südafrika hingegen seien fast 10 Prozent der Einwohner gehörlos. Skandinavien bezeichnete Michelmann als „Traum für Gehörlose“, unter anderem weil es dort Schulen und Universitäten für Gehörlose gebe.
Die Gebärdensprache werde in Deutschland als eigene Sprache anerkannt, komme aber in der Öffentlichkeit oftmals viel zu kurz. Zum Beispiel im Fernsehprogramm hätten wir nur etwa 15 Prozent untertitelt – gegenüber Australien (99,9 Prozent) sei das viel zu wenig.
Hip-Hop-Band Signmark: „Musik für die Augen“
Den interessierten Jugendlichen gab sie einige Einblicke in die Welt der Gehörlosen. So heiße sie dort „Andrea Rock“, weil sie oftmals Röcke trage. Um Gehörlose besser verstehen zu können, sagte Michelmann: „Für Menschen, die ihr Gehör verlieren, ist es furchtbar. Aber wenn man als Gehörloser auf die Welt kommt, kennt man es nicht anders.“
Dass die Menschen „mit einer anderen Sprache“ nicht auf Musik verzichten müssen, zeigte die Dolmetscherin mit einer DVD der finnischen Hip-Hop-Band Signmark um den gehörlosen Rapper Marko Vuoriheimo. Diese „Gebärdensprachen-Poesie“ bezeichnete Michelmann als „Musik für die Augen“. Mit einem selbst vorgetragenen Gedicht veranschaulichte sie den Jugendlichen die kreative Zeichensprache.
Michelmann studierte sechs Jahre Gebärdensprache und lernt noch heute dazu. Zudem entwickelt sich die Sprache immer weiter und Wörter wie „Internet“ kommen neu hinzu. Die Dolmetscherin arbeitet ehrenamtlich in der VIVAVOX Jugendgemeinde mit.



