10.12.2017

China: Lage der Christen ist besorgniserregend

Tag der Menschenrechte: Exil-Chinesin beklagt zunehmende Verfolgung

Köln (idea) – Christen müssen in der Volksrepublik China vermehrt mit Verfolgung rechnen. Davon ist die 2016 nach Deutschland geflohene Chinesin Li Lan (Stuttgart) überzeugt. Sie äußerte sich gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte (10. Dezember) bei einer Veranstaltung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) in Köln. Li Lan: „Meine Rückkehr nach China würde zu 100 Prozent Gefängnis oder schlimmeres für mich bedeuten.“ Den chinesischen Behörden sei genau bekannt, welche Christen ins Ausland geflohen seien, so die 31-Jährige. Kehrten sie zurück, würden sie meist bei der Einreise verhaftet. Sie selbst sei während ihres Studiums Christin geworden und habe eine nicht registrierte Hauskirche besucht. Ihre Familie habe sie gebeten, ihren Glauben zu verleugnen – aus Angst vor Repressalien durch den Staat. Das habe sie abgelehnt. Als immer mehr Nachbarn davon erfuhren, floh Li. 18 Monate lebte sie an unterschiedlichen Orten in China, kam schließlich nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Sie hat nach eigenen Angaben keinen Kontakt zu ihren Eltern, obwohl beide Krebs haben – zu groß sei die Sorge vor Konsequenzen für ihre Familie, sagte Li.

Druck auf Christen wird erhöht – auch auf registrierte Kirchen

Mittlerweile werde nicht nur auf die staatlich nicht registrierten Hauskirchen, sondern auch auf staatskonforme Kirchen – etwa die offizielle protestantische Drei-Selbst-Kirche – massiver Druck ausgeübt. Diese hätten in der Vergangenheit vergleichsweise viel Freiheit gehabt, da sie den absoluten Herrschaftsanspruch der Kommunistischen Partei anerkannt hätten und die Geistlichen von ihr kontrolliert würden. Das habe sich seit dem Regierungsantritt von Staats- und Parteichef Xi Jinping im Jahr 2013 geändert. Li erklärt: „Die Partei will alles kontrollieren – den Körper, die Seele und den Geist.“ Der Verlust von Arbeitsplätzen, Wohnungen, die Aberkennung von Schulabschlüssen oder Schulverweise aufgrund der Zuwendung zu einer Religion seien nicht ungewöhnlich, so Li: „Es gibt keine Menschenrechte, keine Religionsfreiheit, keine Meinungsfreiheit. Auch das ist Folter – wenn auch nicht physisch.“

Umerziehung im Arbeitslager

Immer wieder würden auch Christen in Arbeitslager gesteckt, um sie dort umzuerziehen. Erniedrigung und Gewalt sollten den Glauben zerstören. Einen Christen hätten die chinesischen Behörden sechs Tage und Nächte gefoltert und zu Falschaussagen gegen andere Christen gezwungen. Doch davon wisse kaum jemand, da offiziell kein Gericht darüber bestimme. Li ist überzeugt, dass die Volkspartei vorsichtig agiere, um international „keinen Aufschrei“ zu provozieren, aber ihr Ziel sei die Zerstörung aller Gemeinden. Schätzungen zufolge leben in der fast 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik China bis zu 130 Millionen Christen. Viele treffen sich in staatlich nicht registrierten Gemeinden. Demnach gäbe es mehr Christen als die Kommunistische Partei Mitglieder zählt: 83 Millionen.