09.03.2016

Brief des Vorsitzenden

der Deutschen Evangelischen Allianz, Dr. Michael Diener, den er den Mitgliedern des Hauptvorstandes vor ihrer Sitzung zugesandt hatte

Der Allianzvorsitzende Dr. Michael Diener Foto: idea/kairospress

Liebe Mitglieder im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz,

liebe Schwestern, liebe Brüder,

mit diesen Zeilen möchte ich Sie/Euch darüber informieren, dass ich mein Amt als erster Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz mit dem Ende des Jahres 2016  - und damit ein Jahr vor Ende meiner sechsjährigen Wahlperiode  - zur Verfügung stellen werde.

Wie Viele von Ihnen/Euch mitbekommen haben, musste ich mir Ende 2013 nach einem Zusammenbruch eingestehen, dass auch meine Arbeitskraft begrenzt und endlich ist. Ich konnte dann bis zum Sommer 2015 durch verschiedene Maßnahmen wieder die notwendige Kraft finden, um meinen Dienst umfassend auszuüben.

Im Sommer 2015 erhielt ich dann die vertrauliche Anfrage, ob ich zur Kandidatur für den Rat der EKD zur Verfügung stehen könnte. Im September 2015 habe ich mich darüber ausführlich mit meinem Arbeitgeber, dem Vorstand des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, beraten. Nach intensiver Diskussion unterstützte dieser meine Kandidatur, unter der Maßgabe, dass ich bis Ende 2016 meine ehrenamtliche Arbeit als Vorsitzender der DEA aufgebe.

Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband ist ein freies Werk innerhalb der evangelischen Kirche. Die Möglichkeit, in der Leitung eben dieser Kirche mitzuwirken, ist aus diesem Blickwinkel kaum auszuschlagen und muss für mich eine strategische Priorität haben. Hinzu kommt, dass ich um dieser Mitwirkung willen nur auf EIN Jahr meiner sechsjährigen Berufungszeit als Allianzvorsitzender verzichten muss. Dies erschien mir im Herbst 2015, nach einer schwierigen Abwägung als vertretbar, zumal wir in den vergangenen Jahren so manche der erkennbaren Ziele für meine Amtsperiode auch schon miteinander umsetzen konnten.

Auch ist mir persönlich klar, dass in meiner gesundheitlichen Situation die dauerhafte Wahrnehmung dreier Spitzenämter nicht vertretbar ist und alle meine Bemühungen um ein „gesundes Arbeiten“ konterkariert.

Ich habe deshalb im Oktober 2015 den Geschäftsführenden Vorstand der DEA davon unterrichtet, dass ich, im Falle meiner Wahl in den Rat der EKD, Ende 2016 von meinem Amt als Vorsitzender der DEA zurücktreten würde. Diese Entscheidung haben der GV und ich in unserer Klausurtagung am 7. und 8. Dezember 2015 in Berlin einvernehmlich bekräftigt.

Ich schildere Ihnen/Euch das so ausführlich, um deutlich zu machen, dass mein Rücktritt nicht im Zusammenhang mit den seit 15. Dezember 2015 (!) begonnenen Auseinandersetzungen steht.

Der Geschäftsführende Vorstand und ich haben aber natürlich, im Licht der inzwischen aufgetretenen Spannungen, in unserer Januarsitzung nochmals ausführlich darüber beraten, ob ein Rücktritt meinerseits zu diesem Zeitpunkt das eindeutig falsche Signal sein könnte und haben schließlich einvernehmlich beschlossen, bei unserem im Oktober 2015 verabredeten Zeitplan zu bleiben.

Ich teile Ihnen/Euch das heute auf diesem Wege mit, damit wir für die Neuwahl eines/einer Vorsitzenden im September 2016 die formalen Voraussetzungen während unserer Märzsitzung, wie etwa Bildung eines Wahlausschusses, erfüllen können und Sie/Ihr über diesen Tagesordnungspunkt nicht ins Grübeln geraten/geratet.

Selbstverständlich werden wir über meinen nun angekündigten Rücktritt, wie auch über die Ereignisse der vergangenen Monate in unserer baldigen Sitzung beraten. Zugleich muss ich Sie/Euch darüber informieren, dass ich, wegen eines verschobenen Rückfluges aus dem schon vor 2 Jahren geplanten Urlaub, erst am Abend des 8. März zur Sitzung unseres Hauptvorstandes werde eintreffen können. Die Aussprache ist deshalb für den Mittwochmorgen vorgesehen.

Lassen Sie mich Ihnen/Euch abschließend sagen, dass mit meinem Rücktritt meine Mitwirkung im Hauptvorstand und in der Allianzarbeit generell nicht endet. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass wir als Deutsche Evangelische Allianz unserer Berufung „Einheit in Vielfalt“ folgen und in den tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüchen als „Salz der Erde und Licht der Welt“ wahrgenommen werden.

Ich bitte Sie/Euch alle herzlich um Verständnis für diese meine Entscheidung und danke für alles Vertrauen und alles Mittragen bis hierhin, ganz besonders in den vergangenen Monaten.

In dankbarer Verbundenheit und bis bald

Ihr/Euer

Michael Diener

                                                                                       Kassel, 1. März 2016