03.04.2018

Bitte mehr Evangelium in „chrismon“

Foto: Chrismon 2018

Wie wurde in den Medien über Karfreitag und Ostern berichtet? Der ehemalige Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung, Wolfgang Baake (Wetzlar), hat sich das evangelische Monatsmagazin „chrismon“ angeschaut – und war enttäuscht. Warum ihn mehrere Kommentare in der „BILD“ hingegen überzeugt haben, erläutert er in diesem Zwischenruf.

Die Forderung „Mehr Evangelium in den Medien“ gibt es schon lange – vor allem bezogen auf säkulare Medien. Seit Monaten beobachte ich die Veröffentlichungen des evangelischen Monatsmagazins „chrismon“. Die EKD hält es mit jährlich vier Millionen Euro Kirchensteuern am Leben. Nun erschien wenige Tage vor Ostern die April-Ausgabe. Das Magazin titelte: „Alle Vögel fliegen hoch. Was wir tun können, damit sich wieder mehr Stare, Lerchen, Mauersegler in die Luft schwingen“. Ein für die Leser einer Ökozeitschrift sicher hochinteressantes Thema. Aber für ein kirchliches Magazin zum höchsten christlichen Fest? Karfreitag, Ostern, Auferstehung: Wer das als Titel- oder Schwerpunktthema suchte, wurde enttäuscht. Totale Fehlanzeige.

Wie BILD Evangelium in die Medien bringt

Wie froh war ich, dass ich in der BILD-Zeitung in den vergangenen Wochen das fand, was ich mir von einem „christlichen Magazin“ erwartet hätte. BILD veröffentlichte am 14. März einen Beitrag zum Tod des Astrophysikers und bekennenden Atheisten Stephen Hawking unter der Überschrift: „Bin ich dümmer als Hawking, weil ich an Gott glaube?“ Der stellvertretende Chefredakteur von Bild.de, Daniel Böcking, fragte: „Kann es sein, dass der Mann, der fast alles wusste, sich in einem entscheidenden Punkt geirrt hat?“ Zwölf Tage später veröffentlichte BILD wieder einen Kommentar von Böcking: „Der Held aus Frankreich erinnert uns an Ostern.“ Darin legt Böcking dar, dass ihn das Opfer, das der französische Polizist mit seinem Leben brachte, sehr stark an Karfreitag erinnert habe.

„Die beste Osterpredigt 2018“

Und am 29. März schildert Böcking „Warum Ostern mein Leben gerettet hat“. Er habe drei Jahre lang recherchiert, gezweifelt, gebetet, die Bibel hinterfragt. Dann habe er das Gottvertrauen gefunden. Nun fühle er sich in keinem Wettlauf mehr um Geld, Anerkennung und Karriere. Sein Ziel sei es nun, Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Böcking: „Aus Liebe zu uns nahm der menschgewordene Gott am Kreuz alles auf sich. Mit der Auferstehung hat Jesus den Tod besiegt.” Ein Theologieprofessor schrieb mir daraufhin eine E-Mail mit der Betreffzeile: „Das ist die beste Osterpredigt 2018“. Denn das ist tatsächlich „mehr Evangelium in den Medien“. Als vor mehr als 30 Jahren diese Forderung aufkam, hätte ich nie gedacht, dass Europas größte Tageszeitung diese Forderung eines Tages in einer so eindeutigen Weise nachkommt. Damit hatte BILD mehrfach die größte Kanzel Deutschlands für die Verkündigung der biblischen Botschaft genutzt.


Das ist Verschwendung von Kirchensteuern

Ich habe mich gefragt, was denn die Herausgeber von „chrismon“, der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, und die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, dazu sagen? Bis zu meinem Austritt aus der Kirche Anfang 2018 habe auch ich Kirchensteuer gezahlt. Ich ärgere mich bis heute darüber, dass ich dadurch lange leider dieses Magazin mitfinanziert habe. Denn „chrismon“ ist Verschwendung von Kirchensteuern.