06.12.2017

Belgien: Rotes Kreuz entfernt Kreuze

Sprecher: Die Maßnahme entspricht nicht dem Grundsatz der Neutralität

Verviers (idea) – Das Belgische Rote Kreuz lässt Kreuze im Raum Lüttich nahe der deutschen Grenze aus ihren Geschäftsräumen entfernen. Der Präsident des Kreisverbandes in Verviers, André Rouffart, sagte gegenüber der Onlinenachrichtenplattform 7sur7, dass die 28 regionalen Zweigstellen in einer E-Mail vom Provinzverband in Lüttich dazu aufgefordert worden seien. Ein Sprecher des Belgischen Roten Kreuzes erklärte auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea im Blick auf die Region: „Unsere Zweigstellen wurden an die Grundprinzipien erinnert und gebeten, Kreuze zu entfernen.“ Im Einklang mit dem Grundsatz der Neutralität fördere das Hilfswerk die Darstellung religiöser Symbole nicht. Kreuze könnten den Anschein erregen, dass die Organisation mit einer Religion in Zusammenhang stehe. Die europäische Sprecherin der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, Nichola Jones (Budapest/Ungarn), betonte gegenüber idea, es handele sich um eine Anweisung auf lokaler Ebene und sei nicht vom internationalen Hauptquartier gekommen. Für viele Ehrenamtliche in der Region Lüttich geht die Anweisung zu weit. Einer von ihnen kritisiert gegenüber dem belgischen Fernsehsender RTL, dass man die Kreuze nur für eine bestimmte Personengruppe abhänge, die Muslime. Ein anderer forderte: „Lasst die Dinge so, wie sie sind. Wir sagten Weihnachtsferien, jetzt Winterferien. Der Weihnachtsmarkt in Brüssel ist zum Wintervergnügen geworden.“ Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften reagierte in einer Stellungnahme auf die Kritik: „Wir sind bestürzt darüber, dass unsere Neutralität in einigen Medien als ,antichristlich‘ interpretiert wird.“ Das Rote Kreuz wurde im 1863 von Jean-Henry Dunant (1828–1910) – einem bekennenden Christen – in Genf gegründet. Sie ist die älteste medizinische Hilfsorganisation der Welt. Unter der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sind heute 190 nationale Verbände zusammengeschlossen. Nach eigenen Angaben erreicht sie jährlich rund 160 Millionen bedürftige Menschen mit ihren etwa 80 Millionen Mitgliedern, 17 Millionen Freiwilligen und 450.000 Angestellten.