23.01.2018

Allianzgebetswoche beendet: Rund 300.000 Teilnehmer an etwa 1.000 Orten

Für eine Erweckung in Deutschland beten

Deutschlandweit trafen sich Christen, wie hier in Karlsruhe, zum Gebet. Foto: Missionswerk Karlsruhe/idea

Wetzlar (idea) – Die Gebetswoche der Evangelischen Allianz wird in Deutschland hinsichtlich der Gestaltung und der Teilnehmer immer vielfältiger. Dieses Fazit hat der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), zum Abschluss der diesjährigen Veranstaltungen gezogen. Wie er gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, haben nach Schätzung des evangelikalen Dachverbandes wie im Vorjahr rund 300.000 Christen an etwa 1.000 Orten in Deutschland teilgenommen. Die Gebetswoche vom 14. bis 21. Januar stand unter dem Motto „Als Pilger und Fremde unterwegs“. Steeb zufolge gehen örtlichen Allianzen stärker als früher in die Öffentlichkeit. So träfen sie sich in Rathäusern, Stadthallen und unter freiem Himmel, um für ihre Städte und Gemeinden zu beten. Die Gebetswoche werde auch multikultureller. So seien vielerorts internationale christliche Gemeinden und Flüchtlinge einbezogen worden. Steeb predigte zum Abschluss in Leipzig. Von dort wird vom 11. bis 17. März die evangelistische Themenwoche „proChrist Live“ an zahlreiche Orte in Europa übertragen. Steeb rief dazu auf, dafür zu beten, „dass noch einmal eine Erweckung in Deutschland kommt, auch wenn menschlich derzeit gar nichts dafür spricht“. Hierzulande seien Christen „offenbar nicht im Aufschwung“, sagte er im Blick auf die schrumpfenden Mitgliederzahlen der Kirchen. Weltweit werde die christliche Gemeinde aber von Tag zu Tag größer: „Wir gehören nicht zu einer untergehenden Organisation, sondern zu einer wachsenden Bewegung.“ Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), sagte gegenüber idea, die Teilnehmer hätten unter anderem für ihre Wohnorte und politisch Verantwortlichen sowie für die Einheit der Christen gebetet. Vetter – Präses des Mülheimer Verbandes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden – sprach zum Abschluss im Bremer Dom vor rund 400 Besuchern.

„Großer Gott, wir loben dich“ im Rathaus

In Hannover versammelten sich Christen unter anderem im Rathaus zum Gebet. Dort wurden sie von Bürgermeisterin Regine Kramarek (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßt. Die Teilnehmer dankten für den Dienst der städtischen Mitarbeiter und baten Gott um Hilfe bei aktuellen Aufgaben wie den Bau bezahlbarer Wohnungen und die Betreuung sozialer Randgruppen. Zum Abschluss sangen die Beter „Großer Gott, wir loben dich“. Im Abschlussgottesdienst versammelten sich rund 300 Bürger in der Marktkirche. Die Predigt hielt der Pastor der arabisch-deutschen evangelischen Gemeinde Hannover, Michel Youssif. Er warnte Christen vor einem zu stark diesseitsorientierten Glauben: „Wo ist unsere Sehnsucht nach dem Himmel geblieben? Hören wir davon in den Predigten, dass Jesus in seiner Herrlichkeit auf uns wartet oder sind wir zu sehr – auch in der Kirche – auf das Irdische fixiert, etwa auf Geld, Gebäudeunterhaltung usw.?“

1.100 Besucher beim Allianztag in Frankfurt am Main – Katholik als Hauptredner

Die Gebetswoche in Frankfurt am Main endete mit einem Allianztag, zu dem mehr als 1.100 Christen zusammenkamen. Hauptredner war der Gründer und Leiter des Gebetshauses Augsburg, der katholische Theologe Johannes Hartl. Zum Wesenskern des Gebets sagte er: „Gott ist schön, und ich schaue auf seine Schönheit. Gott ist glücklich, und ich darf teilhaben an seinem Glück.“ Der Vorsitzende der Evangelischen Allianz Frankfurt, Pfarrer Andreas Hannemann, teilte mit, dass die Allianz die Zahl der Gebetsorte während der Woche auf fünf verringert habe: „Dadurch entstand mehr Begegnung unter den Christen.“

Generalsekretär Spatz: Auch Juden und Muslime zum Glauben an Jesus einladen

Im sächsischen Glauchau unterstrich der Generalsekretär des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Frank Spatz (Kassel), den Missionsauftrag der Christen. Das Evangelium von Jesus Christus müsse ohne Ausnahme allen Menschen verkündigt werden: „Wir haben nicht das Recht, einem anderen Menschen Jesus vorzuenthalten, egal ob Atheist, Moslem oder Jude.“

Bleiberecht für zum Christentum übergetretene Flüchtlinge gefordert

Der Direktor des Diakonissen-Mutterhauses Elbingerode, Pastor Reinhard Holmer, predigte zum Abschluss im thüringischen Breitungen/Werra und in Treysa (Nordhessen). Er forderte, dass Flüchtlinge, die in Deutschland Christen werden, ein Bleiberecht bekommen, „egal wie Ämter und Beamte den Glauben der Menschen einschätzen“. Ehemalige Muslime, die sich taufen ließen, brauchten einen Aufenthaltsstatus, weil sie in ihrer Heimat vom Tod bedroht seien. Dazu sollten die christlichen Gemeinden der Betroffenen gehört werden, die sie getauft haben. Es könne nicht sein, dass Beamte den Glauben untersuchten: „Wir lassen ja auch nicht Pastoren die statischen Berechnungen von Brücken überprüfen.“

Nicht in „konfessionellen Seifenblasen“ bleiben

Der Prior der ökumenischen Kommunität „Offensive Junger Christen“ (OJC), Konstantin Mascher (Reichelsheim/Odenwald), mahnte Christen über Konfessionsgrenzen hinweg zur Einheit. In einer Zeit, in der die Gesellschaft und Europa in der Gefahr stünden auseinanderzubrechen, und das Christentum zunehmend bedroht werde, könne man es sich nicht mehr leisten, „in den konfessionellen Seifenblasen zu bleiben“ und den „Jesus der anderen“ abzulehnen. Deshalb sei er so dankbar, dass es die Evangelische Allianz gebe. In Hamburg feierten rund 450 Besucher den Abschlussgottesdienst unter dem Motto „Auftakt 2018“. Der an der CVJM-Hochschule in Kassel lehrende Theologieprofessor Tobias Faix machte Christen Mut, mit all ihren Schwächen den Glauben im Alltag zu leben. Einen großen Stellenwert hätten dabei Beziehungen. Das Reich Gottes beginne da, wo man gut miteinander umgehe: in der Familie, in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz.