12.10.2017

Algerien: Inhaftierter Christ ist in den Hungerstreik getreten

Gericht lehnte Antrag auf „bedingte Entlassung“ ab

Der in Algerien inhaftierte Christ Slimane Bouhafs. Foto: Privat/idea

Jijel (idea) – Der in Algerien inhaftierte Christ Slimane Bouhafs (Jijel) befindet sich seit dem 2. Oktober im Hungerstreik. Seine Familie hatte beantragt, dass ihm aus gesundheitlichen Gründen eine sogenannte „bedingte Entlassung“ gewährt wird. Ein Gericht lehnte das nun Anfang Oktober ohne Angabe von Gründen ab. Der Gesundheitszustand Bouhafs hat sich laut einem Bericht der Organisation Middle East Concern (Anliegen Nahost) in den vergangenen Wochen erneut verschlechtert. Er leide unter entzündlichem Rheuma und benötige deswegen eine besondere Ernährung. Bouhafs Tochter Thilleli sagte, er trinke nur noch Kaffee und habe stark abgenommen. Er sei ferner den Aggressionen von muslimischen Mitgefangenen ausgesetzt, weil er offen über seinen christlichen Glauben spreche.

Wegen Blasphemie verurteilt

Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika hatte Bouhafs im Juli eine Teilbegnadigung gewährt und die dreijährige Haftstrafe um 16 Monate verkürzt. Bouhafs war von einem Gericht in Setif in der Kabylei wegen Blasphemie verurteilt worden. Der ehemalige Muslim hatte am 21. Juni des vergangenen Jahres auf seiner Facebook-Seite geschrieben: „Mohammed weint, weil er in der Kabylei und in ganz Algerien schon verloren hat. Seine Lüge verschwindet in Algerien, weil das Licht Christi da ist, der Frieden und die Wahrheit ist, der wahre Weg.“ Auf Facebook hatte sich Bouhafs, der sich im Jahr 2006 taufen ließ, auch regelmäßig für Demokratie und Religionsfreiheit eingesetzt. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (Frankfurt am Main) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) hatten Bouhafs 2016 als „Gefangenen des Monats September“ benannt und zu seiner Unterstützung aufgerufen. Nach Angaben der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen im Mittleren Osten leben in Algerien bis zu 365.000 Christen – überwiegend ehemalige Muslime. Das sind knapp ein Prozent der 39 Millionen Einwohner. Die Übrigen sind fast ausschließlich Muslime. Der Islam ist Staatsreligion.