12.09.2017

Ägypten: Mindestens 58 koptische Kirchen geschlossen

Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert massiven Eingriff in die Religionsfreiheit

Göttingen (idea) – In Ägypten ist die Religionsfreiheit von koptischen Christen stark eingeschränkt. Seit 2012 wurden mindestens 58 Kirchen geschlossen, viele davon in den vergangenen Monaten. Das kritisiert die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) am 12. September in einer Pressemitteilung. Laut ihrem Direktor Ulrich Delius nehmen die ägyptischen Behörden Proteste von Muslimen gegen Christen zum Anlass für die Schließungen. Sie argumentierten, sie könnten die Sicherheit der Gottesdienstbesucher nicht gewährleisten und sie vor möglichen Terroranschlägen nicht schützen, sagte Delius der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Es kann nicht angehen, dass wegen Einschüchterungen und Pöbeleien von muslimischen Extremisten vielen Kopten die Ausübung ihres Glaubens verweigert wird.“ Das mache deutlich, dass Kopten in dem mehrheitlich muslimischen Land „noch immer nicht als gleichberechtigte Bürger anerkannt sind“. Die mittelägyptische Provinz al-Minya – dort stellen Kopten ein Drittel der Bevölkerung – sei von den Kirchenschließungen besonders betroffen. Im Mai hatte es dort einen Anschlag gegeben, bei dem 29 Christen getötet wurden. Schwierig sei die Situation auch für die Landbevölkerung. Werde eine Dorfkirche geschlossen, sei der Besuch eines Gottesdienstes aufgrund der großen Entfernungen oft ausgeschlossen, so Delius.

Die Kopten gehen auf den Evangelisten Markus zurück

In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 300.000 Mitglieder der koptisch-evangelischen Kirche, 200.000 Katholiken, mehr als 100.000 Mitglieder von Pfingstgemeinden, Brüdergemeinden und anglikanischen Gemeinden sowie 40.000 Griechisch-Orthodoxe. Die meisten der 92 Millionen Einwohner Ägyptens sind Muslime. Die koptisch-orthodoxe Kirche führt ihren Ursprung auf den Evangelisten Markus zurück. Der Autor des ältesten der vier Evangelien soll im 1. Jahrhundert nach Christus in Ägypten gewirkt haben und in Alexandria den Märtyrertod gestorben sein.