10.12.2017

Ägypten: Kopten wollen US-Vizepräsident nicht treffen

Grund ist die US-Entscheidung, Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen

Jerusalem/Kairo (idea) – Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Tawadros II., hat ein für Mitte Dezember geplantes Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence abgesagt. Grund ist die Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Mit seinem einseitigen Schritt habe Trump die Gefühle von Millionen Arabern ignoriert, hieß es zur Begründung. Diese Provokation könne eine Welle von Gewalt und Terror nach sich ziehen. Wie der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche für Deutschland, Anba Damian (Höxter), auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea erläuterte, sind Politik und Religion in Ägypten untrennbar miteinander verflochten: „Wenn keine klare Solidarität mit den Arabern und insbesondere den Palästinensern gezeigt würde, bestünde der Verdacht auf eine geringere Loyalität zum Staat Ägypten oder sogar auf Staatsverrat.“ Die gewaltsamen Übergriffe auf koptische Christen könnten dann weiter eskalieren. Ohnehin setzten viele Muslime im Land die Kopten mit „den westlichen Christen“ gleich und missbrauchten sie als eine Art „Blitzableiter“, sagte er. In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 300.000 Mitglieder der koptisch-evangelischen Kirche, 200.000 Katholiken, mehr als 100.000 Mitglieder von Pfingstgemeinden, Brüdergemeinden und anglikanischen Gemeinden sowie 40.000 Griechisch-Orthodoxe. Die meisten der 92 Millionen Einwohner Ägyptens sind Muslime.

Bischöfe: US-Vorstoß verursacht „nicht wieder rückgängig zu machenden Schaden“

Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die Botschaft seines Landes von Tel Aviv dorthin zu verlegen, hat ein geteiltes Echo hervorgerufen. Während vor allem Evangelikale in den USA den Schritt begrüßten, distanzierten sich Kirchenvertreter. Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe der Jerusalemer Kirchen hatten in einem Brief an Trump darauf hingewiesen, dass eine Veränderung des bisherigen internationalen Status von Jerusalem „einen nicht wieder rückgängig zu machenden Schaden“ verursache. Vorrang müssten Friedensverhandlungen haben. Der endgültige Status Jerusalems ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Israel hatte 1967 während des Sechs-Tage-Kriegs den arabisch geprägten Ostteil der Stadt erobert. Der jüdische Staat beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt. Dies wird international nicht anerkannt. Nach Vorstellung der Europäischen Union soll der künftige Status der Stadt in Friedensgesprächen ausgehandelt werden.