16.09.2017

7.500 Teilnehmer beim „Marsch für das Leben“

Kundgebung in Berlin verlief friedlich und nahezu störungsfrei

Zug durch das Regierungsviertel stand unter dem Motto „Die Schwächsten schützen. Foto: m. pletz/idea

Berlin (idea) – Friedlich und nahezu störungsfrei verlief der 13. „Marsch für das Leben“ am 16. September in Berlin. Nach Angaben des Bundesverbandes Lebensrecht, einem Zusammenschluss von 13 Organisationen, beteiligten sich an der überparteilichen und ökumenischen Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude 7.500 Personen – ebenso viele wie im Vorjahr. Der Zug durch das Regierungsviertel stand unter dem Motto „Die Schwächsten schützen. Ja zu jedem Kind. Selektion und Abtreibung beenden“. Zu einer Gegendemonstration hatte ein „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ aufgerufen. Darunter waren Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, der Partei „Die Linke“ sowie der SPD. Die Gegenaktion wurde unter anderen vom Regierenden Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), sowie dem Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen), unterstützt.

Regensburger Bischof: Marsch ist ein „wichtiges ökumenisches Hoffnungszeichen“

Der katholische Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer, forderte im ökumenischen Abschlussgottesdienst dazu auf, denen eine Stimme zu geben, die ihr Selbstbestimmungsrecht noch nicht zum Ausdruck bringen können. Es sei ein „wichtiges ökumenisches Hoffnungszeichen“, dass Katholiken und Protestanten sich dafür gemeinsam einsetzten. Die „Obszönität des Protestes“ der Gegendemonstranten sei ein Beweis dafür, dass die Lebensrechtler etwas Wichtiges zu sagen und etwas Heiliges zu schützen hätten. Es sei „irrationale Willkür“, dass nach der Geburt größte Anstrengungen für die Inklusion von behinderten Menschen unternommen würden, jedoch vor der Geburt eine unbarmherzige „Exklusion und Selektion“ stattfinde.

Bundesverband Lebensrecht: Weltweit etwa 40 Millionen Abtreibungen pro Jahr

Die Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Alexandra Linder (Weuspert/Sauerland), erinnerte bei der Auftaktveranstaltung daran, dass laut Weltgesundheitsorganisation weltweit etwa 40 Millionen Kinder jährlich abgetrieben werden, darunter mindestens 100.000 Ungeborene in Deutschland. Zu Recht setzten sich Tierschützer dafür ein, dass hochträchtige Rinder nicht zum Schlachten gebracht werden dürften. Diesen Aufschrei wünsche sie sich auch für den Schutz ungeborener Kinder, so Linder.

Buchautorin Kelle: Kinderrechte auch für Ungeborene

Die Journalistin und Buchautorin Birgit Kelle erinnerte daran, dass sich im Bundestagswahlkampf alle Parteien für die Förderung von Familien aussprächen. Die Forderung, kein Kind zurück zu lassen, müsse auch für Ungeborene gelten. Wer sich dafür ausspreche, Kinderrechte als Grundrecht ins Grundgesetz aufzunehmen, müsse diese Rechte auch für Ungeborene gelten lassen. Es sei für die Gesellschaft ein Armutszeugnis, dass sie ungeborenes Leben töte, anstatt es zu unterstützen.

Vier katholische Bischöfe nahmen teil

An dem Schweigemarsch nahmen vier katholische Spitzenvertreter teil. Neben Bischof Voderholzer waren auch die Weihbischöfe Matthias Heinrich (Berlin), Hubert Berenbrinker (Paderborn) und Florian Wörner (Augsburg) vertreten. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch erklärte in einem schriftlichen Grußwort, die Demonstranten setzen sich für ein „wahrhaft demokratisches Anliegen“ ein. Der Schutz des ungeborenen Lebens werde zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Es gelte, sich für ungeborenes Leben gleichermaßen einzusetzen wie für Verfolgte und Flüchtlinge. Auch der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), schickte ein Grußwort.

Evangelische Allianz: „Nationale Gedenkfeier“ für im Mutterleib getötete Kinder

Für den evangelikalen Dachverband, die Deutsche Evangelische Allianz, beteiligten sich der Generalsekretär, Hartmut Steeb (Stuttgart), und der Vorsitzende, Ekkehart Vetter (Mülheim/Ruhr). Steeb bezeichnete den Marsch für das Leben als „nationale Gedenkfeier“ für die jährlich 100.000 im Mutterleib getöteten Kinder. Vetter erinnerte an Worte aus dem Propheten Jeremia 1,5: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete.“ Gott begleite sein Geschöpf vom Verschmelzen von Ei und Samenzelle an und sei wie eine Hebamme. In Psalm 22,10 heiße es: „Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen.“ Es komme darauf an, Mütter und Vätern bei Konflikten zur Seite stehen und sie finanziell, bei Behördengängen und der Kinderbetreuung zu unterstützen, so Vetter.

Lob von Bundestagspräsident Lammert

In einem schriftlichen Grußwort lobte der scheidende Präsident des deutschen Bundestags, Prof. Norbert Lammert (CDU), die Teilnehmer des Marsches. Sie täten gut daran, „schon vor Beginn der neuen Legislaturperiode die Aufmerksamkeit von Wählern und Kandidaten auf die Verantwortung aller für die Wahrung der Unverfügbarkeit des Lebens und die Würde des Menschen zu lenken“. Grußworte sandten ferner der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland, Ansgar Hörsting (Witten), sowie der Präsident und der Generalsekretär des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Michael Noss (Berlin) und Christoph Stiba (Wustermark bei Berlin). Ihre Unterstützung hatten auch mehrere Abgeordnete der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärt, darunter deren Vorsitzender, Volker Kauder (CDU), und Bundesminister Christian Schmidt (CSU).

Nur ein evangelischer Bischof grüßte – Berliner Kirche distanziert sich

Die Unterstützung von landeskirchlicher Seite für die Demonstration war spärlich. Lediglich der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), sandte ein Grußwort. Hingegen unterstützt die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz den Marsch nicht. Die Landeskirche distanziert sich laut ihrer Sprecherin von jeder Form aggressiver oder menschenverachtender Äußerungen in der öffentlichen Auseinandersetzung. Diese gelte „sowohl für Aussagen von Lebensschützern, wenn sie Frauen – die abgetrieben haben – pauschal diffamieren“, als auch für Verleumdungen und aggressive Aktionen gegen Teilnehmer des „Marsches für das Leben“.