10.01.2018

Vetter: „Wenn ein Zug in Richtung Neuevangelisierung Deutschlands fährt!“

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, zu „Mission Manifest“ auf der #MEHR-Konferenz: „Eine sehr gute Initiative und 10 richtig gute Thesen!“

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(kath.net - Augsburg/Bad Blankenburg) „Wenn ein Zug Fahrt aufnimmt, der in Richtung Neuevangelisierung Deutschlands fährt, dann sollte sich niemand zu schade zu sein, auch auf den anfahrenden Zug noch aufzuspringen und mitzuwirken.“ Das erläutert der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Ekkehart Vetter im Interview mit kath.net. kath.net fragte ihn zu „Mission Manifest“, einer katholischen Initiative zur Neuevangelisierung, die in Augsburg auf der MEHR-Konferenz des Gebetshauses Augsburg vorgestellt wurde.

kath.net: Sie haben an der #MEHR teilgenommen und haben auch auf der Bühne das Wort ergriffen. Herr Vetter, welche Eindrücke haben Sie aus Ihrer Perspektive als Freikirchler und als DEA-Vorsitzender von der MEHR und vom Gebetshaus Augsburg mit nach Hause genommen?

Ekkehart Vetter:
Eine beeindruckende Konferenz, der es in bemerkenswerter Weise gelingt, katholische und evangelische Christen, Landeskirchler und Freikirchler, in einer dichten geistlichen Atmosphäre zusammen zu bringen. Die Konferenz ist geprägt von Gebet und Lobpreis, von intensiver guter Lehre – und sie ist familienfreundlich: Es gibt eine zeitgleiche MEHR für Kinder! Respekt für dieses Gesamtpaket! Dem Gebetshaus Augsburg gebührt ein großes „Danke!“, dass die Freunde dort sich der Herkulesaufgabe stellen, eine Konferenz dieser Größenordnung nun schon zum wiederholten Male durch zu führen.
Die MEHR wird geistlich etwas bewegen und sie tut dies jetzt schon!

kath.net: Was halten Sie vom „Mission Manifest“? Und: Braucht es so etwas auch für den evangelischen Raum? Lädt das „Mission Manifest“ zur ökumenischen Zusammenarbeit ein?

Vetter:
Eine sehr gute Initiative und 10 richtig gute Thesen!
Das Rad wird hier ja nicht neu erfunden, und das ist auch nicht zu erwarten, sondern klare biblische Überzeugungen zu „Mission“ werden neu formuliert. Es gibt ähnliche Texte an anderen Stellen, übrigens auch im ökumenischen Kontext. Zum Beispiel ist 2011 das missionsethische Papier „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) und dem Päpstlichen Rat für Interreligiösen Dialog des Vatikan (PCID) gemeinsam herausgegeben worden. Dieses Papier hat eine etwas andere Zielsetzung, aber inhaltlich hohe Schnittmengen zu „Mission Manifest“. „Mission Manifest“ lädt auf jeden Fall zur Zusammenarbeit ein, weil hier missionarische Grundüberzeugungen formuliert sind, die auch im evangelischen und speziell im evangelikal-charismatischen Bereich geteilt werden. Vielleicht wäre es sogar hilfreich gewesen, im Vorhinein hier noch stärker das Miteinander zu suchen. Aber wenn ein Zug Fahrt aufnimmt, der in Richtung Neuevangelisierung Deutschlands fährt, dann sollte sich niemand zu schade zu sein, auch auf den anfahrenden Zug noch aufzuspringen und mit zu wirken.

kath.net: Zwischen den Katholiken und den Mitgliedsgemeinschaften der Deutschen Evangelischen Allianz gibt es theologische Unterschiede. Theologische Unterschiede, die nicht einfach eingeebnet werden, gibt es übrigens auch innerhalb der DEA. Herr Vetter, welchen grundsätzlichen Umgang empfehlen Sie, wenn praktizierende Christen aufgrund ihrer konfessionellen Zugehörigkeit auf solche Unterschiede stoßen?

Vetter:
Meine geistlichen Ururgroßväter, die Gründer der Evangelischen Allianz, haben 1846 eine Glaubensbasis formuliert, die, im Laufe der Zeit ein wenig sprachlich angepasst, heute noch gilt. Dies ist ein kurzer Text, der nicht alle dogmatischen Fragen anspricht, aber der Basisüberzeugungen eines an den zentralen Inhalten der Bibel orientierten Glauben beschreibt.
Als DEA sagen wir: Wir freuen uns über alle, die diese Glaubensbasis teilen. Primär ist nicht die Konfession, sondern das Evangelium als Basis.
Und dann sind wir gerne, hoffentlich in intensiver geistlicher Gemeinschaft, gemeinsam unterwegs – im Gebet, in Mission und Evangelisation, in der Wertschätzung der Bibel als Gottes Wort, in der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung. Und wir sehen, die MEHR bringt zum Ausdruck, wie immer mehr katholische Christen uns hier sehr nah sind. Das „Mission Manifest“ ist hier ein Beispiel.
Sicher gibt es nach wie vor große theologische Unterschiede insbesondere in dogmatischen Fragen. Aber der Ansatz über die Glaubensbasis macht es möglich nach den Gemeinsamkeiten zu fragen. Und wenn die in zentralen Fragen da ist, sollten wir mehr Miteinander suchen.
Weichenstellungen in diese Richtung haben meine ganze Unterstützung. Wachsende geistliche Einheit, gerade auch in kontroversen Fragen, wächst nicht nur am grünen Tisch, sondern auch durch aktives Zuhören, sorgfältige Kommunikation, gemeinsames Gebet, gemeinsames Bibelstudium – und all das funktioniert nicht aus der Distanz, sondern nur, wenn wir Begegnung suchen.
Wir müssen und werden keine Einheit übers Knie brechen, aber könnte es nicht sein, dass der HERR seiner Kirche hier gerade mal seinen Leuten auf beiden(!) Seiten einen geistlichen Stups gibt, aufeinander zuzugehen, „damit die Welt glaube“? Ich weiß, es ist etwas flapsig, aber den Kritikern dieser Entwicklung wiederum auf beiden Seiten, möchte ich sagen: Wer den Kopf nur lange genug schüttelt, findet irgendwann auch ein Haar in der Suppe.

kath.net: Neben den theologischen Unterschieden hat sich in den letzten Jahren unerwartet eine neue Gemeinsamkeit zwischen Katholiken und der DEA herausgebildet: Eine Art „Ökumene der christlichen Ethik“. Tatsächlich sind wir uns hier in vielen Themen grundsätzlich einig, ich nenne als Beispiel die Frage des Lebensschutzes. Als wie wichtig stufen Sie eine solche „Ökumene der christlichen Ethik“ ein?

Vetter:
Gemeinsame ethische Überzeugungen schaffen im letzten keine tiefgreifende geistliche Einheit, aber sie sind ein Hinweis darauf, dass man trotz unterschiedlicher Auffassungen in diversen theologischen Fragen dennoch ganz offensichtlich auch gemeinsame Überzeugungen haben kann. Diese sollten wir feiern! Diese sollten wir öffentlich zum Ausdruck bringen, wie es zum Beispiel beim jährlichen „Marsch für das Leben“ in Berlin in der Frage des Lebensschutzes geschieht. Es wäre ein Jammer um der gott-gewollten Sache des Lebensschutzes willen, wenn diese Gemeinsamkeit der fehlenden Übereinstimmung in anderen Fragen geopfert würde.
Die „Ökumene der christlichen Ethik“ kann die Tür öffnen, auch andere Themen in respektvoller Diskussion auf Augenhöhe in den Blick zu nehmen.
(kath.net-Interview von Petra Lorleberg)

Weitere Infos: www.missionmanifest.online
http://www.kath.net/news/62312

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