Was Kirchen und Evangelikale dem Bundespräsidenten wünschen
Jürgen Werth: Freue mich über christliche Grundüberzeugungen von Christian Wulff
Berlin (idea) – Führende Repräsentanten der EKD, der Freikirchen und der evangelikalen Bewegung haben dem neuen Bundespräsidenten Christian Wulff (51) zu seiner Wahl gratuliert. Für den von CDU/CSU und FDP nominierten bisherigen Ministerpräsidenten von Niedersachsen hatten am 30. Juni im dritten Wahlgang 625 der 1.242 anwesenden Mitglieder der Bundesversammlung gestimmt. Der Kandidat von SPD und Bündnis90/Die Grünen, Joachim Gauck (70), bekam 494 Stimmen. In ihren Glückwunschschreiben würdigten kirchliche Repräsentanten, dass sich Wulff offen zum christlichen Glauben bekenne. Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), wünschte dem katholischen Politiker, dass er sich im Bemühen um das Gemeinwohl von Gottes Wort getragen wisse, vor allem dann, wenn die vor ihm liegenden Aufgaben die „Kräfte zu übersteigen scheinen". Schneider hob auch die politische Erfahrung und das diplomatische Gespür des neuen Bundespräsidenten hervor.
Badischer Bischof bedauert Scheitern Gaucks
Zurückhaltend äußerte sich der badische Landesbischof Ulrich Fischer (Karlsruhe). Er bedauert, dass Gauck nicht zum Zuge kam. Dieser habe sich als Leiter der nach ihm benannten Behörde für die Stasi-Unterlagen und als Pfarrer in der Wendezeit der DDR ein Profil erworben, das ihm eine parteipolitische Unabhängigkeit verleihe. Von Wulff erwartet Fischer eine integrierende Funktion sowie Anstöße zur Bewältigung der Krise. Er hoffe, dass sich der politische Routinier Wulff nicht in Parteienstreitigkeiten einmische, um die Sehnsucht nach Kontinuität, Orientierung und Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu erfüllen.
Freikirchen: Menschen wichtiger als der Markt
Die Vorsitzende der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), die evangelisch-methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main), hofft, dass sich Wulff wie sein Vorgänger Horst Köhler an christlichen Werte orientiere. Dann seien ihm die Menschen wichtiger „als der Markt und der weltweite Horizont wichtiger als vermeintliche Vorteile für Deutschland, die sich langfristig als Hindernisse für nachhaltige soziale, ökologische und wirtschaftliche Lösungen zum Wohle aller Menschen erweisen könnten". Die Bischöfin kündigte an, dass die evangelischen Freikirchen Wulff im Gebet begleiten und sich vermehrt in die Gesellschaft einmischen werden.
Allianz: Freude über Wulffs christliche Grundüberzeugungen
Im Namen der evangelikalen Bewegung gratulierte der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und Vorstandsvorsitzende von ERF-Medien, Jürgen Werth (Wetzlar). Deutschland habe einen respektablen Bundespräsidenten bekommen, der Impulse über den Horizont tagespolitischer Überlegungen hinaus geben könne, sagte Werth gegenüber idea. „Ich wünsche ihm viel Kraft, Antworten auf drängende Fragen zu geben: Wie soll Deutschland in zehn bis 20 Jahren aufgestellt sein? Welches Gesicht soll unsere Gesellschaft tragen? Welche Werte sollen unser Zusammenleben prägen?" Er freue sich, so Werth, über die christlichen Grundüberzeugungen von Wulff und wünsche ihm Gottes Segen, um der Gesellschaft hilfreiche Orientierung geben zu können.
Pietisten: Bundespräsident soll ein Hörender sein
Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Michael Diener (Kassel), ermutigte Wulff, in seinen Beiträgen immer wieder erkennen zu lassen, „dass unser Gemeinwesen auf Grundlagen ruht, die wir als Menschen selbst nicht schaffen und erhalten können": „Ein Bundespräsident, der um seine menschliche Begrenztheit weiß und deshalb im christlichen Glauben ein Hörender, Gehorchender und Geborgener bleibt, wäre ein wirklicher Segen." Man müsse verhindern, dass die Gesellschaft in sozialen, ethischen und religiösen Fragen auseinanderbreche.
„Deutschland braucht geistig-moralische Wende"
Der Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), wünschte dem neuen Bundespräsidenten vor allem Gottes Segen, Mut und Kraft aus einem starken Gottvertrauen. Damit Deutschland von den Egoismen Einzelner und Gruppen hin zu mehr Gemeinsinn komme, brauche das Land eine geistig-moralische Wende zurück zu den christlich-kulturellen Wurzeln. „Dazu möge der neue Bundespräsident nötige Impulse geben", so Rüß.

