08.01.2017

Deutschland: Politische Einseitigkeit

Kritik an politischer Einseitigkeit der evangelischen Kirche Inacker: Viele Stellungnahmen atmen den rot-grünen Zeitgeist

Der Vorsitzende der Internationalen Martin Luther Stiftung, Michael Inacker. Foto: idea/Städter

Wuppertal (idea) – Kritik an einer politischen Einseitigkeit der evangelischen Kirche hat der Vorsitzende der Internationalen Martin Luther Stiftung, Michael Inacker (Kleinmachnow bei Potsdam), geübt. „Meine Kirche bildet in ihrer Funktionärsstruktur schon lange nicht mehr die Breite der evangelischen Christen ab“, sagte er am 8. Januar in einem Gottesdienst zum Auftakt der Allianzgebetswoche in Wuppertal-Ronsdorf. Er wolle keine CDU-Kirche, aber die weitverbreitete Doppelfunktion von Parteifunktionären der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen in kirchlichen Gremien sei auffällig und mache die evangelische Kirche „langweilig, berechenbar und einseitig – und damit auch unattraktiv als Burg unseres Glaubens“. Viele Stellungnahmen atmeten heute den rot-grünen Zeitgeist. Der Reformator Martin Luther (1483–1546) hingegen habe einen klaren Kompass gehabt. „Hier stehe ich und kann nicht anders“, soll er, so Inacker, im Angesicht einer möglichen Todesstrafe auf dem Wormser Reichstag 1521 gesagt haben: „Zeitgeist-Bischöfe und -Pastoren würden heute sagen: ,Hier stehen wir und können auch anders, wenn die Parteivorstände von SPD und Grünen es wollen.’“ Kirchenleitungen, die den Mut und Kampfeswillen verloren hätten, um im Sinne Luthers kraftvoll Position zu beziehen und Funktionäre, die sich selbstgefällig Posten im Rat der EKD und den Synoden zuschöben, seien leider vielfach Realität.

Kirche muss sich an Haupt und Gliedern reformieren

Inacker forderte einen Mentalitätswandel in den Kirchen und ihren Leitungen. Dies sei nicht nur die Aufgabe des „offiziellen Bodenpersonals Gottes“, sondern aller Protestanten: „Die Kirche der Reformation bedarf einer Reformation an Haupt und Gliedern – sonst ist sie nicht mehr zukunftsfähig und schafft sich selbst ab.“ Die Welt habe sich verändert: „Der öffentlich-rechtliche, privilegierte Status unserer Kirchen hat uns müde und selbstgefällig gemacht.“ Die Kirchen müssten ihre Rolle neu definieren und andere Formate entwickeln, etwa Gottesdienste anders und für unterschiedliche Zielgruppen gestalten. Die Präsenz im öffentlichen Raum müsse unkonventioneller und kreativer werden. In einer anschließenden Diskussionsrunde rief Inacker Christen dazu auf, den eigenen Glauben engagierter zu bekennen: „Wir müssen als Christen kämpferischer und präsenter in der Öffentlichkeit auftreten.“ Sonst werde sich die schleichende Entchristlichung der Gesellschaft fortsetzen. Er nannte es ein Armutszeugnis, dass in die Verfassung der Europäischen Union kein Gottesbezug aufgenommen wurde: „Wir sind mit unseren christlichen Wertbeständen auf dem Rückzug.“

Kritik an Bedford-Strohm: Ablegen des Kreuzes ein Zeichen der Kleingläubigkeit

Inacker kritisierte in diesem Zusammenhang auch den Ratsvorsitzenden der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München). Er bezog sich auf den Besuch des Landesbischofs gemeinsam mit einer ökumenischen Pilgergruppe im Oktober auf dem unter muslimischer Verwaltung stehenden Tempelberg und an der jüdischen Klagemauer in Jerusalem. Der EKD-Ratsvorsitzende und der Vorsitzende der (katholischen) Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), hatten auf Bitten der Gastgeber ihre Amtskreuze abgelegt. Das sei, so Inacker, ein Eingeständnis von Schwäche und Kleingläubigkeit. Er forderte ferner die Kirchen dazu auf, die Kräfte zu bündeln: „Wir können uns Zersplitterungen und den absurden Streit über kleine Glaubensunterschiede nicht leisten. Unsere Meinungsverschiedenheiten sind – gemessen an den weltweiten Herausforderungen – Peanuts.“