Ein unverschämtes Gebet
Wo ist die Antwort? Ich habe schon so viel für diese eine Sache gebetet und nichts ist passiert. Wie oft soll ich denn beten?
Die Bibel berichtet von verschiedenen Männern und Frauen, die nicht nachließen zu beten, bis Gott antwortete. Im Neuen Testament sind es besonders Cornelius, Paulus und eben Bartimäus (Markus 10,46–52), die nicht aufhörten zu beten, bis ihnen Jesus Antwort gab.
Hören wir hier einmal auf Worte Martin Luthers zu diesem Thema: „Ein unverschämtes Gebet, das fest anhält und sich nicht abschrecken lässt, gefällt Gott wohl! ... sobald die Not da ist, schnell in die Kammer gelaufen und auf die Knie gefallen, und gesagt: Herr, hier komme ich, muss das und jenes haben, ob ich wohl unwürdig bin. Aber siehe meine Not und meinen Jammer, und hilf um deiner Ehre willen. Also lerne unverschämt beten, und zweifle ja nicht, Gott werde dir um Christi willen geben, was dir nützlich und gut ist. Je mehr du es tust, je lieber hat es der Herr!“
Bartimäus hörte nicht auf nach Jesus zu rufen, trotz aller Bemühungen der anderen, ihn zum Schweigen zu bringen. Ja, nicht einmal die frommen Männer und Frauen, die Jesus umringten, konnten ihn davon abhalten, nach Jesus zu schreien!
Und dann plötzlich rief ihn Jesus zu sich!
Kornelius suchte einfach nur immer wieder die Gegenwart Gottes und kümmerte sich nicht um seine Umgebung, die doch ganz anderen Göttern diente.
Und dann plötzlich antwortete ihm unser Herr, wie er es niemals erwartet hätte!
Paulus betete dreimal um Befreiung von einer ständig wiederkehrenden Anfechtung oder einem körperlichen Leiden. Nur dreimal? Wenn wir allein in die ersten Verse des Epheserbriefes gehen, so werden wir ein wenig erahnen können, was für ein Beter Paulus war, wie er, so wie Jesus Christus in seiner Erdenzeit, ganz aus dem redenden Umgang mit Gott lebte. Dreimal! Das waren drei Gebetskämpfe, das war intensives Ringen und Rufen nach Antwort, nach Heilung und Befreiung.
Und dann plötzlich nach dem dritten Mal antwortete ihm unser Heiland und Herr!
Und? Fiel die Antwort so aus, wie Paulus sie im Glauben erbeten hatte? Nein! „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ Jesus gab ihm nicht das, was er sich so sehr gewünscht hatte – und doch: Jesus ließ ihn nicht ohne Antwort und auch nicht ohne Hilfe. Die allmächtige Kraft des Herrn würde sich in seinem Schwachsein manifestieren. Danach brauchte Paulus nicht weiter in dieser Sache zu beten.
Drei Personen, die wiederholt unserem Herrn in den Ohren lagen. Ihr Gebet entsprang einem tiefen Vertrauen in Gottes Güte und seine väterliche Versorgung.
Wir wollen in der täglichen Fürbitte um Gottes Wirken und sein bewusstes
Eingreifen beten, für uns persönlich und die in diesem Heft genannten Anliegen aus der Mission im In- und Ausland. Wir wollen vertrauen, dass unser Herr in der jeweiligen Situation eingreift. Wir wollen Gottes heiligem Geist erlauben, dass er uns im Gebet führen und unser Herz bewegen darf. Wie wird wohl Jesu Antwort diesmal lauten?
Nikolaus von Abendroth, Mitglied im Arbeitskreis Gebet, unter dankbarer Aufnahme einer Andacht von Heinz-Martin Schuster

