Wohin mit Oma?
Monatliches Allianzgebet für November 2011
„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass es dir wohl ergehe und du lange lebst auf Erden.“ 4. Gebot aus 2. Mose 20

Er ist 91, sie 85 Jahre alt. Sie ist dement, verlegt ständig Sachen, ist unruhig und erkennt oft selbst den eigenen Ehemann nicht mehr. Er will helfen. Aber er ist auch körperlich mit der Pflege seiner Frau schlicht überfordert. Also haben sie halbtags eine Hilfe im Haus und abends kommt eine Schwester der Diakoniestation, um sie ins Bett zu bringen. Ins Heim? Die in Jahrzehnten liebgewonnene Wohnung verlassen? Die Nachbarn, das soziale Umfeld, die bekannten Wege aufgeben? Nur noch mit anderen alten Menschen zusammen wohnen?
Über 2,3 Millionen Pflegebedürftige leben heute in Deutschland, mit rund 2,7 Millionen rechnet das Statistische Bundesamt bis 2020. Unglaublich! Und das Ganze schon in acht Jahren. Dann hat Deutschland mehr Pflegefälle als Kindergartenkinder.
Und Fragen über Fragen:
- Wer übernimmt die Pflege? Der/die Ehegatte/gattin? Die Kinder? Enkelkinder? Ambulante Pflegedienste? Oder gar illegale Pflegerinnen aus Osteuropa?
- Wer kommt für die Kosten auf? Die Pflegeversicherung? Wieder die Kinder? Wie lange reicht das Ersparte? Muss das Haus verkauft oder der als demütigend empfundene Gang zum Sozialamt eingeschlagen werden?
- Wer gibt „Pflegefällen“ ihre Würde? Wer ist ihre Lobby?
Eine Freundin der Familie erzählte uns von ihrer Oma. Die ist dement und dabei aggressiv. Sie hat mit ihrem Gehstock der Pflegerin einen Zahn ausgeschlagen. Das ist schon schwierig. Man pflegt jemanden, er ist hilflos, und dann schlägt und schreit er.
Gott hat uns ein klares Gebot gegeben: „Du sollst!“ Wir sollen uns also um Vater und Mutter kümmern. Egal, wie wunderlich sie inzwischen sind. Wir sollen mit unseren Kräften materiell für sie sorgen, wenn sie es selbst nicht mehr können. Wir sollen für sie da sein und Zeit für sie haben. Wir sollen sie „ehren“!!! Auch wenn es schwer fällt. Wir sollen sie so sehen, wie Jesus Christus sie sieht, als geliebte Kinder Gottes.
Jeder Mensch, der gepflegt werden muss, hat seine eigene Geschichte, seine Ängste, seine Erfahrungen. Wenn, wie die Bibel sagen würde, „der alte Adam sich brutal zeigt“, dann weiß ich doch: Auch für diesen alten Adam ist Christus gestorben. Das gibt ihm seine Würde. Er ist und bleibt Gottes geliebtes Kind. Egal, ob er es je angenommen hat oder nicht. Uns als Christen ist es geboten, ihn so zu sehen und ihm zu helfen. Zum Beispiel durch Besuche, durch kleine Gesten wie vorlesen, spazieren gehen, spielen. Sicher aber durch Gebet und Fürbitte. Und immer mit christlicher Liebe.
Bernd Bierbaum, Pastor i.R., Bremen
Hinweise zur Gestaltung
Besorgen Sie zwei Beiträge aus den Zeitschriften
- Der Spiegel 15/2011 „Vaters Zeit“
- Der Stern 43/21.10.2010 „Wohin mit Oma?“
Haben Sie jemanden im Gebetskreis, der aus eigener Erfahrung berichten kann, der Adressen kennt, Pflegeverbände, Heime?
Wofür wollen Sie beten? Um konkrete Hilfe? Praktische nächste Schritte? Um Kraft und Geduld?
Was wollen Sie tun? „Das Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist eine Tat, die durch nichts anderes ersetzt werden kann.“
D. Hans von Keler, früherer Landesbischof von Württemberg
Zum Singen
- Die Herrlichkeit auf Erden EG 527
- Bleib bei mir Herr EG 488



