Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist
Monatliches Allianzgebet für Juni 2009
„Ungezügelte Leidenschaft ist ein Kennzeichen der Menschen, die Gott nicht kennen. Gott hat uns nicht zu einem zuchtlosen Leben berufen, sondern zu einem Leben, das ihn ehrt.“
1. Thess. 4,5+7
„Sexualität ist am schönsten, wenn man sich das „erste Mal“ für den Ehepartner aufhebt“, das war die Kernaussage einer Jugendstunde, die eine Kollegin vorbereitet hatte.Schon während des Vortrags konnte ich in den Gesichtern einiger Jugendlicher lesen, dass das Thema total an ihnen vorbei ging. Wie sollten sie auch etwas aufheben, das sie teils seit Jahren praktizierten?
Ging es früher bei jugendlichen Liebeleien um Küsschen, Knutschen und Händchenhalten, so ist heute meist jede Romantik gewichen. Sogar ein Artikel im Stern spricht von Pornographisierung und sexueller Verwahrlosung unter Jugendlichen. Schon Teenager sammeln mit 13 oder 14 Jahren einschlägige sexuelle Erfahrungen und finden das ganz normal. In frei verkäuflichen Jugendzeitschriften erhalten sie ausführliche bebilderte Anleitungen zu verschiedensten Praktiken und zuhause stehen pornographische Filme und DVDs im Regal. Je nach Familiensituation werden solche Streifen dann auch schon mal mit den Eltern gemeinsam angesehen und mit Gleichaltrigen nachgeahmt.
„Man verliebt sich, ein paar Tage später geht man miteinander ins Bett – so läuft das heute“, heißt es in „Bild der Frau“. Bei den Teenagern wird selbst diese Reihenfolge nicht immer eingehalten, und von „Liebe“ und „Verliebtsein“ ist selten noch die Rede. Vorbilder der Beziehungsgestaltung sind nicht etwa Freunde und Familie, sondern die Darsteller von Sex-Filmen. Im Internet können sich findige Jugendliche alles ansehen, was sie schon aus Gründen des Jugendschutzes nie zu Gesicht bekommen sollten.
Auch auf den Musikgeschmack hat die Sexualisierung ihre Auswirkungen. Auf den Handys und MP3-Playern laufen Lieder und RAP-Gesänge mit pornographischen Texten. Sogenannte „Porno-Rapper“ schreien Reime über Gewalt und sexuelle Exzesse in die Ohren der Kinder. Und was man oft genug hört und sieht, bleibt irgendwann hängen, das ist wie beim Vokabeln lernen.
Nach wie vor geben Jugendliche in Umfragen an, dass Werte wie „Ehrlichkeit“ und „Treue“ ihnen wichtig sind. Aber Treue ist ein schwieriges Konzept in einer Gesellschaft, in der mit großen Plakaten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für Kondome geworben wird mit dem unglaublichen Spruch „Seitensprung – mach’s mit“. Auch wenn dieses Plakat nicht mehr überall zu sehen ist, die ganze Kondom-Kampagne sagt aber viel über die verbogenen Maßstäbe aus. Hier geht es hauptsächlich um körperliche Gesundheit, um die seelische Gesundheit der Betroffenen macht man sich wenig Gedanken.
Natürlich gibt es auch Kinder, die in ihrem Elternhaus nicht mit solchen Dingen konfrontiert werden und Jugendliche, die sich bewusst davon abgrenzen. Aber früher oder später kommt jedes Kind durch Medien oder Mitschüler mit solchen Liedern, Bildern, Zeitschriften oder Filmen in Kontakt und stellt dann unsichere Fragen. Dann brauchen Eltern und Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendarbeit viel Weisheit und Feingefühl, um hier gute und Richtung weisende Antworten zu geben - und vor allem um Vorbild zu sein.
Benji Wiebe, Mitglied im Arbeitskreis „Kinder in Kirche und Gesellschaft“
Zur Vorbereitung und Gestaltung
Befassen Sie sich mit der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen:Kaufen sie einige Exemplare der an jedem Kiosk erhältlichen Jugendzeitschriften und machen Sie sich selbst ein Bild. Zappen Sie mal für einige Minuten durch die Musikkanäle im Fernsehen, achten Sie auf die Bildsprache und lesen Sie die von den Jugendlichen per SMS eingesandten Texte.
Kommen Sie mit Eltern und Mitarbeitern ins Gespräch:
Fragen Sie Eltern von Teenagern oder Mitarbeitende aus der Kinder- und Jugendarbeit zu ihren Erfahrungen mit dem Thema. Hören Sie zu und bieten Sie Unterstützung im Gebet an.
Lesen Sie das Buch „Deutschlands sexuelle Tragödie: Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist“. Die Autoren Bernd Siggelkow, Gründer des Kinder- und Jugendhilfswerks „Die Arche“, und Wolfgang Büscher, Journalist und Pressesprecher der Einrichtung, wollen ein Bewusstsein für diesen Besorgnis erregenden Trend schaffen und zum Handeln mahnen.
Zum Beten
Lob und Dank
- Für die Arbeit von unzähligen Mitarbeitenden in Kinder- und Jugendwerken
- Für christliche Teen- und Jugendmagazine, die eine Alternative bieten
- Für Projekte wie „Wahre Liebe Wartet“, die Jugendliche zu einem anderen Lebensstil ermutigen
Beugung
- unter die auch von Christen oft unwidersprochen hingenommene Über-Sexualisierung von Öffentlichkeit, Medien und Gesellschaft
Bitte
- Dass Gott die Herzen und Sinne der Kinder und Jugendlichen bewahrt
- Dass Kinder und Jugendliche gute Vorbilder finden
- Dass Eltern und Familien gestärkt werden, die ihren Kindern Werte und Wahrheiten weitergeben
- Dass Jugendschutz in den Medien und im Internet ernster genommen wird

