Wann ist der Mann ein Mann?

Monatliches Allianzgebet für Juli 2011

„Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm.“  1. Mose 17,1
„Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater?“  Johannes 14,9
„Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt; wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf.“  Jesus Sirach 6,14–15

Berufung zum Mannsein

„Wandle vor mir und sei ganz“, übersetzte Martin Buber Gottes Ruf an Abraham (1. Mose 17,1). Ganzheit meint authentisch leben. Seit Abraham, Isaak und Jakob heißt Mannsein unterwegs sein, die Stimme des Herzens zu hören und ihr zu folgen. Dies ist der Grundton der männlichen Seele.
Berufung zum Mannsein meint eine innere Verwurzelung, der er sich durch die Lebensstufen immer wieder neu gewiss werden muss. So reifen wir in unserer Identität. „Berufung ist eine Wiederherstellung der Beziehung
zwischen Gott und Mensch, auf dass der Mensch heil werde und zu seiner wahren Identität finde“ (Magnus Malm: Gott braucht keine Helden, Wuppertal 1997). Keiner kann diesen Weg ohne andere Männer finden und gehen.

Mannsein, ein Weg vom Kopieren zum Kapieren

Jesus bringt seine Selbstgewissheit auf den Nenner: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ (Johannes 14,9) Damit sagt er: „Ich bin ich, weil ein anderer in mir Wohnung genommen hat.“ Nicht irgendwer, sondern der Schöpfer des Himmels und der Erde. Jesus war reich an Identität, Vertrauen, Beziehung, an Kampfesmut. Er verkörpert die fruchtbare Spannung, Sohn zu sein und im Vater zu leben. Ihm nachzufolgen heißt, sich so selbstständig verhalten lernen, wie dieser es getan hat. Dazu dienen Männergespräche und Männerkreise.

Geheilte Männlichkeit

Aufbruch in die Männlichkeit bringt uns in Berührung mit unseren Stärken und Schwächen. Viele suchen nach väterlichen Begleitern und Mentoren, um ihre Berufung zu finden und zu leben. Das ist ein Weg zu den eigenen Stärken und Schwächen; ein Weg von der Feindschaft zur Freundschaft mit mir. „Solange du dein eigener Feind bist, ist auch das Wort Gottes dein Feind. Sei dein eigener Freund, dann ist auch das Wort Gottes mit dir im Einklang.“ (Augustinus, in: Piet van Breemen: Im Geheimnis daheim, Würzburg 2008, S. 16) Es geht nicht darum, alles richtig zu machen, sondern aufrichtig zu leben. Männergruppen helfen dazu, Lernende zu bleiben.

Männerfreundschaften

Der Weg zu menschlichen Beziehungen und zu sich selbst bleibt ungesichertes Terrain. Jede Männergeneration buchstabiert sie neu. Männerfreundschaften sind herb und herzlich, aber Wachstumshilfen zur Größe und Grenze des eigenen Herzens. „Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer den findet, der findet einen großen Schatz. Ein treuer Freund ist nicht mit Geld oder Gut zu bezahlen, und sein Wert ist nicht hoch genug zu schätzen.“ (Jesus Sirach 6,14–15)

Männliche Sexualität

Sexualität prägt die Identität eines Mannes nachhaltig. In ihrer unberechenbaren Vitalität und ihrer Nähe zu unseren Aggressionen ist uns aufgegeben, sie schöpferisch zu gestalten, zu erhalten und zu entfalten. Das gleicht der Zähmung eines Hengstes – eine sensible und stärkende Herausforderung im Leben eines Mannes. Hier ist er verletzlich und kann verletzen. Seit Jahren erlebe ich die Männerarbeit als guten Raum, einander darüber zu befragen und zugewandt ins Gespräch zu kommen.

Männer und Beziehungen

Frauen sind für Männer zuerst faszinierend und werden in der Partnerschaft oft fremd. Dieser Wandel von Nähe zur Distanz wird heute als Beziehungssackgasse interpretiert. Sie ist aber vielmehr der Impuls für Männer, ihre Beziehungsfähigkeit zu entfalten und in die Ehe einzubringen. Wo Männer diesen Weg gemeinsam gehen, werden sie männlicher.

Polare Geschlechterspannung

Männer sind gerufen, an der Gestaltung der Geschlechterpolarität mitzuwirken, denn Frauen sind Geliebte und „Gegner“ zugleich. Frauen reden über ihre Probleme, um sie zu verarbeiten. Männer schweigen in Krisen, um im Entspannen Lösungen zu finden. Frauen erholen sich beim Einkauf; Männer müssen erholt sein, um einkaufen zu können. Männer suchen häufig die sexuelle Entspannung, um bei sich zu landen. Frauen wollen bei sich sein, um sich auf Sex einzulassen. Es ist eine Entdeckungsreise, sich mit Männern zu treffen und darüber zu sprechen.

Friedensstiftung der Geschlechter und eine Kultur des Lebens

Einer Frau durch die Lebensalter die Treue zu halten, bleibt die vornehmste Aufgabe des Mannes. Er reift an ihr zum Mann, sie an ihm zur Frau. Denn „es ist Glück, dass man sich findet, aber harte Arbeit, dass man sich behält.“ (L. Lorenz) Wo Männer durch ihren Glauben, ihre Ehe, ihren Beruf und ihre Freizeit Beziehungsarbeit lernen, sind sie Identitätsstifter für die eigenen Söhne und Töchter. Das ist der Stoff zur Friedenstiftung der Geschlechter und einer Kultur des Lebens, was durch die Männerarbeit gefördert wird.

Ralph Pechmann, Offensive Junger Christen

Hinweise zur Gestaltung und zum Beten

Bitte

  • dass jeder Mann im Wandel der Geschlechterbeziehungen eine Chance sieht, eigenen Fragen Raum zu geben
  • dass er die Stimme seines Herzens hört und sie nicht zum Schweigen bringt
  • dass er den Weg an der Seite Jesu als Initiation ins Mannsein erfährt
  • dass sein Herz und Selbstverständnis über die Technik hinaus streben
  • dass er Freunde findet und sich als Freund annimmt
  • dass er sich Zeit und Phantasie zur Gestaltung der Partnerschaft nimmt
  • dass er Stolz entwickelt, am Geschlechterfrieden als Horizont der Hoffnung mitzuwirken

Zum Singen

  • Herr unser Herscher, EG 270