Ihr habt mich im Gefängnis besucht

Monatliches Allianzgebet für März 2017

Matthäus 25, 36 + 40: Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Diese Verse dürfen wir als klaren Auftrag Jesu an uns auffassen. Jesus will, dass wir unseren „geringsten Brüdern“ helfen – und dazu gehören auch die Gefangenen. Er will, dass wir ihnen begegnen, so wie wir Jesus begegnen würden. Alles, was wir für sie tun, tun wir direkt für Jesus. Soweit die Theorie. Aber wer von uns hat schon mit Gefangenen zu tun? Sind sie uns wichtig? Ist es uns ein Herzensanliegen? Um die Theorie Praxis werden zu lassen, müssen wir uns darauf einlassen, müssen wir Gefangene kennenlernen, uns in sie hineinversetzen, ihr Schicksal vor Augen haben.

Mir persönlich wurde das Thema wichtig, als ich während eines sozialen Jahres in den USA ein Gefängnis besucht habe. Mir wurde klar: Dies ist nicht der Ort, Gefangene auf ein Leben ohne Straftaten vorzubereiten. Daraus entstand zunächst die Idee, dann die Berufung, eine Alternative zum herkömmlichen Strafvollzug aufzubauen. Nach 13 Jahren Vorbereitung habe ich dann das Seehaus Leonberg und später das Seehaus Leipzig als „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ gegründet. Jeweils 5-7 junge Gefangene wohnen mit einer Mitarbeiterfamilie zusammen und erfahren so – oft zum ersten Mal – „funktionierendes“ Familienleben, Liebe und Geborgenheit. Gleichzeitig erwartet sie ein durchstrukturierter und harter Arbeitsalltag: Um 5:45 Uhr beginnt der Tagesablauf mit Frühsport. Bis 22:00 Uhr sind die Jugendlichen in ein konsequent durchgeplantes Erziehungsprogramm eingebunden. Hausputz, Schule, Arbeit, Berufsvorbereitung, Sport, gemeinnützige Arbeit, Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Straftaten für die Opfer, Wiedergutmachung, soziales Training sind fester Bestandteil des Konzepts. Als Mitarbeiter wollen wir den Glauben vorleben und vermitteln.

Im Seehaus gibt es die Möglichkeit, junge Gefangene kennenzulernen, sich ehrenamtlich einzubringen, für die Jungs und für die Mitarbeiter zu beten, sich in Freizeitgruppen im Gefängnis einzubringen. Dies ist aber nicht nur im Seehaus möglich. Es gibt auch einige Organisationen, die hier aktiv sind: Gefährdetenhilfen, Schwarzes Kreuz, Emmausdienst und andere. Gefängnisse gibt es in ganz Deutschland und so ist immer ein Gefängnis in der Nähe, wo man für die Gefangenen, die Mitarbeiter und die christlichen Gruppen, die sich dort engagieren, beten und sich dort aktiv einbringen kann.

Genauso wichtig ist es, sich für die Haftentlassenen einzusetzen. Ehemalige Gefangene in Gemeinden zu integrieren ist unheimlich schwierig, da die Lebenswelten doch meist allzu unterschiedlich sind. So haben wir im Seehaus Leonberg eine Gemeinde innerhalb der ev. Landeskirche gegründet: Die Gemeinde am Glemseck. Damit wollen wir Haftentlassene, aber auch andere Gruppen, die die Kirche oft nicht erreicht, wie Flüchtlinge und Migranten, erreichen. Wir wünschen uns aber auch, dass sich jede Gemeinde Gedanken macht: Wie können wir solche Menschen erreichen, was für Angebote können wir machen und wie können wir auf „Kirchenferne“ zugehen?

Um das Thema in Gemeinden bekannt zu machen, können wir oder eine der anderen Organisationen angefragt werden, ob sie einen Abend gestalten oder im Gottesdienst ihre Arbeit vorstellen. Auch Infomaterial, Filme, Rundbriefe, Gebetsrundbriefe oder Wochenkalender können angefragt werden, um das Thema einmalig oder noch besser dauerhaft bei Einzelnen und ganzen Gemeinden bewusst zu machen.

Tobias Merckle, Geschäftsführender Vorstand Seehaus e.V., Leonberg

Zum Beten

Danken wir

  • für jeden, der sich für Gefangene oder andere Randgruppen einsetzt und für die gute Arbeit, die hier von den Gefährdetenhilfen, dem Schwarzen Kreuz, Emmaus, Seehaus und anderen gemacht wird.

Bitten wir

  • dass viele Gefangene mit dem Evangelium erreicht werden
  • um mehr Haupt- und Ehrenamtliche, die sich in diesen Gruppen oder individuell für Gefangene oder andere Randgruppen einsetzen. So suchen wir im Seehaus noch hauptamtliche Mitarbeiter, FSJ-ler und Ehrenamtliche.
  • um Bewusstsein in den Gemeinden für den Auftrag Jesu, uns um Gefangene und andere Randgruppen zu kümmern, für sie zu beten, sie in unsere Gemeinden zu integrieren
  • für Gemeinden, die den Auftrag zur Diakonie und Nächstenliebe ernst nehmen und sich darauf ausrichten, auch Randgruppen zu integrieren und entsprechende Angebote zu machen.
  • für die im Aufbau befindliche Gemeinde am Glemseck und für die Pastorensuche für die Gemeinde
  • für Opfer von Straftaten, die oft kaum Hilfe erfahren und für die Opferund Trauma-Beratungsstelle vom Seehaus und von anderen Organisationen, die sich um Opfer kümmern
  • für die Familienangehörigen von Gefangenen, die durch die Inhaftierung extrem leiden. Zusätzlich ist es in vielen Ländern so, dass die Lebensgrundlage für die Familie wegfällt, wenn der Vater im Gefängnis ist. So bleibt den Kindern oft nichts außer betteln, Diebstahl oder Prostitution. Sie landen selber irgendwann im Gefängnis. Um dies zu vermeiden, unterstützt die Hoffnungsträger Stiftung Kinder von Gefangenen in Sambia, Kolumbien und Kambodscha und will viele Hoffnungspaten gewinnen, damit diesen Kindern geholfen werden kann (www.hoffnungstraeger.de).

Liedvorschläge

  • Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude
  • Jesus, Erlöser der Welt