Identität von Mann und Frau

Monatliches Allianzgebet für Juli 2010

„Drei Dinge kann ich nicht erklären und das vierte ist mir erst recht ein Geheimnis: der Flug des Adlers am Himmel, das Gleiten der Schlange über eine Felsplatte, die Fahrt des Schiffes auf weglosem Meer und der unwiderstehliche Drang des Mannes zu einer Frau.“
Sprüche 30,18–19 Gute Nachricht

Ergänzender Text: Epheser 5,29-32

Friedensschluss: Ein Auftrag

Die Gerechtigkeit in der Beziehung der Geschlechter ist elementare Voraussetzung für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Niemand darf aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden – diesem Leitprinzip haben sich die Vereinten Nationen und die Mitgliedstaaten der EU mit dem Prinzip des „Gender Mainstreaming“ verpflichtet. Das Anliegen spricht uns Christen aus dem Herzen, denn die Ebenbürtigkeit von Mann und Frau ist in den Grundlagen unseres Glaubens verankert; diese Sicht der Bibel auf Mann und Frau war einzigartig in der antiken Welt. In dem Abgrund des Misstrauens zwischen ihnen und der Unterdrückung vor allem der Frau erkennen wir die bittere Frucht der Geschichte einer vom Schöpfer abgewandten Menschheit.

Gender: Ein Konstrukt

Wir glauben, dass Versöhnung möglich ist, wenn Männer und Frauen ihre Identität in gegenseitiger Achtung entfalten und aneinander reifend die gemeinsame Zukunft gestalten. Dem Gender Mainstreaming liegt aber ein Verständnis von Geschlecht zugrunde, das die kulturelle Wahrnehmung von Geschlecht (engl.: gender) als vom biologischen Geschlecht (sex) losgelöst betrachtet. Weiblichkeit bzw. Männlichkeit wurzeln demnach nicht in leiblichen Gegebenheiten, Geschlechter sind nur konstruiert und die Identitäten fließend.

Der Mensch: Ein Geschöpf

Nach biblischer Auffassung sind Mann und Frau gemeinsam Ebenbild ihres Schöpfers. Der erste Schöpfungsbericht spricht vom Menschen als von ‚Mann und Frau’. Deren ‚Einswerden’ ist nicht nur Garant der Fortpflanzung, sondern ein Geheimnis von grundlegend geistlicher Bedeutung: sie mehren, auch durch die Weitergabe des Lebens, den Widerschein Gottes in der Schöpfung. Der zweite Bericht beschreibt die Freude des Menschen, als er in seinem Gegenüber die Frau und in sich selbst den Mann ‚erkennt’. Dieses Erkennen, das immer schon die Ebenbürtigkeit von Mann und Frau beinhaltet, ist durch die Verstrickung in Schuld getrübt.

Ehe: Ein Raum der Versöhnung

Als Christen haben wir die Hoffnung und den Auftrag, dass Männer und Frauen durch die Erkenntnis der Liebe Gottes in Christus fähig werden, einander in ihrer ursprünglichen Würde wahrzunehmen. Die Genderideologie bestreitet die Zuordnung des Mannes zur Frau und der Frau zum Mann und ihr gegenseitiges ‚Erkennen’. Für sie ist Gleichstellung erst erreicht, wenn der Unterschied zwischen den beiden unkenntlich gemacht und überwunden ist. Sollte das stimmen, wäre auch die kleinste Einheit der Gesellschaft, die Ehe, durch andere Lebensformen ersetzbar. Was aber soll der Gesellschaft Bestand und Dauer geben, wenn nicht die auf Liebe und Treue gründende Verbindung, in welcher Kinder möglich, willkommen und geborgen sind? Wo kann die Versöhnung der Geschlechter besser und nachhaltiger gelingen als im fruchtbaren Miteinander von Mann und Frau?

Irisz Sipos, Redaktion der Ökumenischen Kommunität Offensive Junger Christen (OJC) in Reichelsheim/Odenwald

Zur Vorbereitung und Gestaltung

Internetseiten zur Information über die Thematik:

Bücher:

  • Dominik Klenk, Hrsg: Gender Mainstreaming, das Ende von Mann und Frau? Gießen 2009
  • Volker Zastrow: Gender. Politische Geschlechtsumwandlung. Manuskript, Waltrop und Leipzig, 2006

Zum gemeinsamen Bedenken:

  • Wie kommt unter uns die Wertschätzung für das jeweils andere Geschlecht zum Ausdruck?
  • Leben wir als Männer und Frauen versöhnt miteinander – in unserer Ehe, in unseren Familien, unserer Gemeinde?

Zum Beten

Buße und Bekenntnis:

  • Christen haben durch ihren Lebenswandel oft die Kluft zwischen Männern und Frauen vertieft und durch die Instrumentalisierung von Bibeltexten dazu beigetragen, dass Frauen Unrecht und Unterdrückung erleiden mussten.
  • Als Männer und Frauen haben wir einander die gebührende Wertschätzung verweigert und dadurch das Bild Gottes in der Welt verdunkelt.
  • Unsere Kultur hat den Stellenwert von Hingabe, Solidarität und Treue in der Ehe und damit den Stellenwert der Ehe selbst gemindert.

Bitte:

  •  Für Männer und Frauen: um Erkenntnis des Geschlechts als einer Gabe; um neue Wertschätzung der Ergänzung durch den anderen
  • Für Väter und Mütter, dass sie ihren Kindern das Gelingen des Miteinanders von Mann und Frau glaubhaft vermitteln
  • Für Christen in gesellschaftlicher und politischer Verantwortung, dass sie erkennen und umsetzen, was der Geschlechtergerechtigkeit dient

Lieder:

  • Herr unser Herrscher wie herrlich bist du! EKG 270 (Psalm 8)
  • Gut, dass wir einander haben – Manfred Siebald