Freiheit für moderne Sklaven
Monatliches Allianzgebet für März 2012
„Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht, führet der Witwen Sache.“ Jesaja 1,17
Zwei pro Minute. In den drei Minuten, die sie brauchen, um diesen Text zu lesen, werden sechs Kinder und Jugendliche zur Prostitution gezwungen Heute. 2012. Jede Minute zwei.
Eines von diesen zur Sklaverei verdammten Kindern ist Jyoti, ein 12-jähriges Mädchen aus Indien. Sie wurde 2004 entführt und mit Stromschlägen, Peitschenhieben und Schlägen so lange gefoltert, bis sie bereit war, ihren ersten „Kunden“ zu empfangen. Es folgten Jahre unsäglicher Demütigungen, pro Tag wurde sie bis zu 20 Mal vergewaltigt. Wie ihr geht es Millionen anderer Kinder und Jugendlicher weltweit.
Das ist furchtbar. Gott findet das furchtbar. Wo ich die Bibel aufschlage, offenbart sich Gott als jemand, der Unrecht verabscheut. Etwa im 1. Buch Mose: Nachdem Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, sagt Gott zu ihm: Das Blut deines Bruders schreit vom Ackerboden zu mir. (1. Mose 4,10) Leid, das Menschen zugefügt wird, klingt Gott als unerträgliches Geschrei in den Ohren. Diesen Lärm können Lobpreismusik, Gottesdienste, Andachten und Stille Zeiten nicht übertönen.
Durch den Propheten Amos lässt Gott ausrichten, dass er so lange keinen Gefallen mehr an Gottesdiensten hat, wie Menschen unterdrückt werden.
Dass heute mehr Menschen versklavt werden als in den drei Jahrhunderten des transatlantischen Sklavenhandels insgesamt, kann uns Christen nicht egal sein. Und natürlich können wir uns nicht damit herausreden, dass wir selbst keine Sklaven halten. In einer globalisierten Welt ist unser Nächster nicht nur der direkte Nachbar, sondern auch das Opfer von Menschenhandel in Indien, Thailand oder Kambodscha. Sie nicht zu vergessen ist nicht nur eine Frage des sozialen Gewissens, sondern Kern unseres Auftrags als Christen. Denn wie sollte jemand wie Jyoti jemals glauben können, dass es einen Gott gibt, der ein Interesse an ihr hat? Der sie liebt und möchte, dass sie in Freiheit lebt? Und an einen Himmel, während sie die Hölle auf Erden durchlebt? Diese Gedanken wird sie niemals denken können, so lange sie in einem Bordell gefangen gehalten wird.
Gott sei Dank konnte Jyoti in einer Rettungsaktion von IJM, der International Justice Mission, befreit werden. Ein verdeckter Ermittler der christlichen Menschenrechtsorganisation entdeckte das illegale Bordell und sorgte dafür, dass Jyoti und viele andere Mädchen und Frauen befreit werden konnten. Jyoti kam in eine Nachsorge-Einrichtung von IJM. Dort halfen ihr Therapeuten und Seelsorger die Jahre der Sklaverei nach und nach aufzuarbeiten. Sie versuchten, ihr Jesu Liebe nahezubringen, indem sie sich um ihren geschundenen Körper und ihre verletzte Seele kümmerten. Mit der Zeit heilten ihre Wunden und sie entdeckte die Liebe Gottes. Heute hilft Jyoti in einer Nachsorgeeinrichtung von IJM anderen Opfern sexueller Gewalt auf ihrem Weg der Heilung.
Gott liebt Gerechtigkeit. Er will, dass wir uns um jene kümmern, die kein Recht bekommen. Jesaja sagt: Lernt Gutes zu tun. IJM verändert Jahr für Jahr das Leben von tausenden Entrechteten – indem sie ihnen zu der Würde verhilft, die ihnen als Gottes Ebenbild zusteht.
Daniel Rentschler ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Heidelberg, unterrichtet Religion und Englisch am Gymnasium und ist ehrenamtlicher Be- rater des Vorstands von IJM Deutschland e.V.
Zur Vorbereitung und Gestaltung
- Informationen über Menschen, denen grundlegende Rechte auf körperliche und seelische Unversehrtheit, Freiheit, Besitz, Arbeit, Lohn usw. vorenthalten werden, finden Sie zum Beispiel unter www.ijmde.org.
- Eine bewegende Geschichte über die Schicksale und die Befreiung von Betroffenen in Kambodscha erzählt das Buch „Freiheit für Linh“ (er- schienen 2009 im Brunnen-Verlag).
- Anregungen für Christen, die sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen wollen bietet das Buch „Mut. Warum Christen sich einmischen sollen“ von IJM-Gründer Gary Haugen (erschienen 2010 im Brunnen-Verlag).
- Wenn Ihnen ihr Schicksal nicht egal ist, erzählen Sie ihre Geschichten weiter. Tragen Sie mit dazu bei, dass das Thema „moderner Sklaverei“ ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt.
- Eine praktische Idee: Verzichten Sie diesen Monat auf ein Genussmittel und spenden Sie das so gesparte Geld einer Organisation, der sie vertrauen - damit mehr Menschen in Freiheit leben können. (Natürlich können Sie auch einen bestimmten Betrag für eine gerechte Sache spenden, ohne Verzicht zu üben).
Zum Beten
Dank und Lob
- für unser Leben in Freiheit
- für Menschen, die ihr Leben für andere einsetzen, damit diese frei werden
Buße
- für die Befreiung von Betroffenen
- für ein Mit-schuldig-Werden, zum Beispiel durch den Konsum von Pro- dukten, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurden
Bitte
- für die Befreiung von Betroffenen
- für eine gerechte Rechtsprechung, damit Täter weltweit zur Rechenschaft
gezogen werden - für die Bewahrung von Menschen, die ihr Leben riskieren, um Unterdrück-
ten ein Leben in Freiheit zu ermöglichen



