Flüchtlinge und Asylsuchende

Monatliches Allianzgebet für Dezember 2013

”Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. … Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matth. 25, 35 + 40)

Jede Minute verlassen acht Menschen ihre Heimat - auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Terror. Insgesamt waren im vergangenen Jahr weltweit 42,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Nach Einschätzungen des UNO-Flüchtlingskommissariats finden vier von fünf Flüchtlingen Zuflucht in einem Entwicklungsland, wo sie unter oft schwierigen Verhältnissen überleben müssen. Die Bereitschaft der Industrieländer, Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren, ist dagegen nach wie vor enttäuschend gering. Die Europäische Union hat im vergangenen Jahrzehnt die Abschottung ihrer Außengrenzen weiter vorangetrieben und zeigt wenig Bereitschaft, ihre Aufnahmekapazitäten zu erweitern. In den vergangenen Jahren sind tausende Flüchtlinge beim Versuch, in die EU zu gelangen, im Mittelmeer ertrunken.

Einmal in einem EU-Land angekommen, stehen die Flüchtlinge vor weiteren Hürden. Sie leiden vor allem an den Folgen der Auseinandersetzung unter den Mitgliedsländern um die Zuständigkeit für ihre Asylverfahren. Durch das Dublin  
II-Abkommen wird die Zuständigkeit für die Unterbringung und Durchführung der Asylverfahren auf das Land der ersten Ankunft, also in aller Regel auf die südlichen Länder (Griechenland, Italien, Malta) abgewälzt. Diese sind jedoch nicht in der Lage, den Flüchtlingen menschenwürdige Lebensbedingungen und zügige Asylverfahren zu gewährleisten. Ihr Leben ist in ständiger Gefahr – erst in ihrem Herkunftsland, dann aber auch in den Ländern, wo sie Asyl beantragen, denn niemand garantiert ihnen, dass sie nicht wieder abgeschoben werden. Ihre Zukunft ist auf dem Hintergrund eines ungesicherten Aufenthaltes nicht planbar und diese Ungewissheit macht sie oft krank und depressiv. Angst vor der möglichen Abschiebung prägt ihren Alltag.

Sind die Belange dieser Menschen nicht auch für uns ein Auftrag? Auch die Bibel erzählt von Flüchtlingen und ihren Schicksalen. Menschen wie Abraham, Jakob, David, Jesus selbst und viele andere waren zeitweise auf der Flucht und mussten ihre Heimat, Geborgenheit, Familie und Freunde verlassen. Die Bibel hat einiges über den Umgang mit Fremden und Flüchtlingen zu sagen (2. Mose 23,1-9; Jesaja 58,1-12; Sacharja 7,1-14; Maleachi 3,1-5). Sie stehen unter dem besonderen Schutz Gottes. Das Wort für ‚Fremder‘ ist in der Bibel gleichbedeutend mit ‚Gast‘. Es wird auch mit ‚Ausländer‘ oder ‚Fremdling‘ wiedergegeben.

Flüchtlinge sind meist Fremde für uns, weil sie aus einem anderen Kulturkreis kommen. Sie aufnehmen ist gelebte Gastfreundschaft. Der Begriff ‚Willkommenskultur‘, der seit kurzem von Politik und Medien gebraucht wird, ist also keine neue Erfindung, sondern ist in der Bibel Auftrag Gottes an sein Volk und wird auch gelebt.

In Sprüche 31,8-9 werden wir aufgefordert: „Du aber tritt für die Leute ein, die sich selbst nicht verteidigen können! Schütze das Recht der Hilflosen. Sprich für sie und regiere gerecht! Hilf den Armen und Unterdrückten!“ Viele Flüchtlinge und Asylbewerber haben traumatische Erlebnisse hinter sich, entweder in ihrem Heimatland oder auf der Flucht. Praktische Hilfe, aber auch das Zuhören, sind für sie oft eine große Hilfe und Ermutigung. Die Hoffnung, die unser Leben prägt und trägt, kann auch diesen Menschen helfen. Darum ist es gut, im gemeinsamen Gebet für und mit diesen Menschen ihre Lage vor Gott zu bringen, denn „des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.“

Hinweise zur Gestaltung

Einer Studie zu Folge sind etwa 50% aller Migranten in Europa Christen und somit unsere Geschwister! Drei Fragen sollen uns leiten, wenn wir über Flüchtlinge und Asylsuchende nachdenken und für sie beten:

1. Lasse ich mein Denken über Flüchtlinge und Asylsuchende von der Bibel bestimmen oder von Medien und Politik?

2. Sehe ich Flüchtlinge und Asylsuchende als Bedrohung oder als Chance?

3. Kenne ich einen Flüchtling und Asylbewerber persönlich in Ihrem beruflichen Umfeld oder in dem Ihrer Angehörigen: Männer und Frauen, die als Unternehmer, Lehrausbilder, Meister, Projektleiter usw. tätig sind?

  • „Lesen Sie eine oder mehrere Stellen aus der Bibel (2. Mose 23, 1-9; Jesaja 58,1-12; Sacharja 7,1-14; Maleachi 3,1-5;), die uns Gottes Herz für die Flüchtlinge nahe bringen und tauschen Sie sich darüber aus.
  • „Prüfen Sie, ob es in ihrem Umfeld ein Asylbewerberheim gibt. Wenn möglich, laden Sie eine Person ein. Lassen Sie ihn oder sie seine/ihre Geschichte erzählen.
  • „Nutzen Sie diese Karte über die Hauptwege der Flüchtlinge zum Gebet: http://refugeehighway.net/resources/map-of-highway (auf Englisch)
  • „Suchen Sie Kontakt zu Leitern und Christen von Migrationskirchen. Sie kennen Menschen, die auf der Flucht waren – außerdem: gemeinsames Gebet verbindet!
  • „Machen Sie einen Besuch in einem Asylbewerberheim. Ein selbstgebackener Kuchen hilft dabei, Grenzen zu überwinden.

Thomas Hieber, Leiter des Forums Interkulturelle Beziehungen bei Gemeinsamfür Berlin, sowie Mitglied des Refugee Highway Partnership Netzwerkes für Europa (RHP)

Zum Beten

Dank und Lob

  • Dass wir in unserem Land in Frieden und Freiheit leben dürfen
  • Für Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und ihnen in der Liebe Jesu begegnen

Buße

  • „Gott, wir bringen vor Dich unsere Scham über unser Wegsehen und Schweigen. Wir schweigen, wo wir uns einsetzen müssten. Das tut uns leid – Herr erbarme dich und vergib uns!
  • Gott, wir bringen vor Dich die politisch Verantwortlichen, die oft nur die Gesetze und eigene Interessen sehen, aber nicht die Menschen in ihrer Not. Schärfe ihren Blick für die Zusammenhänge. Lass sie Regeln finden, die von Menschlichkeit und Hilfe geleitet sind.

Bitte

  • Herr Jesus, du selber bist ein Flüchtling gewesen. Wir bitten dich für alle, die auf der Flucht sind vor Verfolgung und Not. Sei ihnen nahe, bewahre sie und gib ihnen einen Ort der Hoffnung und Zuflucht.
  • Wir bitten dich für uns alle, die wir für Flüchtlinge Verantwortung tragen, die du uns als unsere Nächsten anbefohlen hast: Schenke uns den Mut, ihnen in deiner Liebe mit Wort und Tat zu begegnen.
  • „Wir beten für unsere Regierung, dass sie die Grenzen öffnen für Fremde, die Hilfe und einen sicheren Ort brauchen, um ihr Leben neu aufbauen zu können.

Zum Singen

  • Sonne der Gerechtigkeit EG 262
  • Gott hört dein Gebet (Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht)
  • „Zwischen Himmel und Erde ist ein Riss