Die Kosten der Verantwortung
Monatliches Allianzgebet für Februar 2012
Das kennen wir doch aus der großen Politik. Unregelmäßigkeiten in der Abrechnung im Ministerium. Empörung in der Öffentlichkeit. Da wird der Ruf nach Rücktritt des Ministers schnell laut. Zwar hat er die Finanzen nicht persönlich geplant und kontrolliert, aber er hat die politische Verantwortung für sein Ressort. Und schließlich muss er dem öffentlichen Druck nachgeben und seinen Posten verlassen.
Oder das andere Modell, beliebter denn je in unserer Zeit, wo alle hierar- chischen Strukturen als Relikte aus vergangenen Tagen in Misskredit ge- kommen sind: Keiner ist der Chef. Alle sind gleichermaßen verantwortlich für das Gelingen einer Aufgabe. Sie drängeln sich förmlich nach Posten, die Ansehen und Ehre versprechen. Aber dann, wenn die Planung nicht aufgeht, wenn alles viel teurer wird als vorausgesagt, da will es keiner gewesen sein, der sich verrechnet hat. Da übernimmt keiner die Verantwortung.
Diese unterschiedlichen Leitungsmodelle finden wir nicht nur in Politik und Gesellschaft, sondern auch in kirchlichen Werken, in Gemeinden und Ge- meinschaften. Und dabei sollten die Christen es doch eigentlich besser wissen. Schließlich gibt es klare Anweisungen in der Bibel: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal. 6, 2). Verantwortung übernehmen für Freude und Last. Wie oft habe ich es schon selbst erlebt, dass geteilte Freude doppelte Freude und geteilte Last halbe Last ist. Und das gilt für alle gelungenen Projekte, aber eben auch für allen Misserfolg und für selbst verschuldete Pleiten.
Wie ist das mit den Kosten der Verantwortung? Wer ist bereit, nicht nur den Erfolg und Ruhm einer Sache, sondern auch das Misslingen auf seine Kappe zu nehmen, selbst wenn er oder sie persönlich gar nichts dafür kann? Wer hält den Kopf hin für fremde Schuld? Ich kenne nur einen, der das tut. Immer und immer wieder. Und er tut es nicht, weil es in seiner Position von ihm erwartet wird oder der Druck der Öffentlichkeit ihn zwingt. Er tut es freiwillig, aus Liebe. Unser Herr, unser Erlöser: Jesus Christus. Er hat auf Golgatha die Kosten der Verantwortung für seine Geschöpfe, seine geliebten Menschen, übernommen. Für alle Sünde, die sie auf sich und auf ihn gela- den haben (Jes. 53, 4-6).
Ich bin so dankbar, dass das auch für mich gilt.
Marieluise Bierbaum ist pensionierte Lehrerin in Bremen.
Hinweise zur Gestaltung
- Personen, die die Leitung in verschiedenen Kreisen oder Arbeitsgruppen der Gemeinde haben (z.B. Kirchenvorstand, Konvent, Kindergottesdienst, Jugendkreis, Seniorenarbeit, Chor usw.), einladen und sie bitten, von ihren Erfahrungen zu berichten.
- Lasten teilen: einen stabilen Eimer mit schweren Steinen gefüllt von Freiwilligen tragen lassen, erst allein, dann zu zweit, dann die Steine auf mehrere Eimer verteilen. Anschließendes Gespräch.
Zum Singen
Dand und Lob
- dafür, dass Gott sein Reich baut
- dafür, dass er uns als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einsetzt
- für Gottes Hilfe bei allen Aufgaben
- dafür, dass Gott keine Aufgaben stellt ohne die nötigen Gaben dazu
Buße
- für zu wenig Vertrauen in Gottes Hilfe
- für zu viel eigenmächtige Leitung
- für zu wenig Bereitschaft, Aufgaben zu übernehmen
Bitte
für alle Männer und Frauen, die Verantwortung tragen
- in Politik und Gesellschaft als Politiker und Manager
- in Kirche und Gemeinde als haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter
- in der Erziehung als Eltern und Lehrer
- im Gesundheitswesen als Ärzte und Pflegepersonal
Zum Singen
- Jesus, ich will geh’n, sende mich
- Wach auf, du Geist der ersten Zeugen



