Danken, Feiern, Beten – 20 Jahre Deutsche Einheit
Monatliches Allianzgebet für Oktober 2010
„Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN, die er aus der Not erlöst hat, die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden.“ Psalm 107, 1-3
Am 3. Oktober 2010 feiern wir den 20. Jahrestag der Wiedervereinigung. An diesem Tag gilt unser Dank ganz besonders Gott, der unserem Land in den Jahren 1989 und 1990 auf so wunderbare Weise die Einheit in Freiheit und Frieden mit allen Nachbarn geschenkt hat. In der Bibel wird Gottes Volk oft zur Erinnerung an die großen geschichtlichen Taten Gottes aufgerufen: „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ (Psalm 103 und andere)
Axel Nehlsen, Berliner Pfarrer, Leiter des Arbeitskreises Gebet, heute bei „Gemeinsam für Berlin“, schreibt: „Viele erinnern sich noch. Aber den Jüngeren müssen wir es immer wieder erzählen, was damals geschah! Wir wohnten elf Jahre in Sichtweite der Mauer – auf der Westseite. Fast keiner auch von uns betenden Christen hielt für möglich, was geschah. Und dann stand ich am 10. November 1989 auf der Mauerkrone am Brandenburger Tor, zusammen mit Tausenden feiernden Menschen. Gott hatte Geschichte geschrieben, vor unseren Augen! Wunder- barerweise blieb jede Gewalt aus. Die Mauer zerfiel in den folgenden Monaten und wurde als Souvenir verteilt. Zehn Monate später war Deutschland in Freiheit vereint. Das ist nun 20 Jahre her und wir sollten es gebührend feiern, zuhause, in den Gemeinden, in unserem Ort. Wir haben Grund genug zum Danken, Feiern und Beten, in Ost und West! Gott sei Dank!“

Reinhard Holmer, Mecklenburgischer Pfarrer, heute Direktor des Allianzhauses in Bad Blankenburg, erinnert sich: „Meine Gedanken gehen in diesem Monat zurück in das Jahr 1982. Ich war Vikar in der Nähe von Boizenburg. Wir hatten einen Gottesdienst in einer kleinen Kapelle an der innerdeutschen Grenze, direkt auf dem Elbdeich. Einen Meter neben der Kapelle stand der Zaun, der unser Land trennte. Wir konnten hinüberschauen zum anderen Elbufer. Diese Welt war so unendlich weit weg. Ich habe mir ausgerechnet, wann es soweit wäre, dass ich mir diesen Teil Deutschlands ansehen könnte: Nach der damals herrschenden Partei hätte ich bis zum 65. Geburtstag warten müssen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, welche Wut damals in mir steckte. Und dann gingen wir in die Kapelle. Rechts sah man durch die Fenster die elektrischen Signaldrähte, die über den Fenstern bis an die Kapellenwand gingen. Der Eindruck war erdrückend – wir sind hier eingesperrt. In dieser Kirche die Freiheit des Evangeliums zu verkündigen war eine besondere Herausfor- derung, aber auch eine ganz besondere Erfahrung. Jesus schenkt innere Freiheit, auch hinter Stacheldraht. Wie oft fahre ich heute über diese ehe- malige Grenze – und jedes Mal, wenn ich die Schilder sehe, danke ich Gott für die geschenkte Freiheit. Heute sind es ganz andere Dinge, die uns die Freiheit rauben wollen. Nur in der Bindung an Jesus gibt es auch heute echte Freiheit.“
Zur Vorbereitung und Gestaltung
Eine Fülle von Material, Texten und praktischen Vorschlägen finden Sie hier: www.3-Oktober-GottseiDank.de. Dort finden Sie auch die Orte, wo gefeiert wird bzw. können Ihre eigene Veranstaltung am 3. Oktober eintragen. Wir von der Deutschen Evangelischen Allianz unseres vereinten Landes möchten Sie ermutigen, auf Ebene der Ortsallianz oder zusammen mit kommunalen Stellen den 3. Oktober zu nutzen, um das Danken, Feiern und Beten auch öffentlich werden zu lassen.
Eine einfache Möglichkeit schlägt das „Jahr der Stille 2010“ vor: „Wir rufen die Bürger unseres Landes auf, am 20. Jahrestag der Deutschen Einheit für zwei Minuten in der Öffentlichkeit um 12 Uhr Stille zu halten und unserem Gott zu danken. Entwickeln Sie selbst, mit Ihrer Familie, Gruppe, Ihrem Verein oder Ihrer Kirchengemeinde eine kreative Idee der Umsetzung. Laden Sie vor Ort andere dazu ein. Ganz gleich, ob Sie vor Ihrem Haus, nach dem Erntedankgottesdienst vor der Kirche, auf dem zentralen Platz Ihres Ortes oder sonst mitmachen.“
Anregungen zum Beten
Lob und Dank
Unser Dank hat eine Adresse: Nicht anonyme Entwicklungen haben die Wende bewirkt, auch nicht das Volk allein oder Gorbatschow oder die wirtschaftliche Schwäche der DDR als einzige Ursachen – sondern Gottes gute Absichten für unser Volk und ganz Europa. Wer dankbar auf Gottes Gnade in den Wendejahren zurückschaut, möchte seine Freude auch durch Feiern ausdrücken. Wäre es nicht eine schöne Berufung für eine „Koalition“ christlicher Kirchen und Gruppen am Ort, eine Vision für diesen Tag zu entwickeln und dies nicht anderen zu überlassen, erst recht nicht den Extremisten? Hier ist noch viel Raum für Ideen und Gestaltung. – Also feiern wir es dankbar. Gott sei alle Ehre und Dank!
Buße und Beugung
Als Deutsche haben wir durch die schwere Schuld an den Juden und den Völkern Europas ein gebrochenes Verhältnis zu unserer nationalen Identi- tät. Es ist in den letzten Jahrzehnten viel an guter Aufarbeitung, Buße und Erneuerung geschehen, politisch und geistlich. Nicht zuletzt die Überwindung der deutschen Teilung ist ein Signal Gottes für einen Neuanfang nach der Schuld der Nazizeit. Die Fußball-Weltmeisterschaften 2006 und 2010 haben auf überraschende Weise zur Wiedererlangung eines entspannten na- tionalen Bewusstseins beigetragen. Dennoch nimmt die Gottvergessenheit und Glaubenslosigkeit zu. Bringen wir das alles vor Gott!
Fürbitte
Der 3. Oktober ist eine „Steilvorlage“, sich positiv-kritisch in das Ergehen von Land und Volk, Politik und Gesellschaft einzumischen. Die vorrangige „Kompetenz“ der Christen ist das Gebet. Es ist eine Schnittstelle zwischen Himmel und Erde. Wenn wir beten, dann holen wir sozusagen die Kräfte, den Segen, die Korrekturen und die Weisheit Gottes herunter auf die Erde in unser Land. Durch seine Gemeinde und die einzelnen Christen als die „Agenten seines Reiches“ will Gott seine guten Absichten erden, verbreiten und die Gesellschaft wie Sauerteig mit seinen Werten durchdringen. Also beten wir für unser Land!
Zum Singen
- „Nun danket alle Gott“ und andere Danklieder aus dem Evangelischen Gesangbuch
- Danklieder aus den bei Ihnen gebräuchlichen Liederbüchern



