Befähigende Leitung
Monatliches Allianzgebet für Februar 2011
Bibeltext: Psalm 23
Ergänzender Text: Johannes 10,1–11

Führung und Führung ist zweierlei: Als Verantwortlicher andere führen - und Gottes Führung erfahren. Führungskräfte (wir sagen auch Leiter) heißen in biblischer Sprache Hirten: Keine romantischen Hinterwäldler, sondern mutige Menschen, die für eine Schafherde Verantwortung trugen, welche Nahrungsgrundlage für ein ganzes Dorf war. Daher ist das Bild des Hirten in der Bibel durchweg positiv besetzt. Hätte Jesus sich sonst in Johannes 10 als guten Hirten dargestellt? Der bekannteste Hirtentext, Psalm 23, gibt uns Orientierung.
Wer sich führen lässt, kann andere führen
Der Herr ist mein Hirte… Er führt mich auf rechter Straße… (V. 1a und 3)
Wie kommt es eigentlich, dass wir diesen Psalm meist nur als persönlichen Trost verstanden haben? Es ist nicht nur seelsorgerliche Weisheit, sondern allgemeine Lebenserfahrung: Nur (gut) Geführte können (gut) führen! Wo das – in den letzten Jahren besonders in der Finanzwirtschaft – nicht beachtet wurde, waren die Ergebnisse katastrophal. Das positive Gegenteil gilt auch: Wer sich führen lässt, hat Autorität und gewinnt das Vertrauen anderer. Solche Leitungspersönlichkeiten brauchen wir in Gemeinde und Gesellschaft.
Gut führen heißt anderen zur Entfaltung helfen
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser… Er erquickt meine Seele. (V. 2+3)
Ein guter Hirte sorgt für die ihm Anvertrauten. Er ist für ihr Wohlergehen verantwortlich. Haben wir als Verantwortliche wie der Vater und Jesus dabei auch die Entwicklung des Mitarbeiters im Blick? Er/sie soll sich entfalten. Führung im biblischen Sinne kann nicht allein auf gute Ergebnisse aus sein, sondern hat den Menschen im Blick, der sich in seinem Potential entfalten soll. Dazu sind zwei Fähigkeiten erforderlich, die der gute Hirte Jesus uns vorgelebt hat:
1. Andere mutig führen, anleiten, begleiten – trauen wir uns das eigentlich noch, zu leiten, Orientierung zu geben, ohne dabei autoritär und bevormundend zu sein?
2. Die uns Anvertrauten befähigen, ihnen in der Entwicklung ihres Potentials helfen und sie dann auch loslassen – trauen wir uns das oder sehen wir sie nur unter dem Nützlichkeitsgesichtspunkt für den eigenen Bereich und halten sie lieber fest? Gute Leitung soll andere befähigen!
Geführte werden auch in Krisen getragen
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. (V. 4)
Das können wir anderen allerdings nicht bieten. Aber wir können durch unseren Lebensstil auf den Herrn neugierig machen, der auch in Krisen trägt. Das eigene Verhalten unter Druck und Belastung, privat oder beruflich, kann zum Zeugnis für andere werden. Allerdings sind wir hier auch besonders angreifbar. Dann brauchen wir umso mehr die Prägung und Führung durch den guten Hirten!
Sich führen lassen macht mutig und unerschrocken
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. (V. 5)
Ein verrücktes Bild: fürstlich tafeln vor feindlichen Linien, eine Gratis-Kosmetik-Behandlung dazu und edle Tropfen im Überfluss! Das ist für den möglich, der auf Gott vertraut. Widerstand und Mut in schwieriger Zeit sind möglich. Hier steht das Wort, mit dem wir so oft entschuldigen, was alles nicht geht: „angesichts von dem und dem kann ich nicht, schaffe ich es nicht …“. Die biblische Wahrheit und göttliche Möglichkeit: Angesichts von was auch immer – geht es im Glauben dennoch!
Geleitete Leiter bewirken Gutes
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen … (V. 6a)
Heißt das nur „Ich bin der Begünstigte von Gutem und Barmherzigkeit“? Nein: Wo ich als Jesusanhänger hingehe, da folgt mir Gutes auf dem Fuße; Liebe und Erbarmen zeichnen meine Spur. Ich trage sie hinein in Gesellschaft, Beruf, Familie, Gemeinde. Durch meine ausdrücklichen Worte – und durch meinen Lebensstil; durch das, was ich tue und ausstrahle, fröhlich und authentisch. Im Grunde spricht David hier von Gesellschaftsrelevanz.
Gute Führung wirkt nachhaltig
… mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar
(V. 6b)
Alles muss heute nachhaltig sein, das gilt auch für gute Leitung. Entscheidend ist, was bleibt. Und da sind wir als Leute, die mit dem lebendigen, ewigen Gott verbunden sind, gut dran. Wer glaubt, der bleibt. Bei allem notwendigen Gesellschaftsengagement – am Ende wird nur die Beziehung zu Jesus bleiben und was aus ihr geboren wurde. Es gibt im ganzen Kosmos keine größere Nachhaltigkeit!
Ein Psalm nicht nur, aber auch für Führungskräfte mit hoher Gesellschaftsrelevanz – und mit Ewigkeitsdimension! Maßstab für alles, was im christlichen Bereich Leitung heißt!
Axel Nehlsen, Geschäftsführer von Gemeinsam für Berlin e.V., Leiter des Arbeitskreises Gebet der Deutschen Evangelischen Allianz
Zur Vorbereitung und Gestaltung
Das Thema ist sensibel, da viele Christen negative Erfahrungen mit Leitung in Kirche und Gemeinde gemacht haben. Suchen Sie sich erfahrene Männer und Frauen, Pastoren, Leiter, Gemeindeglieder, die bekannt sind für ihren Stil dienender und befähigender Leitung.
Geben Sie – behutsam und gut moderiert – Raum für Erfahrungen mit Leitern und Leitung – und bringen Sie sie vor Gott, ohne über Menschen schlecht zu reden oder gar Urteile zu fällen. Vielleicht sind Austausch und Gebet in kleinen Gruppen hier besonders angemessen.
Überlegen Sie eine Form, in der Verletzungen durch Leiter (still!) ans Kreuz gebracht werden können; auch ein Angebot persönlicher Aussprache und Segnung kann gut sein.
Zum Beten
Dank und Lob
- dass der Herr selbst zuallererst unser Hirte ist
- für Jesus als Vorbild guter Leitung
- für Gottes Erbarmen trotz menschlicher Fehler
Buße
- für alle Fehlformen geistlicher Leitung, die Abhängigkeit, Verletzungen, Unmündigkeit oder gar Abwendung vom Glauben verursachten
Bitte
- um freisetzende und befähigende Leitung auf allen Ebenen von Kirchen und Gemeinden
- um gute Vorbilder unter Pastoren, Ältesten, Leiter/innen
- um Förderung der jungen Generation, dass sie selber führen lernt
Zum Singen
- Alle Lieder, die Jesus als guten Hirten besingen



