Predigtentwurf 2013

Dr. Ekkehard Graf

„Schatz in irdenen Gefäßen“

„Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde. Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserm sterblichen Fleisch.“ (2. Korinther 4, 7-11)

Die weltweite Christenheit weiß sich untereinander verbunden durch ihr gemeinsames Bekenntnis zu ihrem Herrn Jesus Christus. Viele werden um ihres Glaubens willen benachteiligt, bedrängt oder gar verfolgt. Diese Erfahrung gehört zur christlichen Existenz von allem Anfang an dazu. Davon berichtet das Neue Testament mehrfach, so auch Paulus in seinem Brief an die Christen in Korinth.

1. Leiden als Zeichen der Nachfolge

Für Paulus gehören Leiden und Bedrängnis quasi automatisch zum Leben in der Nachfolge Christi. Leiden und Verfolgung lassen die Christen vordergründig als schwach erscheinen. Aber gerade diese scheinbare Schwäche der leidenden Gemeinde wurde für Paulus zu einem Bild von dem Schatz in irdenen Gefäßen. Eigentlich ist die Aufbewahrung eines hohen Wertes in zerbrechlichen Beh.ltnissen nicht sinnvoll. Doch die tägliche Erfahrung in den neutestamentlichen Gemeinden bestätigte, wie äußerlich zerbrechlich sich die Nachfolge Christi gestaltet. Doch der Wert des Glaubens ist so hoch, dass er auch durch seinen zerbrechlichen Aufbewahrungsort nicht geschmälert wird. So wie der allmächtige Gott als kleines Kind in der Krippe sich offenbarte, so zeigt sich auch der Auferstandene gerade in seiner verfolgten Gemeinde. „Wir sind von allen Seiten bedrängt“, schreibt Paulus. Diesen Druck von allen Seiten erleben auch die Christen in Syrien und Ägypten. Viele begrüßen es zwar, dass es eine Revolution gegen die alten Machthaber gab bzw. noch gibt. Denn sie konnten unter Mubarak und Assad nur in engen Grenzen ihren Glauben leben. Die Christen erhoffen sich von den demokratischen Aufbrüchen eine echte Religionsfreiheit. Doch die Hauptwortführer der Aufständischen sind radikalisierte Muslime, die androhen, nach der Machtübernahme keine anderen Religionen im Land mehr zu dulden.

2. Leiden als Zeichen der Verkündigung

Doch diese Leiden um Christi willen sind nicht vergeblich, sondern immer zugleich auch Teil der Verkündigung. Vom äußeren Anschein her ist die Gemeinde Jesu in der Bedrängnis schwach. Aber in ihrem Leiden identifiziert sich der erhöhte Christus selbst mit der Gemeinde, wie er es gegenüber dem die Gemeinde verfolgenden Saulus zum Ausdruck brachte: „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apostelgeschichte 9,5). Weil der Auferstandene die Leiden der Gemeinde zu seinen eigenen Leiden macht, darum wissen sich die bedrängten Christen von ihrem Herrn bewahrt und gestärkt: „Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen.“ Das lässt die Botschaft der bedrängten Kirche umso glaubwürdiger werden. Wo Christen im Leiden ohne Angst und unverzagt ihren Herrn bekennen, entfaltet sich dessen Kraft in höchstem Maße – gerade auch für die Verfolger sichtbar.

3. Leiden als Zeichen der Hoffnung

Die Ausrichtung des ganzen Lebens an Jesus Christus eröffnet im Leiden nicht nur die Perspektive des Todes, sondern lässt den Glaubenden auch an Jesu Auferstehung teilhaben. So wird die Gewissheit der Auferstehung mit Christus zum Zeichen der Hoffnung für die leidende Gemeinde. Diese Hoffnung verursacht sogar eine große Freude inmitten des Leidens. Denn der endgültige Sieg Jesu und das damit verbundene Heilshandeln Gottes an allen Gläubigen eröffnet den Horizont weit über die gegenwärtige Bedrängnis der Christen hinaus. So gilt für alle Christen, dass mit Christus zu leiden auch beinhaltet, mit ihm ewig zu leben.

Gebet für

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