Predigtentwurf 2012

Thomas Schirrmacher

„Die Verfolger segnen“

Das Neue Testament fordert in alttestamentlicher Tradition (z. B. Hiob 31,29; 42,8-9) immer wieder dazu auf, für die Verfolger der Gläubigen zu beten, sie zu segnen und um Gnade für sie zu bitten.

„Jesus selbst gab seinen Jüngern auf: „Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44; lies V.45-48); „Liebet eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen, segnet, die euch fluchen, betet für die, die euch beleidigen“ (Lk 6,27-28). Paulus formulierte dasselbe Gebot ähnlich: „Segnet, die euch verfolgen“ (Röm 12,14; vgl. V.19-20) und berichtet, wie er es selbst befolgte: „geschmäht segnen wir, verfolgt dulden wir, gelästert reden wir Gutes.“ (1Kor 4,12)

Zu den eindrucksvollsten Zeugnissen eines Martyriums gehört die Bitte der Sterbenden an Gott, den Peinigern gegenüber Gnade walten zu lassen. Jesus selbst betete: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34) und der erste christliche Märtyrer Stephanus rief im Sterben: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu“ (Apg 7,60). Die Bitte beider wurde unter anderem dadurch erhört, dass Verfolger unmittelbar oder kurz darauf zum Glauben an Christus fanden (der Hauptmann in Lk 23,47; Paulusin Apg 9,1-18). Paulus sagt selbst immer wieder, dass er früher „Verfolger“ (1Kor 15,9; Gal 1,13+23; Phil 3,6; 1Tim 1,13; vgl. Apg 9,4-5; 22,4+7-8; 26,11+14+15), ja ein „Lästerer, Verfolger und Gewalttäter“ (1Tim 1,13) war. Es liegen viele Zeugnisse aus der Frühen Kirche und der gesamten Kirchengeschichte vor, dass Märtyrer im Sterben verkündigt und für ihre Verfolger gebetet haben. Dies gilt auch für die Gegenwart. Nach einem Bericht des indonesischen Evangelisten Petrus Oktavianus ging 1913 ein Missionar in das Toradjagebiet in Südcelebes. 5 Männer des Stammes wollten ihn töten, aber erlaubten ihm, vorher noch ein Gebet zu sprechen. Er betete laut

für die Errettung seiner Mörder. Drei der Mörder wurden später nach Java ver- bannt, bekehrten sich im Gef.ngnis zu Christus und kehrten später nach Toradja zurück. Die von ihnen begonnene Kirche war 1971 die viertgrößte Kirche Indonesiens mit über 200.000 Christen.
Berühmt ist auch das Beispiel der fünf Missionare, die von den Auca-Indianern
erschossen wurden und von denen Elisabeth Elliot berichtet. Einige der Mörder wurden später zu Säulen der entstehenden Kirche unter den Aucas. In den 1970er Jahren schrieb der anglikanische Erzbischof von Uganda auf dem Höhepunkt der Christenverfolgung unter dem schrecklichen Diktator Idi Amin sein berühmtes Buch „Ich liebe Idi Amin“.
Wenn Christen für bedrängte und verfolgte Christen beten, beten sie deswegen
immer auch für die Verfolger selbst. Und sie erbitten Kraft für die Verfolgten, ihren Bedrängern und Verfolgern mit Liebe und Segen zu begegnen, nicht mit Ärger, Rachewünschen oder Kreuzzugsgedanken, die früher viel zu oft in der Kirchen-geschichte vorherrschten.
Uns Christen in den freien Ländern mag es nicht anstehen, bedrängten und
verfolgten Christen Ratschläge zu erteilen, die wir selbst nie unter Beweis stellen müssen. Aber wir können uns mit ihnen im Gebet vereinen, dass Gott ihnen die Kraft zu Feindesliebe schenkt und dass er immer wieder die Herzen der Verfolger erweicht und sie vom Saulus zum Paulus werden lässt.

Predigtvorschlag: Betet für eure Verfolger (Matthäus 5,43-48)

(Mt 5,43) Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben‘ und deinen Feind hassen. (44) Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, (45) damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. ... (weiter bis V. 48).
1Kor 4,12 ... Man schmäht uns, so segnen wir; man verfolgt uns, so dulden wir’s, (13) man verlästert uns, so reden wir freundlich. Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit, jedermanns Kehricht, bis heute. (R.m 12,14) Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. (17) Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. (18) Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. (19) Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes ... (21) Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Predigtgliederung (Vorschlag):

  • „Wie reagieren wir auf Beleidigung, Bedrängung, Verfolgung unseres Glaubens (1. Beispiel aus dem Alltag, 2. Beispiel aus der Geschichte, z. B. Kreuzzüge)
  • Das ganz andere Beispiel Jesu
  • Paulus, vom Verfolger zum Verfolgten, der segnet
  • Das Beispiel der Kirchenväter und der Missionsgeschichte
  • Das Vorbild der verfolgten Kirchen weltweit heute für uns
  • Nur der Heilige Geist kann bedrängten und verfolgten Christen die Kraftgeben, ihre Feinde zu lieben und zu segnen
  • Deswegen ist es wichtig, dass wir für die bedrängte Kirche ebenso beten wie für ihre Verfolger