Predigtentwurf 2011

In Sanftmut & Ehrerbietung (1. Petr 3,14 –17)

Thomas Schirrmacher

„Seid allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, das aber mit Sanftmut und Ehrerbietung ...“ 1. Petrus 3,15–16

Da am 28.6.2011 der gemeinsam von Vatikan, Weltkirchenrat und Weltweiter Evangelischer Allianz erarbeitete ökumenische Ethikkodex für Mission veröffentlicht wurde, ist es angemessen, den Text zu wählen, der das oben zitierte Motto dieser Initiative enthält.

In 1. Petrus 3 findet sich eine Komplementarität einerseits der Notwendigkeit des Zeugnisses, wenn nicht gar der „Apologetik“ (im griechischen Text steht „apologia“, ursprünglich eine Verteidigungsrede vor Gericht), und andererseits der „Sanftmut und Ehrerbietung“, des Respekts vor der Würde des anderen Menschen. Die Würde des Menschen lässt uns nicht unsere Hoffnung verbergen, sondern sie klar aussprechen, erklären und auch verteidigen. Doch klare Antworten auf Fragen, hinter denen üble Absichten stecken, können uns nie gestatten, die Würde unserer Gesprächspartner mit Füßen zu treten. Beide Seiten ergänzen einander, so wie auch beide unerlässliche Grundbausteine unseres Glaubens darstellen.

Christen sehen andere Menschen immer als Ebenbilder Gottes an, auch wenn diese gänzlich andere Ansichten, ja selbst wenn sie böse Absichten haben. Im Christentum leiten sich Menschenrechte nicht aus der Tatsache her, dass Menschen Christen sind, sondern daraus, dass sie Männer und Frauen sind, die Gott als Menschen geschaffen hat, und zwar alle als ebenbürtig.

Wir wollen nicht verbergen, welche Verbrechen gegen Religion, aber auch im Namen der Religion, verübt werden, viele davon gegen Christen. Doch Gott möchte nicht, dass wir Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern versuchen, im Geist Christi auf Druck, Gewalt, ja gar den Märtyrertod zu reagieren.„Wahrheit und Liebe“ (Epheser 4,15) gehören eben zusammen, gerade auch im Dialog, im missionarischen Zeugnis und selbst angesichts der Verfolgung.

Predigtvorschlag

Die Verse 8 – 18 bilden den größeren Textzusammenhang zum Thema Verfolgung.

Vers 9+11
Christen vergelten nicht Böses mit Bösem, sondern segnen. Sie wollen auch in schwersten Situationen das Gute tun und dem Frieden nachjagen.
Gebet Dass die leidende Kirche die Kraft hat, das zu tun.

Vers 14+17
Christen sollen selbstkritisch sicherstellen, dass sie leiden, wenn oder gar weil sie Gutes tun, nicht weil sie Böses tun. Denn nur auf Ersterem liegt Gottes Segen.
Gebet Dass die weltweite Christenheit sich selbstkritisch von bösen Wegen abwendet, aber mutig auch dann das Gute tut, wenn sie dafür leiden muss.

Vers 14
Wer um der Gerechtigkeit willen leidet, braucht das Drohen seiner Peiniger nicht zu fürchten.
Gebet Dass die Furchtlosigkeit der leidenden Kirche trotz ihrer Schwachheit ein starkes Zeugnis ist und bleibt.

Vers 15
Das erste, was Petrus den Verfolgten sagt, ist, dass die Beziehung zu Jesus das Wichtigste ist!
Gebet Dass die leidende Kirche nicht zuallererst auf irdische Mittel vertraut, sondern in ihrem Herzen das tiefe Vertrauen auf Jesus Christus festigt.

Vers 15
In der Verfolgung und bei harten, ja böswilligen Fragen haben Christen nichts zu verbergen, sondern stehen offen zu ihrer Hoffnung.
Gebet Dass wir alle den Mut haben, auch angesichts von Widerstand zu dem zu stehen, was unsere Hoffnung ausmacht und nicht leisetreterisch werden.

Vers 16
Das darf aber nie im Ärger, in Hass oder Überheblichkeit geschehen und nie dem Gegenüber die Menschenwürde absprechen.
Gebet Dass die leidende Kirche die Liebe Gottes so in sich trägt, dass sie ihren Peinigern in Sanftmut und respektvoll gegenübertreten kann, auch wenn sie menschlich gesehen allen Grund zum Hass und zur Verachtung hätte.

Vers 18
Vorbild im Leiden ist und bleibt Jesus Christus, der Märtyrer schlechthin.
Gebet Dass sich die leidende Kirche am Vorbild Jesu orientiert, nicht an dem, wie wir Menschen normalerweise gerne reagieren würden.