Tumult in Ephesus (Apg. 19,23-40)

Thomas Schirrmacher

Wer heute die Ruinen in Ephesus besucht, kann den Tumult in Ephesus gut nachvollziehen. Denn alles ist noch da: Der Markt und die Zufahrtsstraße, wo die Goldund Silberschmiede ihre Götterbilder verkauften, wohl ähnlich wie heute noch die Souvenirstände Andenken anbieten. Das Große Amphitheater, in dem die Menge schrie: ‚Groß ist die Diana der Epheser‘, eben jene Artemis/Diana, die noch heute mit vielen Funden präsent ist. Und schließlich die ‚Celsus-Bibliothek‘ und der Palast des Statthalters, von dem aus die Soldaten in zwei Minuten hätten anrücken können, um Ordnung zu schaffen.

Ich glaube, dass aus dem Bericht der Apostelgeschichte einige Lehren zu ziehen sind, die heute brandaktuell sind. Und so wird Christenverfolgung einmal nicht durch einen Lehrtext oder tröstliche Verse angesprochen, sondern – wie so oft in der Bibel – durch das Erzählen von Geschich

Predigtvorschlag

V. 24-28: Einige wenige hetzen die vielen auf.
V.32: Die meisten, die sich an Verfolgung beteiligen, wissen gar nicht, wieso eigentlich!
Lehre: Unmittelbarer Verfolgung geht immer Desinformation voraus, die von einigen wenigen gesteuert wird.
Unser Gebet: Dass Gott die Herzen der Verursacher verändert.

V. 25+27: Die Verfolgung wurde durch den Rückgang des Verkaufs von silbernen Tempelchen und Götterstatuen ausgelöst.
Lehre: Selten gibt es eine ‚reine‘ Christenverfolgung, sie ist fast immer mit sozialen, materiellen und politischen Problemen verquickt. Die Apostelgeschichte analysiert das, wie viel mehr sollten wir das heute tun. Aber darüber darf nicht vergessen werden, dass die Verfolgung dennoch real ist. (Weitere biblische Beispiele: 1Kön 16-19 Königin Isebel; Apg 16,26-24 Befreiung einer Wahrsagerin.)
Gebet: Dass die wahren Hintergründe von Verfolgung ans Licht kommen.

V.30-31: Christen hindern Paulus, sich unnötig in Gefahr zu begeben.
Lehre: Christen haben eine Verantwortung, wie sie mit Verfolgung umgehen und wie sie Eskalation verhindern können. Dabei tun wir gut, wenn wir uns wie Paulus beraten, heute auch über die Grenzen von Völkern, Staaten und Kirchen hinweg.
Gebet: Dass bedrängte und verfolgte Christen Weisheit haben, das zu tun.

V.30: Alexander darf sich nicht öffentlich verteidigen. Lehre: Christen sind immer bereit, sich öffentlich zu verantworten, wollen aber auch dem Zerrbild, das andere über sie verbreiten, mit eigenen Worten entgegentreten.
Gebet: Dass uns unsere Möglichkeiten erhalten bleiben, dass in den Medien nicht nur andere über uns berichten, sondern wir selbst unsere Sicht der Dinge darlegen können. Und dass verfolgte Christen Möglichkeiten bekommen, bösen Gerüchten öffentlich entgegenzutreten und dass die bösen Gerüchte gegen sie als falsch entlarvt werden.

V.35-40: Ein mutiger Politiker beendet den Tumult mit Hinweis auf die Gesetzeslage und den Rechtsstaat. Christen lassen sich verfolgen und wenden keine Gewalt an, dürfen aber erwarten, dass der Staat sie verteidigt.
Lehre: Auch der nichtchristliche Staat soll und kann Christenverfolgung verhindern, wenn er seine gottgegebene Aufgabe, als Rechtsstaat Frieden zu sichern, ernst nimmt.
Gebet: Dass Gott mutige Politiker gegen Christenverfolgung einschreiten lässt, der Staat seiner Aufgabe gerecht wird, für Frieden und Menschenrechte zu sorgen, und wir engagiert Regierungen auffordern, wo nötig mehr einzuschreiten.