Predigtentwurf 2009

Thomas Schirrmacher

Die Offenbarung des Johannes enthält eine gewaltige Botschaft, die
Christen in immer neuen historischen Situationen Mut gibt und über die wir uns unabhängig von unserer jeweiligen Auslegung der Offenbarung einig sein sollten: Die Gemeinde breitet sich nicht durch Macht, Geld oder Gewalt aus, sondern durch die Autorität des Jesus Christus, durch das Wort Gottes, den Heiligen Geist und durch das Gebet.

Selbst wenn Gott zulässt, dass sich die religiösen Mächte und die staatliche Macht gegen die Gemeinde Jesu zusammenrotten und es deswegen so aussieht, als ob die Gemeinde auf dieser Erde am Ende wäre, bereiten die falsche Religion und der pervertierte Staat damit nur ihren eigenen Untergang vor, wenn sie die Gemeinde Jesu bekämpfen.

Jesus hat verheißen: „Ich werde meine Gemeinde bauen und die Pforten der Hölle werden sie nicht besiegen“ (Mt 16,12). Gottes Reich wächst friedlich und unaufhaltbar gegen alle Widerstände der religiösen, geistigen, wirtschaftlichen und politischen Mächte dieser Welt. Hat sich dieses Prinzip nicht auch in der Kirchengeschichte immer wieder bewiesen. Denn wo ist das Römische Reich geblieben, wo die bedrohlichen Religionen der Antike, wo der Nationalsozialismus und wo die kommunistische Weltrevolution?

„Gottes Wort ist nicht gebunden“ (2. Timotheus 2,8–s9). Christen kann man fesseln und unter Kontrolle halten, das Wort Gottes und die Gemeinde Jesu nicht. „Das Martyrium als Zeichen und Zeugnis des Glaubens wird immer dann notwendig und wichtig, wenn dem Volk Gottes der Mund verschlossen und seine Gemeinde in Fesseln gelegt wird. Wenn sie das Zeugnis des Wortes nicht mehr ausrichten und das Werk des Glaubens und der Liebe nicht mehr tun kann, bleibt ihr nur noch das Zeugnis des Leidens und die Tat des Sterbens.“ (Friedrich Raber, Der Glaubensweg des Volkes Gottes, 1943, S. 262)

Predigtvorschlag

(1) So sei nun stark, mein Sohn, durch die Gnade in Christus Jesus. (2) Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren. (3) Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu. (8) Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten ... nach meinem Evangelium, (9) für welches ich leide bis dahin, dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. (10) Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit. (11) Das ist gewisslich wahr: Sterben wir mit, so werden wir mit leben; (12) dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; (13) sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen. (14) Daran erinnere sie und ermahne sie inständig vor Gott, dass sie nicht um Worte streiten, was zu nichts nütze ist, als die zu verwirren, die zuhören.
(2. Timotheus 2,1–14)   

  • 1. Standhaftigkeit beginnt bei der Beziehung des Einzelnen zu Christus (Vers 1).
  • 2. Standhaftigkeit benötigt gute Lehre, gute Lehrer, gute Leiterschaft (Vers 2).
  • 3. Nur für Jesus lohnt es sich zu kämpfen (Verse 3+8).
  • 4. Menschen kann man binden, Gottes Wort nicht (Vers 9).
  • 5. Wir leiden nie nur für uns selbst, sondern immer auch für andere mit – für die Gemeinde Jesu Christi (Vers 10).
  • 6. Alles ist Gnade. Wir werden nie perfekt treu sein, aber Gott wird es sein und uns Kraft geben (Vers 13+1).
  • 7. Das Gezänk unter Christen ist oft eines der größten Hindernisse in der Verfolgung und für einen gemeinsamen Einsatz gegen Verfolgung (Vers 14).