Predigtentwurf 2008

Die Erfahrung des Trostes

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.    
2. Korinther 1,3–6

In 2. Korinther 1,1–12 geht Paulus davon aus, dass der Trost durch Gott, den er als verfolgter Christ erfährt, gewissermaßen auf nicht verfolgte Christen abfärbt, wenn sie mitleiden. Ein zentrales Element dieses Mit-leidens ist die „Fürbitte“ (V. 11), die wiederum dazu beiträgt, dass die Verfolgten getröstet werden.

Im Leiden nehmen wir an Christi Leiden Anteil, im Trost an Christi Trost. Leiden wir selbst nicht, können wir aber mit-leiden und nehmen damit ebenso an Christi Leiden Anteil, wie an Christi Trost, werden also mit-getröst

Besinnung und Predigtvorschlag

  1. Der Vater der Barmherzigkeit (Vers 3)
    „... der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes ...“
    Christen heißen so, weil sie an den Sohn Gottes, Jesus Christus, glauben.
    Dessen Vater ist ein liebender, barmherziger Vater und deswegen ein tröstender Gott.
  2. Getröstete werden zu Tröstern (Verse 4-6)
    „... der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können ...“
    Paulus kann trösten, weil er getröstet wurde. Wer den Gott des Trostes persönlich erlebt hat, hat eine besondere Vollmacht, anderen Trost zu spenden. So sind es die verfolgten Christen, die uns, den nicht verfolgten Christen Trost, Vertrauen und Zuversicht schenken, nicht umgekehrt – menschlich gesehen also genau verkehrt herum!
  3. Teilhabe am Leid führt zu Teilhabe am Trost (Verse 6+7)
    „... Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil. Haben wir Trost, so geschieht es zu eurem Trost ... wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt ...“
    Nicht verfolgte Christen sollen an dem Leid der verfolgten Christen unbedingt Anteil nehmen und so, wie sie Mit-Leid haben, werden sie auch Mit-Trost erfahren. Den Trost, den verfolgte Christen in schwierigsten Situationen erfahren und das Vertrauen, das sie dadurch entwickeln, ist eine große Stärkung auch für die nicht verfolgte Gemeinde Jesu.
  4. Trotzdem Leid nicht verharmlosen (Verse 8+9a)
    „.... nicht verschweigen ...“, „... über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, so dass wir auch am Leben verzagten ...“
    Das alles bedeutet aber nicht, das Leid der Verfolgung zu verharmlosen oder wegen des Geschenkes des Trostes nicht ernst zu nehmen. Verfolgung bringt Christen wie Paulus an den Rand ihrer Kräfte, wobei jede Lebenslust verloren gehen kann.
  5. Glauben heißt zu vertrauen, dass Gott errettet –
    hier oder dort (V. 9b–10)

    „... damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt ...“, „... errettet hat und erretten wird ...“
    Am Rand der Kräfte wird deutlich, dass allein das Vertrauen auf Gott durchtragen kann. Er errettet in Verfolgung immer wieder, doch wenn nicht, bleibt dennoch die Hoffnung auf die künftige und ewige Rettung.
  6. Fürbitte ist der Schlüssel (V. 11)
    „... Dazu helft auch ihr durch eure Fürbitte ...“
    Die Information durch Paulus und die darauf eintretende Fürbitte sind der Schlüssel, durch den die nicht verfolgten Christen mit Paulus mit-leiden und mit-getröstet werden. Die fürbittende Gemeinde Jesu tut nicht nur etwas für die Verfolgten, sondern empfängt dadurch auch etwas für sich – das Geschenk des Trostes durch den Gott des Trostes.

Thomas Schirrmacher