Predigtentwurf 2007

Freude in der Verfolgung

Ihr Lieben, lasst euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt.
1. Petrus 4,12–13

Die Gegenwart des Heiligen Geistes und seines Trostes ermöglichen es, selbst in der Verfolgung Freude zu empfinden (1. Petrus 4,13–14). Jesus hat keine Aufgabe des Heiligen Geistes häufiger angesprochen, als die, Helfer und Tröster in der Verfolgung zu sein (Matthäus 10,17–20; Markus 13,9–11; Lukas 12,11–12; vgl. Lukas 21,12–19). Das ist durchaus praktisch gemeint. Deswegen erfahren wir über zwei Missionare im Gefängnis: „Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder für Gott und die Gefangenen hörten ihnen zu“ (Apostelgeschichte 16,25). Martin Luther schreibt entsprechend: „Wir haben keine Ursache zu klagen, wenn uns die Welt verfolgt und tötet, sondern uns aufs höchste zu freuen und fröhlich zu sein.“

Bezeichnenderweise ist der neutestamentliche Brief, der am Stärksten die Leiden der Verfolgung thematisiert, der Philipperbrief, zugleich der Freudenbrief des Neuen Testamentes: „Freuet euch in dem Herrn allezeit und nochmals sage ich es euch: Freuet euch!“ (Philipper 4,4).

Besinnung und Predigtvorschlag

  1. Verfolgung ist normal (4,12)
    „... als widerführe euch etwas Seltsames ...“
    Christen lieben Frieden und Ruhe, wissen aber, dass das Evangelium schon immer Unruhe ausgelöst hat und immer auf Widerstand stoßen wird.
  2. Verfolgung ist Leid (4,13)
    „... mit Christus leidet ...“
    Christen ignorieren die Realität nicht und wissen, dass man Verfolgung nur als „Leid“ bezeichnen kann.
  3. Verfolgung ist aber auch Freude (4,13)
    „... freut euch ...“ – „... Freude und Wonne haben mögt.“
    Aber Christen können sich trotz der schrecklichen Realität des Leides schon hier auf die Herrlichkeit freuen.
  4. Grund dafür ist der Heilige Geist (4,14)
    „... mit Christus leidet ...“ – „... Freude und Wonne haben mögt.“
    Dieser scheinbare Widerspruch von Leid und Freude wird durch den Heiligen Geist ermöglicht, der besonders Christen in Verfolgung stärkt.
  5. Um so wichtiger ist es, echte Verfolgung und verdiente Strafe auseinander zu halten (4,15-16)
    „... niemand leide als ... Übeltäter“, „Leidet er ... als Christ“
    Christen sind nicht vorschnell bei der Hand, alles, was gegen sie gerichtet ist, als Verfolgung zu bezeichnen. Nur wenn sie als Christen leiden, handelt es sich um Verfolgung.
  6. Angesichts der Verfolgung sind Christen immer auch selbstkritisch (4,17)
    „... dass das Gericht anfängt am Hause Gottes ...“
    Die selbstkritische Sicht, dass man zu Unrecht von Verfolgung reden kann, obwohl man selbst schuld ist, setzt sich in dem Wissen fort, dass Gott immer zuerst das Volk Gottes zur Besinnung bringen will. Deswegen beten wir nie nur für die Verfolger, sondern auch immer dafür, dass Gott der verfolgten und nicht verfolgten Kirche Gnade zur Umkehr schenkt, denn nur dann wird Gott auch das Land heilen (2. Chronik 7,14!).

Thomas Schirrmacher