Sudan 2016

Statistische Informationen

Fläche 1.861.848 km²
Einwohner 36,1 Mio.
Hauptstadt Khartum
Bevölkerung ca. 70 % sudanesisch-arabisch; Fur, Beja, Nuba, Fallata
Religionen der sunnitische Islam ist Staatsreligion, christliche Minderheit: ca. 1,9 Millionen
Staatspräsident Omar al-Baschir
Staatsform Islamische Bundesrepublik

Allgemein

Der Sudan ist auch nach der Abspaltung des Südsudan ein Vielvölkerstaat. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion, die Scharia oberste Grundlage des Rechtssystems. Obwohl die ethnisch-kulturelle Landschaft mit Arabern und schwarzen Afrikanern zahlreicher Stämme vielfältig ist, verfolgt Präsident Omar al-Baschir eine Arabisierungs- und Islamisierungspolitik. Bereits 2010 kündigte er an: „Die Scharia und der Islam sind die Hauptquelle der Verfassung, der Islam wird Staatsreligion und Arabisch die Amtssprache des Sudan.“

Die Abspaltung des Südsudan hatte massive Auswirkungen auf die Wirtschaft des Sudan, der ca. 80% seiner landwirtschaftlichen Ressourcen und des verfügbaren Wassers verloren hat, sowie 75% der vor der Teilung nachweislich existierenden Ölreserven. Die dadurch erforderlichen Kürzungen von Subventionen haben zu wirtschaftlichen Problemen und Unmut der Bevölkerung geführt. Präsident al-Baschir ist es bisher immer gelungen, durch Hetzreden gegen den Westen die Unterstützung der Bevölkerung zurückzugewinnen, dies zu Lasten der Christen, die oft als „Spione des Westens“ gebrandmarkt werden.

Christen im Sudan

Das Christentum kam schon in frühchristlicher Zeit in den Sudan und hatte ab dem vierten Jahrhundert großen Einfluss. Nach der Invasion durch muslimische Araber am Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Land allmählich islamisiert. Doch die orthodoxen Kirchen, koptischer, griechischer und äthiopischer Prägung überlebten. Nach der Niederschlagung des Mahdi-Aufstands durch die britische Kolonialmacht 1898 kamen zahlreiche anglikanische, protestantische, vor allem aber römisch-katholische Kirchen und Missionare ins Land. 1983 wurde der Sudan zur islamischen Republik erklärt und die Scharia als oberste Rechtsgrundlage eingeführt. Auch nach der Abspaltung des Südsudan leben eine große Anzahl von schwarzen Afrikanern im Land, von denen viele Christen sind, während die Regierung die Politik einer Religion, einer Sprache und einer Kultur betreibt. 

Trotz aller Verfolgung und Benachteiligung ist die Gemeinde Jesu in den letzten Jahren gewachsen.

Unterdrückung und Verfolgung

Die systematische Verfolgung von Christen im Sudan erinnert an eine Politik der ethnischen Säuberung. Der Islam ist tief in der Gesellschaft verwurzelt. Bereits im 19. Jahrhundert strebte die Bewegung des Mahdi die Errichtung eines islamischen Staates nach der Tradition der Frühzeit des Islams an. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist stark beschnitten. Der Bau oder die Renovierung von Kirchen und die Genehmigung für Gottesdienste ist sehr schwierig. Die Lage der Kirche im Sudan verschlechtert sich. Unter Christen wächst die Angst. Die Misshandlung von Christen, besonders der aus dem Südsudan stammenden, hält an.

Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Kirchen, Schulen und Krankenhäuser, insbesondere in Süd-Kordofan und in der Provinz Blauer Nil. Sowohl Christen aus traditionellen Kirchen als auch aus protestantischen Freikirchen sind der Verfolgung ausgesetzt. Der Druck auf die Gläubigen hat sich stark erhöht. Christen mit muslimischem Hintergrund sind am stärksten von Verfolgung betroffen. Sie können aufgrund der Überwachung durch Behörden und islamische Leiter kaum ein normales Leben führen. Die Bestrafung ehemaliger Muslime, die Zerstörung von Kirchengebäuden und die Inhaftierung christlicher Pastoren und Priester sind nur einige Aspekte der Christenverfolgung. Besonders intensiv ist die Verfolgung in der Region Nuba, die Organisation „Open Doors“ berichtet: „Der Kampf der sudanesischen Regierung gegen das größtenteils aus Christen bestehende Nuba- Volk hat fast die Dimension eines Völkermordes erreicht.“

Aktuelle Situation

  • Die Regierung geht derzeit auf der Grundlage der Gesetze gegen Blasphemie und Abfall vom Islam gezielt gegen Christen vor. Zwei Pastoren, Yat Michael und Peter Yen Reith, wurden im Dezember 2014 verhaftet und wegen mutmaßlicher Verbrechen (u.a. Verschwörung und Spionage) angeklagt. Sie wurden im August 2015 freigelassen. Christen aus aller Welt hatten für sie gebetet und die internationale Gemeinschaft hatte sich für ihre Freilassung eingesetzt. Im Dezember 2015 wurden die Pastoren Telal Rata und Hassan Taour verhaftet, ein rechtlicher Beistand wurde ihnen verwehrt. Im Mai 2016 kam Telal Rata wieder frei, ob es einen Gerichtsprozess geben wird, ist derzeit noch offen.
  • Die islamische Kleidungsordnung wird sehr gezielt angewendet. So verhaftete und verklagte die Moral-Polizei im Juni und Juli 2015 zwölf junge christliche Studentinnen wegen Nichteinhaltung der Kleidungsordnung der Scharia.
  • Im Oktober 2015 wurden zwei Kirchen mit fadenscheinigen Begründungen zerstört, eine zur Evangelisch-Lutherischen Kirche des Sudan (LCS) gehörige unter Berufung auf Umbau-Vorschriften, die den Leitern zuvor mit einer Frist von nur 72 Stunden ausgehändigt worden waren.

Dank

  • Dass die Gemeinde Jesu im Sudan trotz Verfolgung und Gefahr wächst.
  • Dass einige der verhafteten Pastoren durch die weltweiten Gebete und ein Einlenken der Behörden wieder freigelassen wurden.

Gebetsanliegen

  • Um Bewahrung und besondere Standhaftigkeit für die Christen muslimischer Herkunft, die mit großen Schwierigkeiten in ihren Familien zu kämpfen haben.
  • Um Trost für die gefangenen und misshandelten Christen, um Heilung ihrer körperlichen und seelischen Wunden; und um die Bereitschaft der Christen, den Tätern zu vergeben.
  • Um Gottes Wirken an den Herzen der Politiker und dass Jesus sich auch Politikern offenbart.
  • Um Religionsfreiheit und einen Rückgang der islamistischen Einflüsse in der Regierung.
  • Um eine barmherzige Gesellschaft, die die Christen im Land nicht automatisch als Feinde betrachtet.