Sri Lanka 2016

Statistische Informationen

Fläche 65.610 km² (etwa ein Sechstel von D)
Einwohner 22 Mio.
Hauptstadt Sri Jayawardenepura, bzw. Colombo
Bevölkerung Singhalesen 74,9 %, Tamilen 15,4 %, Moors 9,2 %, Andere 0,5 %; Mohren (7,6 %)
Religionen Buddhisten 70,2 %, Hindus 12,6 %, Muslime 9,7 %, römisch-katholische Christen 6,1 %, evangelische Christen 1,3 %, andere 0,05 %
Staatsoberhaupt Präsident Maithripala Sirisena
Regierungschef Premierminister Rain Wickremesinghe
Staatsform Republik

Allgemeine Situation

Im Jahr 1948 wurde der südöstlich des indischen Subkontinents gelegene Inselstaat nach friedlichen Verhandlungen von den Briten unabhängig, erst unter dem Namen Ceylon, seit 1972 als Sri Lanka. Von Anfang an existiert ein stabiles demokratisches System, das allerdings durch die Gegensätze zwischen der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit und der tamilischen Minderheit belastet ist. Zwischen 1983 und 2009 herrschte ein offener Bürgerkrieg zwischen tamilischen Separatisten und der von Singhalesen dominierten Zentralregierung, der zahlreiche Todesopfer, vor allem in der Zivilbevölkerung forderte.

Als buddhistisch geprägtem Land kommt Sri Lanka im mehrheitlich hinduistischen Südasien eine Sonderstellung zu. Dem Buddhismus wird in der Verfassung Sri Lankas eine besondere Stellung eingeräumt: der Staat ist verpflichtet, den Buddhismus zu schützen und zu fördern. Die Singhalesen sind größtenteils Buddhisten, die Tamilen mehrheitlich Hindus und die Moors ausschließlich Muslime. Daneben gibt es unter Tamilen und Singhalesen christliche Minderheiten.

Gebetsanliegen

Vater im Himmel, wir bitten Dich für die vielen Christen, die in den gewaltsamen rassischen und religiösen Konflikten zwischen die Fronten geraten. Wir bitten Dich für die politisch orientierten Buddhisten, dass sie der Gewalt abschwören und dass sie Deine Liebe erkennen. Wir bitten Dich auch für ihre Gegner, die Tamilen, dass sie ebenso der Gewalt abschwören und zum Frieden bereit sind und die wahre Liebe Gottes begreifen.

Unser Herr Jesus Christus, gib Du Deiner Gemeinde in Sri Lanka Deinen Geist der Weisheit, damit sie einen Weg finden, sich aus der Gewalt herauszuhalten und in Weisheit mit der Regierung ebenso wie mit den Rebellen umzugehen. Lass sie Zeugen Deiner Liebe sein und bewahre sie vor dem Bösen. Amen.

Die Christen in Sri Lanka

In Sri Lanka gibt es unterschiedliche Kategorien von Christen: 

  • Ausländische Christen: Es gibt eine sehr kleine Gruppe ausländischer Christen, von denen die meisten in Colombo leben. Diese sind bislang von Verfolgung nicht betroffen.
  • Historische Kirchen: Es gibt eine große Anzahl traditioneller Kirchen wie die römisch-katholische Kirche und einige protestantische Kirchen. Angehörige dieser Kirchen ziehen es bei Verfolgungsfällen zumeist vor, stillzuhalten, obwohl auch sie in wachsendem Maß betroffen sind.
  • Nicht-traditionelle evangelische Kirchen: Diese Kirchen erleiden starke Benachteiligung bis hin zu Verfolgung. Am stärksten davon betroffen sind die Kirchen in ländlichen Gebieten, während es in Colombo viele größere Kirchen, deren Kirchengebäude durch Symbole deutlich als christlich erkennbar sind. Aber selbst in Colombo beginnen die Christen, vorsichtig zu sein.
  • Konvertiten: Die meiste Verfolgung erleiden Konvertiten buddhistischer Herkunft sowie, zu einem deutlich kleineren Anteil, Christen mit hinduistischem Hintergrund. Sie werden nicht nur durch den Staat, sondern auch durch Gruppen außerhalb der Regierung verfolgt.

Unterdrückung und Verfolgung

Zum ersten Mal seit langem befindet sich Sri Lanka nicht mehr unter den 50 Ländern mit der höchsten Rate an Christenverfolgung weltweit. In den Jahren zuvor stand es noch auf den Plätzen 44 und 29. Dies ist einerseits ein Anlass, Gott zu danken, doch lässt sich die Verbesserung vor allem auf die drastische Verschlechterung der Situation von Christen in anderen, vor allem arabischen und afrikanischen Ländern zurückführen. Außerdem scheint es, dass sich der Druck, der von radikalen buddhistischen Gruppierungen ausgeht, momentan stärker gegen die muslimische Minderheit wendet. Zudem wurde im Januar 2015 der bisherige Präsident Mahina Rajapaksa abgewählt, der in enger Verbindung zu zwei extremistischen Buddhisten-Bewegungen stand. Auch dadurch hat sich die Lage etwas beruhigt.

Die Mehrheit der Bevölkerung Sri Lankas sind Buddhisten. Jeder Singhalese wird als Buddhist betrachtet, so dass folglich nicht nur die tamilischen Christen oder Christen anderer Ethnien als Bürger zweiter Klasse angesehen werden; auch die singhalesischen Christen werden mit Argwohn betrachtet, verleumdet und angegriffen. Schon der Name des für religiöse Fragen zuständigen Ministeriums kennzeichnet die Einseitigkeit: „Ministerium für religiöse Angelegenheiten und buddhistische Lehre“. Zudem sind radikale, buddhistische Gruppen an der Unterdrückung der Christen beteiligt. Diese Gruppen, hauptsächlich die Bodu Bala Sena und Sinhala Ravaya, schaffen Unruhe in der Gesellschaft und stiften unter der Führung buddhistischer Mönche Mobs an, die christliche Minderheit zu attackieren. Die volle Wucht der Verfolgung richtet sich jedoch gegen die muslimische Minderheit, was die Regierung scheinbar stillschweigend hinnimmt.

Der Druck auf Christen zeigt sich in allen Lebensbereichen, vor allem in der Gesellschaft, aber auch seitens des Staats, am wenigsten noch im familiären Bereich. Am meisten ausgeprägt ist der Druck in den ländlichen Gebieten. Christen stehen unter der Beobachtung buddhistischer Mönche und werden durch gewaltbereite Mobs unterstützt. Es gibt viele Fälle im ganzen Land, in denen christliche Gottesdienste oder Gebetsversammlungen gestört und unterbrochen wurden, sowohl in Kirchengebäuden als auch in Privathäusern. Aus diesem Grund lassen Christen Vorsicht walten, wenn es um die Aufbewahrung von christlichen Materialien oder die Durchführung privater Treffen geht, von Gesprächen über den Glauben mit Außenstehenden ganz zu schweigen. Konvertiten müssen ihren Glauben geheim halten und setzen deshalb alles daran, nicht entdeckt zu werden.

Regierungstruppen unterstützen die radikal-buddhistischen Gruppen relativ offen und schützen diese sogar vor Strafverfolgung. Kommt es zu Gewalt gegen Christen, erscheint die Polizei meist zu spät am Tatort und dann auch nur mit dem Ziel, die öffentliche Ordnung wieder herzustellen, und nicht um die Rechte der christlichen Minderheit zu schützen. Es gibt allerdings auch Berichte über Polizeibeamte, die ihr Bestes tun, um Christen zu schützen, doch droht gerade diesen Beamten ihre Versetzung, wenn sie sich zu sehr einsetzen. Auch vor Gericht werden Christen mit ihren Anliegen selten angehört. Es gibt sogar Berichte, dass in den Gerichtsverhandlungen anwesende Mönche die Anwälte beschimpft haben und „Alle Macht den Buddhisten“ riefen.

Aktuelle Situation

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 60 christliche Versammlungen von Buddhisten gestürmt, wovon in mindestens 20 Fällen die Treffpunkte verwüstet wurden, viele weitere Kirchen mussten sogar geschlossen werden. Diese Vorfälle beinhalteten auch das Niederbrennen und Zerstören von Kirchen, Hausgemeinden, Pastorenhäusern und das Schließen einiger Kirchen. Manchmal werden diese Attacken auf Video aufgezeichnet und in den Nachrichten ausgestrahlt. Dabei werden sie jedoch nicht als Gewalt dargestellt, sondern als ein Akt der Selbstverteidigung. Zwei römisch-katholische Christen wurden im März 2014 inhaftiert und unter dem Vorwurf des „Terrorismus“ für drei Tage festgehalten. Gläubige, vor allem Pastoren und Gemeindeleiter, wurden physisch angegriffen und Frauen sexuell belästigt. Konvertiten erfahren zusätzliche Drohungen und Schikane.

Obwohl religiöse Minderheiten verfassungsrechtlich Religionsfreiheit besit- zen, leben sie in Unsicherheit. Christliche Pastoren und Gemeinden werden von örtlichen Behörden immer wieder benachteiligt und durch falsche An- schuldigungen an der Ausübung ihres Glaubens behindert.

Danken wir

  • Dass der fürchterliche Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen vor sieben Jahren beendet wurde.
  • Dass der Druck auf die Christen etwas nachgelassen hat.
  • Dass Sri Lanka seit fast 70 Jahren eine funktionierende Demokratie hat.

Beten wir

  • Für die religiösen Minderheiten insgesamt, dass ihnen die von der Verfassung zugesagte Religionsfreiheit bis in die untersten Verwaltungsebenen zugestanden wird.
  • Für die radikalen Buddhisten, dass sie anderen Menschen Freiheit geben.
  • Für die kleinen christlichen Gemeinden, die besonderem Druck ausgesetzt sind, dass sie dennoch fröhlich Zeugnis von ihrem Glauben ablegen.
  • Für die traditionellen Kirchen, dass in ihnen neue geistliche Aufbrüche geschehen.