Pakistan

Statistische Informationen

Fläche 796.095 qkm (etwa doppelt so groß wie D)
Einwohner 185 Mio.
Hauptstadt Islamabad; größte Stadt: Karachi (18 Mio.)
Völker Urdu Muslime (30%), Jats (16%), Sindhi (15%), Paschtunen (14%), Bengalis (7%), Baschtunen (4%), dazu 1,3 Mio. Flüchtlinge aus Afghanistan
Religionen Muslime (95,8%, bis 1/5 davon Schiiten), Christen (2,5%), Hindus (1,6%)

Hintergrundinformationen

Das pakistanische Gesetzbuch sieht für Gotteslästerung die Todesstrafe vor. Der entsprechende § 295 wurde 1991 verschärft und besagt, dass im Falle von Blasphemie gegen den Islam oder den Propheten Mohammed nur auf
Freispruch oder Todesurteil erkannt werden kann. Der Sturz des Ministerpräsidenten Nawaz Sharif im Oktober 1999 beendete den wachsenden Einfluss fundamentalistischer Muslime. Aber eine schon veröffentlichte Anordnung der neuen Militärregierung und des 1999 – 2008 herrschenden Generals Pervez Musharraf, die den Missbrauch des Blasphemiegesetzes einschränkte, wurde auf Druck islamischer Geistlicher wieder zurückgezogen.


Verhaftungen und Todesurteile aufgrund dieses Paragrafen bedrohen jeden Christen, zumal Verleumdung an der Tagesordnung ist. Häufiger wurden angeklagte Christen zwar vom Obersten Gerichtshof schließlich freigesprochen, jedoch kurz darauf vom Mob auf der Straße umgebracht. Ansonsten sind es eher muslimische Extremisten als Justiz und Regierung, die die Religionsfreiheit brutal ersticken. Islamische Fundamentalisten wie die Taliban bilden eine kleine Minderheit, gewinnen aber täglich mehr Einfluss. Die zunehmende Anwendung der Scharia im alltäglichen Leben bedroht die Religionsfreiheit von Christen und Hindus, aber auch von nichtsunnitischen Muslimen wie Schiiten und Ahmadiyya. Dennoch nimmt die Zahl der Christen zu. 2009 hatte eine große Anzahl von gewalttätigen Muslimen eine christliche Kolonie in Gojra heftig attackiert. Mit Spezialsprengstoff hatten sie 60 Häuser demoliert und acht Christen ermordet. Manche von den Getöteten und Verletzten wurden bei einem Fluchtversuch mit Benzin übergossen und angezündet. 70 militante Muslime mit Verbindungen zur pakistanischen al-Qaida waren wegen des Überfalls angeklagt, wurden aber alle freigelassen.


Am 2.6.2011 wurden etliche in U-Haft befindliche Christen nach fast zwei Monaten Haftzeit auf freien Fuß gesetzt und die Ermittlungen gegen sie eingestellt. Die gegen die Christen erhobenen Vorwürfe der Blasphemie wurden von der Polizei gründlich untersucht, was selten genug geschieht. Die Untersuchungen ergaben, dass es keinen Anhalt dafür gab, dass die beschuldigten Christen eine Seite des Korans verbrannt oder blasphemische Aussagen gegen Mohammed niedergeschrieben hätten. Allerdings können die aus der Haft Entlassenenen nicht in ihre eigenen Häuser zurückkehren.

Für weltweites Aufsehen sorgte die Verurteilung von Asia Noreen (auch Asia Bibi genannt) im November 2010. Die Christin wurde aufgrund der Blasphemiegesetze zum Tode verurteilt. Sie soll in einem Streit mit anderen Frauen über Religion den islamischen Propheten Mohammed beleidigt haben. Die Mutter von fünf Kindern beteuert ihre Unschuld. Sie sitzt derzeit noch in Haft. Ihre Familie musste aus Angst vor Übergriffen untertauchen.
Zwei hochrangige Politiker mussten ihre öffentliche Kritik an den Gesetzen und ihr Eintreten für Asia Noreen bereits mit dem Leben bezahlen. Der pakistanische Minderheitenminister Shahbaz Bhatti hatte sich, ebenso wie der Gouverneur der Provinz Punjab Salman Taseer, für die Freilassung von Noreen und gegen die berüchtigten Blasphemiegesetze eingesetzt. Beide Männer wurden in diesem Jahr auf offener Straße ermordet.

Gebet

Vater im Himmel, wir bitten Dich für die Christen in pakistanischen Gefängnissen, die in Angst auf ihr Urteil oder auf die Vollstreckung der Todesstrafe warten oder aber fürchten, dass sie der Lynchjustiz zum Opfer fallen. Stärke und tröste Du sie und lass sie ein Zeugnis Deiner Liebe und Deines Friedens sein. Wir bitten Dich auch besonders für ihre Frauen und Kinder, dass sie die Sorge um ihre Ehemänner und Väter und den Schmerz des Verlustes verarbeiten können und nicht bitter auf Dich werden, sondern sich nur noch mehr an Deine Liebe klammern. Und sorge Du bitte dafür, dass Justiz und Regierung dem Treiben der Extremisten deutlicher entgegentreten und den Gotteslästerungsparagrafen entschärfen. Amen.