Maghreb - Algerien, Tunesien, Marokko

Statistische Informationen Algerien

Fläche 2.382.000 km², davon 80% Wüste Sahara
Einwohner 35,5 Mio.
Hauptstadt Algier 2,8 Mio.
Völker Araber 70%; Berber 22,8%; Beduinen 6%
Religionen Muslime 97,3%; Nichtreligiöse 2,4%; Christen 0,3% (Evangelikale 65.000; offizielle Protestanten 10.000; Katholiken 4.000; Orthodoxe 1.000)

Hintergrundinformationen Algerien

Algerien war 132 Jahre lang französische Kolonie und wurde nach blutigem Befreiungskrieg 1962 unabhängig. Ein sozialistisches Ein-Parteien-Regime herrschte die folgenden 30 Jahre. In demokratischen Wahlen siegte 1992 die Islamische Erweckungspartei, woraufhin die Armee die Macht übernahm und die Islamisten unterdrückte. In dem sich anschließenden Bürgerkrieg mit bis zu 200.000 Toten, hatten die wenigen Christen unter Gewalt von beiden Seiten zu leiden. Seit 2000 gilt ein Waffenstillstand und seit 2005 ein nationales Wiederaufbau- und Versöhnungsprogramm. Im Jahr 2004 wurde Präsident Bouteflika durch Wahlen mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Seit Dezember 2010 kommt es jedoch auch in Algerien immer wieder zu Demonstrationen, auf denen ein demokratischer Wandel gefordert wird. Die sunnitischen Muslime sind in radikale Fundamentalisten und säkularisierte Muslime gespalten. Die islamischen Fundamentalisten arbeiten massiv auf die Einführung des islamischen Rechts (Scharia) hin. Die 160jährige christliche Missionsarbeit trägt neuerdings erstmals Früchte. Vielleicht ist das der Grund, warum sich derzeit die rechtliche Lage der Christen verschärft. 1976 wurden den einheimischen Katholiken alle Schulen weggenommen. Damit begann eine stetige Abwärtsentwicklung. „Wer seine Religion ausübt, lebt in Algerien gefährlich – zumindest wenn er kein Muslim ist. Das namhafteste Opfer einer breiten Kampagne gegen die Christen im Land ist der katholische Priester Pierre Wallez. Er wurde am 30. Januar 2008 zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Das Vergehen des französischen Geistlichen: Er hatte für illegale Einwanderer aus Schwarzafrika die Messe gelesen.“ (Der Standard, Wien, 19.2.2008)


Artikel 5-11 der Verwaltungsvorschrift 06-03 von 2003 legt fest, dass jede Art der Religionsausübung im Land nur mit staatlicher Erlaubnis zulässig ist. Dies gilt auch für Muslime, sodass nur vom Staat eingesetzte Imame Moscheen leiten dürfen, wie eine Änderung des Strafgesetzbuches von 2001 ausdrücklich festlegt. Die Aufforderung zum Religionswechsel gilt als Straftat und kann mit bis zu 3 Jahren für Laien und bis zu 5 Jahren für religiöse Führer bestraft werden. 2006 wurde das Gesetz nach Konsultation mit den muslimischen Führern (nicht aber den Betroffenen) nochmals verschärft und schließt nun das Verbot des Drucks und der Verbreitung von Literatur ein, die zum Proselytisieren verwendet werden könnte. Ein Christ, der seinem Nachbar eine CD mit religiösem Inhalt weitergab, wurde am 25.5.2011 zu 5 Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Bisher haben nur Katholiken, Reformierte und Adventisten die Erlaubnis bekommen, für Ausländer Gottesdienste abzuhalten. Muslime, die zum Christentum übertreten, tun dies deswegen praktisch immer heimlich.


Als Anfang 2010 eine evangelische Kirche in Tizi-Ouzou von muslimischen Extremisten abgebrannt wurde, schritt die Polizei nicht ein. Am 22.5.2011 verfügte die Regierung in der Provinz Bejaja, dass alle nichtmuslimischen registrierten Gebetsstätten sofort zu schließen sind, darunter 7 protestantische Kirchen. Eine Rücknahme der Anordnung scheint aber möglich. Immer wieder werden Christen wegen angeblichem Proselytismus und Blasphemie verhaftet.

Statistische Informationen Tunesien

Fläche 154.530 km²
Einwohner 10,4 Mio.
Hauptstadt Tunis 766.000
Völker Araber 97,8%; Berber 1,9%
Religionen Muslime 99,4%; Nichtreligiöse 0,3%; Christen 0,22% (Katholiken 21.000, Protestanten 1.800 (2/3 Evangelikale), Orthodoxe 300)

Hintergrundinformationen Tunesien

Seine Unabhängigkeit erlangte das Land 1956. Von 1956 bis 2011 wurde es autoritär von der Einheitspartei Neo Destour/RCD regiert; seit 1989 unter Präsident Ben Ali. In der sogenannten Jasminrevolution wurde er Anfang 2011 gestürzt und musste das Land verlassen. Bis zur Wahl, die voraussichtlich im Oktober 2011 sattfindet, wird Tunesien von einer Übergangsregierung regiert. Das tunesische Volk ist relativ säkular eingestellt. Staatliche Institutionen bekämpften den politischen Islam, gingen aber auch hart gegen christliche Mission vor. Die Lage besserte sich in den vergangenen Monaten. Allerdings sind auch die Anführer der radikalen Muslime aus dem europäischen Exil zurückgekehrt und versuchen ihren Einfluss auszubauen. Derzeit ist es kaum möglich einzuschätzen, in welche Richtung sich das Land entwickeln wird.

Statistische Informationen Marroko

Fläche 459.000 km²
Einwohner 33 Mio.
Hauptstadt Rabat/Salé 1,8 Mio., daneben Casablanca 3,3 Mio.
Völker Araber 57,7%; Berber 41,4%70%
Religionen Muslime 99,88%; Christen 0,09% (Katholiken 23.000, Protestanten 6.200 (3/4 Evangelikale), Orthodoxe 1.00)

Hintergrundinformationen Marokko

König Mohammed VI. liberalisiert das Land seit seinem Amtsantritt 1999. Allerdings nehmen seit 2010 auch die Repressionen gegen Regierungskritiker wieder zu. Ausländische Christen und Juden werden geduldet; die etwa 2.000 einheimischen Christen jedoch nicht. Wegen des Vorwurfs, Mission zu betreiben, mussten 2010 über 150 ausländische Christen das Land verlassen. Christliche Sozialwerke wurden geschlossen. Die Medien hetzen gegen die Christen. Viele Spitzel arbeiten für die Polizei und gegen die einheimischen Gemeinden.

Gebet für den Maghreb

Unser Herr Jesus Christus, der Du der Friedensfürst bist, schenke dem ganzen Maghreb Frieden und Freiheit. Schenke Du, dass die gegenwärtigen Unruhen den Maghreb nicht ins Chaos stürzen, sondern zu gerechten Regierungen führen, die auch die Verfolgung der Christen beenden. Gib diesen Mut, Dich zu bekennen, aber auch die Weisheit, wie sie es am besten tun und was sie dazu beitragen können, dass nicht Gewalt, sondern Frieden und Gerechtigkeit siegen. Amen.