Jemen

Statistische Informationen

Fläche 527.968 qkm
Einwohnerzahl mehr als 28 Mio. (meist bevölkertes Land der Arabischen Halbinsel)
Hauptstadt Sanaa (Huthi/Shia Nord) / Aden (Sunni Süd)
Bevölkerung Araber (93 %), Afro-Araber/Akhdam (5 %), Socotri & Mahri (0,5 %), Somali(1 %)
Religionen 99,1 % Muslime (Schiiten 45 %, Sunniten 54 %), 3-6.000 Jemen-Christen (0,05 %)
Nord-Süd-Wiedervereinigung 22. Mai 1990, seit Krieg wieder getrennt
Staatsoberhäupter Präsident Abdu Rabbo Mansour Hadi (Süd) / Saleh Ali al-Sammad (Nord)
Staatsform Präsidial-Parlamentarische Republik, derzeit nicht regierungsfähig

Allgemein

Der Jemen, im Süden der Arabischen Halbinsel, ist ein wunderschönes Land mit Bergen von fast 4000 Metern Höhe, trockenen Wüsten, langen Sandstränden und freundlichen arabischen Menschen. Das Land, das von der Königin von Saba (1. Könige 10; 2. Chronik 9) und von den Römern als „glückliches Arabien“ bezeichnet wurde, ist landwirtschaftlich fruchtbar, Ursprungsland von Kaffee, Weihrauch und Myrrhe und reich an Bodenschätzen. Doch Konflikte zwischen den 2.500 Stämmen, eine nie überwundene Nord-Süd-Spaltung des Landes sowie die jahrelange Destabilisierung durch den Nachbarstaat Saudi-Arabien haben den Jemen zu einem der ärmsten Länder der Welt gemacht und zu einer Brutstätte von Al-Qaida und islamistischem Terror werden lassen. Im Zuge der arabischen Frühlings-Proteste wurde das langjährige Regime von Präsident Ali Abdallah Saleh im Jahr 2011 gestürzt. Mit westlicher Hilfe wurde der von Saudi-Arabien gestützte, erste sunnitische Präsident, Abdu Rabbo Mansour Hadi, eingesetzt. Dies, obwohl das Volk nicht hinter ihm stand. Seitdem haben sich die religiösen Konflikte des halb schiitischen und halb sunnitischen Jemens erst richtig entzündet. Die übergangenen schiitischen Huthi-Rebellen im Norden stürmten die Hauptstadt Sanaa und der schwache neue Präsident musste nach Aden und später ins saudische Exil flüchten. Saudi-Arabien beschuldigte den Iran der Einmischung und startete gemeinsam mit sunnitischen Ländern (mithilfe von Waffen des Westens) Ende März 2015 einen fürchterlichen Bombenkrieg gegen den Jemen. Dieser Krieg brachte Tausende Tote und Verletzte sowie Millionen Flüchtlinge hervor.

Die gesamte Infrastruktur des Landes ist inzwischen zerstört oder völlig zum Erliegen gekommen. Die UNO kritisierte die brutale Zerstörung von zivilen Wohngebieten, Schulen und Krankenhäusern sowie die vielen zivilen Opfer (93 % der Todesopfer und Verletzten sind Zivilisten) mehrmals scharf. Die saudische Blockadepolitik und die Zerstörung der Häfen erschweren notwendige humanitäre Hilfslieferungen. Niemand kennt das wirkliche Ausmaß der Katastrophe, aber laut UNO-Experten ist der Jemen viel schlimmer dran als Syrien und erlebt gegenwärtig die schlimmste humanitäre Krise – weitgehend ohne Presse und Öffentlichkeit. Die Hungersnot ist weit schlimmer als offiziell angegeben: Über 82 % der Bevölkerung (mehr als 21 Mio.) hungern und es gibt kaum eine Familie, die nicht ums nackte Überleben kämpft. Die Wirtschaft liegt komplett am Boden und es mangelt an Arbeit. Millionen Kinder sind dem Hungertod nahe und nicht wenige treibt der Hunger dazu, sich als Kindersoldaten zu melden. Experten warnen vor einer „verlorenen Jugend“, dabei sind mehr als 50 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt.

Christen im Jemen

Der Jemen mit Bischofssitz Nadschran war seit dem 4. Jahrhundert Zentrum der Christenheit auf der Arabischen Halbinsel. Ab dem Jahr 525 wurde der ganze Jemen ein christliches Land unter der Herrschaft des äthiopischen Königreichs Axum und das Christentum verbreitete sich in Südarabien. Jemenitische Christen missionierten z.Zt. des jungen Mohammed regelmäßig auch in Mekka und Saudi-Arabien. Doch nach Mohammeds Sieg über Mekka hielt der Islam im Jemen Einzug und die Christen wurden zwangsislamisiert. Im jemenitischen Gedächtnis hat sich dennoch bis heute diese christliche Frühgeschichte erhalten, zusammen mit so manchen alten christlichen Familiennamen (z.B. „Mudhran“ = Bischof). Danach kam das Christentum erst 1839 mit der britischen Besetzung Adens und Südjemens bis 1967 wieder. Mit den Briten kamen auch die anglikanische Kirche und die ersten evangelischen Missionare (aus Schottland, Dänemark und den USA: Prof. Ion Keith Falconer, Pfr. Olav Hoyer, Samuel Zwemer), außerdem katholische Inder. Als 1967 die Kommunisten den Südjemen übernahmen und in ein Blutbad stürzten, verschwanden auch die 22 Kirchen und Tausende einheimischer Konvertiten, die z.Zt. der Briten getauft und offiziell registriert worden waren. Doch heute tauchen immer wieder Christen auf, die sich auf diese Konvertiten aus Aden berufen. Im Nordjemen hält die christliche Mission seit Ende der 1950er Jahre Einzug, anfangs durch Missionare aus den USA, Niederlande, Schweden und England. Außerdem gab es immer auch äthiopisch-orthodoxe Christen, die im Nordjemen arbeiteten und versteckt Gottesdienste feierten.

Unterdrückung und Verfolgung

Leider wurden im Jemen immer wieder ausländische Christen Opfer von islamistischem Terror, darunter auch Deutsche. Der von Saudi-Arabien finanzierte Dschihad macht massiv Stimmung gegen Christen im Land. So kommt es, dass der Jemen ein für das Christentum weitgehend verschlossenes Land bleibt. Zusammen mit Somalia hat der Jemen weltweit die geringste Präsenz von Christen im Land (einschließlich der im Land lebenden Ausländer). Seit 2005 aber haben sich Jemens Untergrundchristen, alles Konvertiten, aus verschiedenen Landesteilen zusammengeschlossen. Seitdem wächst die einheimische Kirche im Untergrund – trotz massiver Bedrohung durch die Islamisten.

Aktuelle Situation

Der jüngste Krieg hat alle ausländischen Christen vertrieben, die Verfolgung der einheimischen Christen verstärkt und erste christliche Märtyrer verursacht. Gerade in den von Saudi-Arabien „befreiten“ Gebieten werden immer wieder Christen angegriffen und auch die letzten Kirchen von Aden wurden teilweise zerstört. Doch Leiter der jemenitischen Christen sagen: „Wir Christen wissen, dass leiden für Jesus dazu gehört; das haben uns die ausländischen und einheimischen Märtyrer in unserem Land gezeigt. Wir wollen von ihnen lernen und im Glauben stark werden.“ Als einheimische Christen verbreiten sie Hoffnung, leisten humanitäre Hilfe und sind ein Zeugnis der Liebe Gottes. So hat sich innerhalb der letzten zwei Kriegsjahre die Untergrundkirche unter großem Hunger und Leid verdreifacht und sie wächst überall im Land weiter. Die Gemeinden bestehen nun aus ehemaligen Schiiten und Sunniten, Jungen und Alten, Frauen und Männern sowie ganzen Familien aus allen sozialen Schichten. Sogar etliche Stammesfürsten finden in den Gemeinden ihren Platz.

Dank

  • für viele einheimische Christen, die trotz Verfolgung und Not treu bleiben und im Land ausharren,
  • „„dass der Druck auf die Christen etwas nachgelassen hat,
  • „„für die zunehmende Zahl von Jemeniten, die suchend sind und Christus als Herrn annehmen,
  • „„für alle Nothilfe, die durch Werke der Evangelischen Allianz zu den jemenitischen Christen kommt.

Gebetsanliegen

 

  • „Ende von Krieg, Gewalt und Terror,
  • „„effektive Hilfe für die vielen Millionen vom Hungertod Bedrohten,
  • „Sicherheit für einheimische Christen und Konvertiten,„„ Mut für jemenitische Christen, trotz Verfolgung ihren Glauben weiterzugeben und im Land ihre vorrangige Berufung als Jesu Botschafter wieder zu erkennen und wahrzunehmen,
  • „„dass einheimische Christen für ihr Land die Hoffnung nicht verlieren, sondern im Land bleiben und eine Vision bekommen, sich in ihrem Land positiv einzubringen und damit Versöhnung und Zukunft zu bauen.

Linus Pfister, Thun, Schweiz