Irak 2015

Statistische Informationen

Fläche: 437.072 km²
Einwohner: 36.000.000
Hauptstadt: Bagdad
Bevölkerung: 75-80% Araber, 15-20% Kurden, insg. 3% Turkomanen & Assyrer & Armenier
Religionen: Schiitische Muslime (60%), Sunnitische Muslime (35%), nur noch 200.000-300.000 einheimische Christen (0.6%) - stark dezimiert
Staatsoberhaupt: Präsident Fuad Masum
Regierungschef: Premier Haider al-Abadi/(für Kurdistan: Präsident Massoud Barzani)
Staatsform: Föderale Parlamentarische Republik

Allgemein

Mit dem gewaltsamen Ende der sunnitischen Diktatur Saddam Husseins durch den international geführten Irakkrieg 2003 ist das Land nicht mehr zur Ruhe gekommen. Der Irak zerfiel mehr und mehr durch religiös motivierten Terror und Racheakte zwischen Sunniten und Schiiten. Im Machtvakuum konnte sich die bislang unterdrückte kurdische Minderheit im Norden einen eigenen autonomen kurdischsprachigen Provinzstaat schaffen. Im zentralen Bagdad und im südlichen Irak dagegen riss die bislang unterdrückte arabische Mehrheit der Schiiten unter Nouri al Maliki alle wichtigen Schaltstellen der Regierung und Armee an sich und die arabischen Sunniten im zentralen Westen des Landes wurden nur noch formal an der Regierung beteiligt. So schlossen sich immer mehr Sunniten der terroristischen Al Qaida im Irak an, u.a. viele ehemals privilegierte sunnitische Saddam-Armeeangehörige. Daraus entwickelte sich die Terrororganisation „Islamischer Staat“, die nun alle Nicht-Sunniten erbarmungslos bekämpft.

Christen im Irak

Christen gibt es im Nordost-Irak seit fast 2000 Jahren, vor allem in Mossul und der fruchtbaren Ninive-Ebene, wo seit alters auch das Grab des Propheten Jona verehrt wurde, bis es von IS-Kämpfern 2014 mutwillig gesprengt wurde. Der Irak ist bekannt als Wiege der Zivilisation. Ur in Chaldäa war die Heimat der biblischen Gottesmänner Noah und Abraham. Das fruchtbare Zweistromland der Bibel war Zentrum der Weltreiche der Assyrer (Ninive), Babylonier (Babel) und Meder (Kurden). Der heutige Irak war auch Ort des Exils eines großen Teils des jüdischen Volkes, darunter auch Propheten, wie Daniel und seine drei mutigen Freunde (Dan. 3) und Esra, sowie die Geburtsstätte des jüdischen Talmuds. Seit dem 7. Jh. steht der Irak unter islamischer Herrschaft. Juden und Christen wurden geduldet, aber nur als Bürger zweiter Klasse. Dennoch zeichneten sich die Christen im Irak vor allem seit dem 20. Jahrhundert als Bildungsbürgertum des Landes aus und waren deshalb für den Aufbau des modernen Staates von großem Wert. Dies galt auch für den Diktator Saddam Hussein, einem Sunniten, der von 1979-2003 regierte und mit der sozialistischen (nicht-religiösen) Ba‘ath Partei alle Gegner brutal ausschaltete, u.a. auch 1988 einen erheblichen Teil der Bevölkerung der kurdischen Stadt Halabja vergaste. Als Folge davon entstand 1992 unter UNO Mandat die autonome kurdische Regionalregierung in Erbil, die bis heute im Norden des Irak, getrennt vom übrigen arabischsprachigen Irak, einen kurdischsprachigen Regionalstaat aufbaute und verfolgten Minderheiten Zuflucht und Religionsfreiheit gewährt. Seit 2014 leben hier die meisten irakischen Christen.  

Unterdrückung und Verfolgung

Unter dem Diktator Saddam Hussein waren die Christen zum Schweigen verurteilt, konnten aber begrenzt ihren Glauben leben. Seit Ende des Golfkrieges 2003 übernahmen immer mehr Islamisten das Sagen, Sunniten bekämpfen Schiiten, Kirchen wurden ausgebombt und immer mehr Christen ermordet. Seitdem fliehen viele Christen aus Bagdad und aus dem Irak. Jedes Jahr wurde es schlimmer. Im Juni 2014 startete der „Islamische Staat“ (IS) seinen Blitzkrieg und eroberte in kurzer Zeit Mossul, die zweitgrößte Stadt des Irak mit den traditionellen Siedlungsgebieten der Minderheiten der Jesiden, Kakai und v.a. vieler Christen. Wo immer der IS Dörfer und Städte besetzte, wurde umgehend die Scharia in ihrer strengsten Form in Kraft gesetzt. Christen mussten entweder zum sunnitischen Islam übertreten, eine hohe Kopfsteuer entrichten, fliehen oder wurden ermordet. Ihre Häuser und ihr Besitz wurden offiziell an Sunniten übertragen und auf der Flucht wurden ihnen an Checkpoints alles Geld, Wertsachen und Ausweise abgenommen. Jesiden, Kakai und Schiiten wurden dagegen gleich getötet und viele Mädchen und Frauen zu Sex-Sklavinnen der IS-Kämpfer gemacht. Derzeit leben nur noch etwa 300.000 Christen im Irak, gegenüber 1,5 Millionen im Jahr 2003, davon weit über 60% als Inlandsflüchtlinge in provisorischen Unterkünften im kurdischen Nordirak.

Aktuelle Situation

Im autonomen kurdischen Nordirak konnten seit 2000 zunehmend auch Konvertiten-Gemeinden von Kurden, Kakai, Jesiden und Schiiten entstehen, die neben den Christen aus ethnischen Minderheiten und traditionellen Kirchen hier die relative Religionsfreiheit genossen. Dennoch bedrohen neuerdings auch im Nordirak islamistische Tendenzen immer stärker diese Freiheit. Im Juni 2014 wurde die Stadt Mossul von den IS-Kämpfern eingenommen. Den Christen wurde ein Ultimatum gestellt, dass sie bis 19. Juli Muslime werden, eine hohe Kopfsteuer zahlen oder die Stadt verlassen müssten, andernfalls würden sie getötet. Alle Christen sind geflohen. Bis Anfang August eroberte der IS die ganze Provinz um Mossul, darunter auch die größte christliche Stadt des Irak, Karakosch. Der Stadtteil Ainkawa-Erbil ist nun die größte christliche Stadt im Irak, voller Flüchtlinge. Es leben aber auch viele Christen in Dohuk, Zakho und Suleimania. Im für Christen gefährlichen Bagdad leben immer noch viele Christen, aber viele versammeln sich zunehmend nur noch in Häusern, weil sie sich kaum noch in die Kirche wagen. Täglich verlassen Christen den Irak für immer, ein unwiederbringlicher Verlust, den auch führende Politiker wie der irakische Premier Haider al Abadi in Bagdad oder der Präsident der autonomen kurdischen Region Massoud Barzani und viele irakische Kirchenleiter offen beklagen. Leider geht im Irak vor allem der sunnitische Terror des IS gegen Christen und andere Nicht-Sunniten weiter und niemand scheint sie stoppen zu können/wollen, weil sie von Saudi-Arabien und Katar finanziert werden und über die Türkei und Syrien ungehindert viele neue Dschihadisten aus vielen (auch europäischen) Ländern einreisen. Für die vielen christlichen Flüchtlinge in den Massenlagern des Nordiraks kann eine Rückkehr in ihre Heimat Mossul erst nach einem Stopp des Terrors beginnen. Doch wird dann auch ein Leben in Sicherheit und Versöhnung für die Christen im Irak möglich sein? 

Dank

für viele einheimische Christen, die trotz Verfolgung treu bleiben und noch im Land bleiben, für die zunehmende Anzahl von Muslimen, Kurden, Jesiden, die Christus als Herr annehmen, für die zahlreichen westlichen Organisationen und Kirchen, die den irakischen Christen und Flüchtlingen täglich Hilfe zukommen lassen und sie auch mit geistlicher Nahrung versorgen.

Gebetsanliegen

  • Ende von Krieg, Gewalt und Terror.
  • Sicherheit für einheimische Christen und verfolgte Konvertiten.
  • Mut für irakische Christen, trotz Verfolgung ihren Glauben weiterzugeben und im Land ihre vorrangige Berufung als Jesu Botschafter wieder zu erkennen und wahrzunehmen.
  • Dass einheimische Christen die Hoffnung nicht verlieren, sondern im Land bleiben und eine Vision bekommen, sich in ihrem Land positiv einzubringen, Versöhnung und Zukunft zu bauen.