Republik Indonesien

Republik Indonesien  
Fläche: 1.919.317 qkm. Die 17.500 Inseln erstrecken sich über
  9,5 Mio. qkm.
Einwohner: 237 Mio.
Hauptstadt: Jakarta 9,2 Mio.
Völker: Indo-Malaien 94,3%; Chinesen 3%; Völker der pazifischen
  Inseln 0,6% (insgesamt 750 Völker)
Religionen: Muslime 80,3%; Christen 15,9% (Protestanten 10,8%
  – etwas mehr als die Hälfte davon Evangelikale; Katholiken
  3%); Hindus 1,3%; Stammesreligionen 1,3%

Hintergrundinformationen

Die 240 Mio. Einwohner des größten islamischen Landes der Welt lebten nach dem Zweiten Weltkrieg in Diktaturen unter Präsident Sukarno (1945-1965) und General Suharto (1965-1998). Die Umwandlung in eine Demokratie erfolgte weitgehend friedlich und die freien Wahlen von 2004 und 2009 erbrachten eine Mehrheit für eine säkulare nationalistische Regierung unter Beteiligung muslimischer Parteien. In den 1950er und 1960er Jahren wuchs das Christentum stark und hatte großen Einfluss. In den 1970er Jahren begann sich das Klima zwischen Islam und Christentum zu ändern, denn radikale muslimische Organisationen forderten das Ende der Zulassung von sechs zugelassenen Religionen zugunsten des Islam als Staatsreligion. 1978 begann die Regierung die Missionsausübung aller Religionen zu beschränken. 1992 wurde verfügt, dass alle Regierungsstellen nach dem offiziellen Proporz (87% Muslime, 6% Protestanten, 4% Katholiken usw.) zu vergeben seien, auch in Gebieten mit christlicher Bevölkerungsmehrheit. Dadurch ging der öffentliche Einfluss der Christen in ihren Hauptsiedlungsgebieten völlig verloren. 1993 wurden alle christlichen Minister durch muslimische ersetzt. Diese schleichende Wahhabisierung (Der Wahhabismus ist die Staatsreligion Saudi Arabiens und eine sehr konservative Lesart des Islam.) Indonesiens beginnt, die lange Tradition der religiösen Toleranz und Religionsfreiheit in Indonesien anzugreifen. Der Druck der Fundamentalisten auf die tolerante Bevölkerungsmehrheit nimmt zu. Der Extremismus hat in Indonesien wenig Unterstützung, aber große Wirkung.

Hauptproblem ist, dass die Zentralregierung und die Gouverneure Gewalt gegen religiöse Minderheiten seitens privater muslimischer Extremisten meist viel zu spät und nicht entschlossen genug bekämpfen und die Strafverfolgung aussetzt oder verschleppt. Häufiger handeln auch die Gouverneure sehr eigenmächtig und verschlimmern die Marschrichtung der Bundesregierung noch. In der Provinz Aceh sind theoretisch Nichtmuslime nicht der Scharia unterstellt. Tatsächlich aber macht die Schariapolizei (nach dem Vorbild Saudi-Arabiens und des Iran) meist vor niemandem Halt.

Die Entschließung des Europäischen Parlaments vom 7.7.2011 zur Verfolgung religiöser Minderheiten in Indonesien hat sehr gut zum Ausdruck gebracht, dass die Lage gerade angesichts der langen Toleranzgeschichte bedrückend ist, dass in ihr aber auch alle Voraussetzungen liegen, völlige Religionsfreiheit in Indonesien herzustellen.

In der jüngsten Geschichte kam es auf einzelnen Inseln immer wieder zu schweren Verfolgungen. Es traf immer Inseln mit christlicher Bevölkerungs-mehrheit. Auf Sulawesi (früher ‚Celebes‘) starben in den 1990er und 2000er Jahren über 1000 Christen und 500.000 Menschen, überwiegend Christen, verloren Haus, Hof, Beruf oder waren sonst von der Gewalt direkt betroffen. Die brutale Gewalt der Jahre 1999 und 2000 veränderten die beiden Malukken-Provinzen für immer. Ein Gewirr aus ethnischen und wirtschaftlichen Fragen, Sezessionsbestrebungen und politischen Forderungen explodierte, als Tausende von islamistischen Kämpfern schwer bewaffnet auf den Inseln einfielen und die Christen anfingen, sich zu wehren. 400 Kirchen und Moscheen wurden zerstört. Der größte Teil der Christen auf den Inseln Ambon, Seram, Ternate, Tidore und Teilen von Halmahera floh. Über 20.000 kamen ums Leben, 500.000 wurden zu Flüchtlingen. Der Anteil der Christen auf Irian Jaya, dem westlichen Teil von Papua, mit 2,5 Mio. Einwohnern, liegt bei 68%, wobei hier die Katholiken ein Viertel der Christen ausmachen. Die Christen sind auf 238 melanesische Völker mit 274 Sprachen verteilt, von denen nur die Ekagi mehr als 100.000 Angehörige haben. Hier trägt die Diskriminierung der Christen ganz andere Züge. Zum einen sind die Christen überwiegend Angehörige der vielen Stämme in den Wäldern und werden als solche von javanischen Siedlern oft nicht einmal als Menschen angesehen, schikaniert und ihres Landes beraubt, ja von der Armee brutal behandelt. Zum anderen hat die Regierung schon zur Zeit der Diktatoren, aber auch heute noch ein großes Programm der Zwangsumsiedlungen (‚transmigrasi‘) von Javanern nach Papua laufen, das wöchentlich 5.000 Javaner nach Papua bringt und damit zugleich bewusst große Zahlen von Muslimen, die alle staatlichen Stellen besetzen. So unterschiedliche Organisationen wie die Gesellschaft für bedrohte Völker, das islamische ‚Wahid Institute‘, die indonesische Menschenrechtsorganisation ‚Setara Institute for Democracy and Peace‘ und der Päpstliche Dialograt stellen eine Zunahme von Gewaltaktionen gegen Christen fest. Der ‚Jakarta Globe‘ nennt denn auch das Jahr 2011 ‚A Bad Year for religious Rights‘. Die häufigste christenfeindliche Aktivität in Indonesien ist die Zerstörung von Kirchen oder deren Schließung, beides zusammen betraf 2011 43 Kirchen. Das liegt unter dem Durchschnitt von ca. 80 Kirchen pro Jahr seit 1995.

Gebet für Indonesien: Vater im Himmel, du siehst die zunehmende Politisierung eines einflußreichen Flügels des Islam, der alle Nichtmuslime aus Indonesien vertreiben will. Du siehst, dass viele deiner Kinder, die Jahrzehnte friedlich mit ihren Nachbarn zusammengelebt haben, zunehmend in Furcht leben, weil sie bedroht werden und um das Leben ihrer Familien bangen. Schenke du Indonesien Frieden! Sorge dafür, dass die Regierung ihrer Pflicht nachkommt und das Leben der Christen vor den Jihad-Kämpfern schützt. Verhindere du, dass deine Kirche, nach einer langen Zeit relativer Ruhe nun endgültig in eine Zeit der Christenverfolgung gerät. Amen.